EZB: Keine Zinssenkung! Ist das eine „Whatever-It-Takes-Bazooka“? - Nord LB Kolumne

Die Aktienmärkte hatten heute auf „einfachere“ Lösungen gegen die Folgen der Corona-Pandemie gehofft – die lieferte Lagarde nicht. Bild und Copyright: Ewais / shutterstock.com.

Die Aktienmärkte hatten heute auf „einfachere“ Lösungen gegen die Folgen der Corona-Pandemie gehofft – die lieferte Lagarde nicht. Bild und Copyright: Ewais / shutterstock.com.

12.03.2020 15:46 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Mit großer Spannung wurde heute die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet. Sie musste den hohen Erwartungen gerecht werden, die die Finanzmärkte gestellt hatten, um eine Enttäuschung mit entsprechend negativen Marktreaktionen zu vermeiden. Insofern wurde durchaus auf eine sogenannte „Bazooka“ gehofft – alles andere wäre nicht angemessen gewesen!

Die Frankfurter Notenbank hat die Leitzinsen überraschend unverändert gelassen. Diese Nachricht dürfte viele Beobachter enttäuscht haben. Doch gerechterweise muss hierbei angemerkt werden, dass Zinssenkungen im Euroraum wohl kaum nachhaltige Wirkungen erzeugt hätten. Zudem wären Banken zusätzlich unter Druck geraten und Sparer noch stärker verzweifelt gewesen.

Stattdessen kündigte die EZB ein umfangreiches Maßnahmenpaket an, um direkter die vom Coronavirus belasteten Volkswirtschaften zu unterstützen und Banken mit ausreichend Liquidität zu versorgen. So wird erstens ein Ankaufprogramm über Euro 120 Mrd. befristet bis zum Ende des diesen Jahres aufgelegt. Dieses Asset Purchasing Programme (APP) soll sich insbesondere auf den Privatsektor konzentrieren. Zweitens werden die Long Term Refinancing Operations (LTRO) mit deutlich vorteilhafteren Konditionen versehen, was den Banken eine fortgesetzte Kreditvergabe ermöglichen soll. Damit soll eine Kreditklemme verhindert werden. Dabei dürfte besonders der Darlehensfluss an kleine und mittelgroße Unternehmen im Fokus stehen, die wegen der Virus-Krise in Bedrängnis geraten. Drittens werden die Kapitalanforderungen für Banken übergangsweise gelockert. Damit wird dem Bankensektor als Finanzier der Realwirtschaft Flexibilität gewährt.

In der anschließenden Pressekonferenz sprach sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde für nun notwendige, „ehrgeizige und koordinierte Reaktionen“ seitens der Politik zur Eindämmung des Coronavirus aus. Sie sieht klare Wachstumsrisiken nach unten voraus. Deshalb forderte sie die Regierungen auf, „zeitnah und gezielt“ auf den Schock zu reagieren, um Unternehmen und Arbeitnehmer mit den Problemen nicht alleine zu lassen.

Die Aktienmärkte setzten nach der Veröffentlichung des Statements den Trend vom Vormittag fort. Der Dax brach bis unter 9.350 Punkten ein. Dies lag möglicherweise auch an dem recht kompliziert ausgestalteten Maßnahmenpaket. Gerade jetzt hätten die Finanzmärkte sicherlich eine „einfache“ Lösung bevorzugt – doch die gibt es halt nicht. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sich Marktteilnehmer und Bürger der Eurozone noch Wochen oder Monate auf schwere Zeiten einstellen müssen. Eine „schnelle“ Lösung könnte wohl nur in der Form von klar positiven statistischen Resultaten bezüglich der Wirksamkeit eines Medikamentes daherkommen. Alles andere ist nun harte (Geld- und Fiskal-)Politik – und da scheint nun die US-Regierung notwendigerweise am Zuge!

Fazit: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer heutigen Sitzung etwas unerwartet die Leitzinsen unverändert belassen, das umfangreiche Maßnahmenpaket ähnelt nur in Teilen der von den Finanzmärkten erhofften sogenannten „Bazooka“. Die Enttäuschung über die Zinsentscheidung ist zu spüren, da das angekündigte Ankaufprogramm über Euro 120 Mrd., die verbesserten Konditionen der LTRO sowie die gelockerten Kapitalanforderungen für Banken als „nur“ angemessen zu bewerten sind. Reicht das aus? Christine Lagarde betonte auf der anschließenden Pressekonferenz die Notwendigkeit für ehrgeizige und koordinierte Reaktionen der Regierungen, um zeitnah und gezielt auf den Schock zu reagieren. Die Aktienmärkte hatten auf „einfachere“ Lösungen gehofft – die lieferte Lagarde nicht. Die Augen richten sich wieder auf Washington, von wo eine Orientierung herkommen müsste. Doch können Ausgabenprogramme das Virus bekämpfen? Am besten wäre jetzt ein ausreichend getestetes, wirksames Medikament! Bis dahin heißt es Hände waschen!

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