Bank of England senkt nochmal die Zinsen und weitet Ankäufe aus - Nord LB Kolumne

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19.03.2020 17:13 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Es ist gerade einmal acht Tage her, dass die Bank of England auf einer außerordentlichen Sitzung die Zinsen von 0,75% auf 0,25% gesenkt hat. Überraschungen scheinen gerade in Mode zu kommen, denn heute Nachmittag gab es unerwartet ein neues Maßnahmenpaket der Bank of England. Die Notenbank senkt die Zinsen auf nun 0,1% und erhöht das Volumen des Asset-Ankaufprogramms um GBP 200 Mrd. auf nun insgesamt GBP 645 Mrd.. Das Abstimmungsergebnis war einstimmig. Interessant war, dass die Bank das Volumen nicht nach Staats- und Unternehmensanleihen unterscheidet. Möglicherweise bedeutet dies, dass sie flexibler sein möchte.

Damit reiht sich die Notenbank in die Reihe der geldpolitischen Feuerwehren ein, die global mit außergewöhnlichen Maßnahmen auf die konjunkturellen Risiken, die sich durch die Pandemie ergeben, reagieren. Die britischen Zentralbanker sind vor allem durch zwei Dinge unter Druck geraten: Das Überraschungsei der EZB der letzten Nacht und den auch schon zuvor anhaltenden Verfall der britischen Währung. Der Euro kostete heute zum Teil schon fast GBP 0,95. Die Abwertung des Pfunds wiederum ist bedingt durch die eher zögerliche Haltung der britischen Regierung hinsichtlich der Bekämpfung des Coronavirus – sei es effektiv durch die Bevorzugung des Herdenansteckungs-Konzepts, dass nebenbei auch Holland verfolgt, aber auch in Bezug auf die konjunkturellen Folgen der globalen Krise. Mit der Ankündigung wertete das Pfund deutlich, um mehr als 2,0% auf.

Die Notenbank hat also an den Märkten einen größeren Vertrauen schaffenden Effekt hinterlassen, als noch das Paket der Regierung vom 17. März. Finanzminister Rishi Sunak hatte ein Kreditprogramm über GBP 330 Mrd. und zusätzliche Mittel in Höhe von GBP 20 Mrd. für anderweitige Hilfen bereitgestellt.

Das Virus verbreitet sich zumindest der Statistik nach in Großbritannien noch nicht so wie auf dem Kontinent. Allerdings bedeutet die hohe Todeszahl, dass die Tests hier nicht hinreichend durchgeführt werden. Die Insel hat aktuell 128 Todesopfer zu verzeichnen. Zum Vergleich – in Deutschland sind es derzeit 42. In Deutschland haben wir 14.000 positiv getestete Personen und in UK lediglich 2.700 – da stimmen die Verhältnisse nicht, selbst bei konservativen Schätzungen. Es wird auch für London Zeit, weitergehende Maßnahmen zu ergreifen.

Fazit: Überraschungen scheinen auch bei Notenbanken in Mode zu kommen. Nach der EZB gestern Nacht hat heute Nachmittag die Bank of England nicht nur die Leitzinsen von 0,25% auf 0,1% gesenkt, sondern auch das Ankaufprogramm um GBP 200 Mrd. erhöht. Erst vor 8 Tagen hatte sie die Zinsen von 0,75% auf 0,25% gesenkt. Die Notenbank sekundiert damit die Konjunkturmaßnahmen, die die Regierung im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen diese Woche auf den Weg gebracht hat. Die Aktion hat auch erfolgreich die Abwertung des Pfundes gestoppt, das heute auf einem Tief notierte, das zuletzt zu Zeiten der Finanzmarktkrise gesehen wurde. Es wird immer wichtiger, dass London mehr im Kampf gegen die Ausbreitung der Krankheit unternimmt. Die im Vergleich zu Deutschland hohe Zahl der Toten deutet an, dass das Problem Coronavirus auf der Insel verbreiteter ist, als die Fallzahl suggeriert.

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