Coronavirus ohne Einfluss auf die Luxusgüterbranche? - Commerzbank Kolumne

Bild und Copyright: Sean Pavone / shutterstock.com.

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12.02.2020 09:37 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Bilder, die uns diese Tage aus China erreichen, erschüttern, verunsichern, ängstigen. Die Verunsicherung spürt man auch in Deutschland angesichts der Berichte z.B. über die Umsatzeinbrüche chinesischer Restaurants. Klar scheint: neben erzwungenen Einschränkungen in China führt die Epidemie auch zu freiwilligen Verhaltensänderungen im Rest der Welt. Nach Jahrzehnten der Produktionsverlagerung nach Asien hat die Epidemie natürlich Auswirkungen auf die Produktionskette. Aber auch der Absatz ist betroffen. Die Bedeutung chinesischer Kunden für westliche Unternehmen ist insbesondere für die Luxusgüterbranche massiv.

Die chinesische Gesellschaft ist geprägt von wirtschaftlichem Aufstieg, extremem Appetit auf Konsum und die Zurschaustellung von Wohlstand gehört zum Lebensgefühl. Sehr begehrt sind Luxusgüter, die in Europa hergestellt werden. Die Schätzungen gehen dahin, dass etwa ein Drittel der Luxusgüternachfrage bei gleichzeitig hohen Wachstumsraten auf chinesische Kunden zurückgeht. Mit zunehmenden Geschäftsschließungen und Reiseeinschränkungen seit der zweiten Januarhälfte dürfte sich die Lage frühestens gegen Ende des Quartals langsam entspannen. Erhebliche Einflüsse auf Umsatz und Wachstum sind eigentlich kaum zu vermeiden.

Die Luxusgüterkonzerne haben nach einem starken Jahr 2019 exzellente Abschlüsse vorgelegt. Auch wenn sich die Auswirkungen auf die wichtigen chinesischen Kunden in den vergangenen Wochen abgezeichnet haben müssten, fehlen in den Managementausblicken zumeist klare Worte der Vorsicht. Ist der Einfluss tatsächlich noch nicht zu quantifizieren oder geschieht dies aus mangelnder Vorsicht? Wir sind gespannt.

Anleihen


Schweden: Zinsankündigung Zentralbank, 9:30 Uhr
Euroraum: Industrieproduktion (Dezember), 11:00 Uhr

Nachlassende Sorgen über die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie ließen gestern die Staatsanleiherenditen wieder leicht ansteigen. Die Zahl der Neuansteckungen ist weiter rückläufig. Fed-Chef Powell äußerte sich am Dienstag während seines halbjährlichen Auftritts vor dem Repräsentantenhaus. Er hält die Geldpolitik der US-Notenbank nach wie vor für angemessen, wobei die Fed das Auftreten des Coronavirus genau beobachte. Dies könnte zu Verwerfungen in China führen, mit der Gefahr einer Ausbreitung auf die restliche Weltwirtschaft. Die wirtschaftliche Unsicherheit im Außenhandel sei zwar in Anspielung auf eine Teileinigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China etwas geringer geworden. Dennoch bestünden weiterhin Risiken für den konjunkturellen Ausblick. Die aus Sicht der Fed zu niedrige Inflation dürfte sich in den kommenden Monaten dem Zwei-Prozent-Ziel annähern. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus und des geringeren Zinssenkungsspielraums der Notenbank hob Powell die Mitverantwortung der staatlichen Ausgabenpolitik im nächsten Abschwung hervor. EZB-Chefin Lagarde sprach vor dem Europaparlament in Brüssel. Die EZB sehe das Risiko, dass ihre geldpolitischen Maßnahmen bei zunehmender Dauer negative Nebenwirkungen auslösen können. Es sei der EZB bewusst, dass das Niedrigzinsumfeld die Erträge von Sparern, die Bewertung von Vermögenswerten, die Risikoneigung und die Hauspreise beeinflusse. Der Euro schwächte sich gegenüber dem US-Dollar weiter ab und notierte zum ersten Mal seit Oktober 2019 kurzfristig wieder unter der Marke von 1,09 US-Dollar je Euro. Gründe sind unter anderem die zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten aus dem gemeinsamen Währungsraum.

Aktien


ABN Amro, Akzo Nobel, Jahresergebnis
Cisco Systems, Ergebnis Q2
Norma Group, Jahresergebnis

Die europäischen Aktienmärkte setzten am gestrigen Handelstag ihre Aufwärtstendenz wieder fort. Die relevanten europäischen Leitindizes legten in der Spitze um bis zu 2% (Österreich) zu. Der Stoxx Europe 600-Index markierte mit 429 Punkten ein Allzeithoch. Für Rückenwind sorgte vor allem die Hoffnung, dass die grassierende Coronavirus-Epidemie möglichst bald eingedämmt werden wird. In diesem Umfeld gewann der Dax 1% und erzielte mit 13.668 Punkten ebenfalls ein neues Allzeithoch. Starperformer des Tages waren die Notierungen der Deutschen Lufthansa (+3,9%) sowie der Deutschen Telekom (+3,8%). Bei letzterer beflügelte vor allem die Nachricht über die Fusion von T-Mobile US (+11,8%) und Sprint (+77,5%). Nach einem starken Auftakt kam es zu Gewinnmitnahmen bei Autowerten und deren Zulieferern. So litt der Kurs von Continental (+0,1%) unter schwachen Zahlen von Michelin (-3%). Die Notierung von Daimler gab als Tagesverlierer um 1% nach (Gewinneinbruch, Dividendenkürzung etc.). Die Aktie von Tui gewann nach Vorlage von Zahlen und der Ankündigung eines guten Ausblicks 12,4%. Auf europäischer Sektorenebene waren vor allem Technologiewerte gesucht, die im Schnitt um 2% kletterten. Aktien aus dem Bereich Nahrungsmittel & Getränke büßten als Tagesverlierer im Schnitt 0,3% ein. Die Börsen in den USA tendierten mit leichten Aufschlägen. Frühe Gewinne konnten nicht ganz gehalten werden. Trotzdem erklomm der S&P 500-Index ein Allzeithoch. Auf Sektorenebene (S&P 500) waren v.a. Immobilienwerte gefragt (+1,2%). Die Börsen in Asien tendierten überwiegend freundlicher, nachdem die Anzahl der Neuinfektion (Coronavirus) offenbar nachlässt. Zudem stützte die Hoffnung auf weitere expansive geldpolitische Maßnahmen der chinesischen Notenbank.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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