Haier Smart Home: Wie Apple - nur für Hausgeräte

Obwohl Haier ein chinesischer Blue Chip auf DAX-Niveau ist, ist der Wert hierzulande nur wenig bekannt. Dabei ist Haier nicht weniger interessant als beispielsweise Alibaba. Bild und Copyright: Haier.

Obwohl Haier ein chinesischer Blue Chip auf DAX-Niveau ist, ist der Wert hierzulande nur wenig bekannt. Dabei ist Haier nicht weniger interessant als beispielsweise Alibaba. Bild und Copyright: Haier.

20.12.2019 07:54 Uhr - Autor: Dena Altdörfer  Dena Altdörfer auf Twitter auf Twitter 

Gut ein Jahr ist der chinesische Elektronikkonzern Haier Smart Home über seine D-Shares bei der Deutschen Börse gelistet. Haier ist bis dato die erste und einzige chinesische Aktiengesellschaft, die den Weg über die China Europe International Exchange (CEINEX) gegangen ist. Die CEINEX ist ein Joint Venture der Shanghai Stock Exchange, der Deutschen Börse und der China Financial Futures Exchange (CFFEX). Ziel dieses Vehikels ist es, in China notierte Wertpapiere deutschen und europäischen Anlegern besser zugänglich zu machen.

Obwohl Haier ein chinesischer Blue Chip auf DAX-Niveau ist, ist der Wert hierzulande nur wenig bekannt. Dabei ist Haier nicht weniger interessant als beispielsweise Alibaba, die sich auch bei deutschen Anlegern großer Beliebtheit erfreut. Diese Einschätzung mag auf den ersten Blick verwundern: Alibaba steht für KI, E-Commerce, Zukunft. Und Haier?

Genau da liegt das Problem, aber auch die Chance. Haier wird als Hersteller von Weißer Ware, von Kühlschränken, Gefrierschränken, Waschmaschinen, Küchengeräten, Klimaanlagen et cetera wahrgenommen. Was den Hausgerätemarkt betrifft, ist Haier tatsächlich führend mit einem weltweiten Marktanteil von über 10 Prozent in Volumen. Und das weltweit. Im Bereich Smart Home, also vernetzten Geräten im Haushalt, gilt Haier als Vorreiter.

Im Gegensatz zur Branche verzeichnet Haier in seinem angestammten Geschäft auch Wachstum. In den ersten neun Monaten steigerte Haier die Umsätze um 7,7 Prozent auf umgerechnet rund 19 Milliarden Euro. Der Nettogewinn kletterte in Euro gerechnet um 26 Prozent auf eine Milliarde. Im Gesamtjahr 2019 sind laut Analysten Erlöse von 25 Milliarden Euro zu erwarten.

Haier kann für sich verbuchen, dass man den Haushaltsgerätemarkt dominiert und international vor allem durch Übernahmen – wie zuletzt durch den Kauf von Candy – und vor allem den Trend zu Smart Home wächst. Das Thema „Smart Home“ ist ein wichtiger Treiber: Der globale Umsatz im Smart Home Markt wird für 2019 auf etwa 65,3 Milliarden Euro geschätzt. Im Jahr 2023 soll bereits ein Marktvolumen von 125 Milliarden Euro erreicht werden, was einem jährlichen Umsatzwachstum von 17,6 Prozent entspricht. China sticht dabei beim Smart-Home-Wachstum heraus: 2022 wird ein Volumen von 21 Milliarden Euro erwartet, was einem jährlichen Wachstum von 45 Prozent entspricht. Die globale Marktdurchdringung ist mit 7,2 Prozent noch gering, 2023 wird die Penetrationsrate bei voraussichtlich 16,7 Prozent liegen. Es besteht somit viel Potenzial für Wachstum in diesem Bereich.

Vorreiter für das vernetzte Zuhause sind neben China insbesondere die USA. Kühlschränke etwa, die mit dem Herd vernetzt sind und die Frische von Lebensmitteln mit QR-Codes überwachen, oder die den Familienmitgliedern gesunde Rezepte empfehlen, indem sie Nutzerdaten studieren und analysieren sind dort ebenso Realität, wie Waschmaschinen, die automatisiert per RFID oder Foto mit dem Smartphone erkennen, welches Waschprogramm nötig und welches Waschmittel ideal ist. Frei nach Johanna von Koczian - das bisschen Haushalt macht sich von allein. Zumindest fast.

Aber: Haier angesichts dieser durchaus vielversprechenden Perspektiven lediglich als „Hausgerätehersteller“ zu bezeichnen, wäre in etwa so, wie wenn man Apple nur als Hardwarehersteller für iPhones und Tablets ohne das Ökosystem dahinter sehen würde. Auf jeden Fall ist es zu kurz gegriffen.

Infografik: Entwicklung des globalen Marktes für „Smarte Hausgeräte” für die Jahre von 2018 bis 2023.

Globaler Markt für „Smarte Hausgeräte”. Bild und Copyright: Haier.

Ähnlich wie Apple hat Haier basierend auf der Smart-Home-Plattform ein Ökosystem aufgebaut, das zusätzliche Einnahmen über Drittanbieter ermöglicht. Denkbar ist beispielsweise die automatische Bestellung von Waschmittel oder eben einer Zutat, die für das vom Kühlschrank vorgeschlagene Abendessen noch fehlt. Deren Lieferung am selben Tag ist in Zukunft durch die Einbindung der Logistik natürlich sichergestellt.

Dass Haier unter anderem beim Eigenkapitalforum in Frankfurt vor wenigen Wochen erstmals Zahlen nennt, die auf diese Weise von Drittanbietern kommen, zeigt, dass dieses Thema in die Wachstumsphase übergeht. Über 400 Millionen Euro gingen daraus bereits durch die Bücher. Das klingt bei einem Jahresumsatz von 25 Milliarden Euro zunächst nicht nach viel. Dabei handelt es sich allerdings um eine völlig neue Erlösquelle, der überschaubare Kosten gegenüberstehen und die erst den Kinderschuhen entwächst. Haier nennt das Internet of Food oder Internet of Clothing.

Einen weiteren Trumpf hat Haier in der Hand, wenn es um das Thema Industrie 4.0 geht. Auf der Hannover Messe präsentierte Haier mit seinem Mass-Customization-Modell COSMOPlat ein komplettes Ökosystem für das industrielle Internet der Dinge (IIoT), das Produktionsmaschinen, Produkte und Menschen in Echtzeit vernetzt. COSMOPlat kann in jede Fabrik weltweit integriert werden und erlaubt dank der Auswertung der Kundenwünsche eine permanente Weiterentwicklung der Produkte, um sie optimal den Erwartungen der Mehrheit anzupassen.

Informationen im Sinne von harten Zahlen zu COSMOPlat zu bekommen ist schwer. An COSMOPlat dürften derzeit weltweit gut 13 vernetzte Fabriken angeschlossen sein, vor allem in Bereichen wie der Bau-, Haushalts-, Landwirtschafts- und Bekleidungsindustrie. Das Handelsvolumen im vergangenen Jahr, das über COSMOPlat abgewickelt wurde, belief sich auf 313,3 Milliarden Yuan (umgerechnet circa 45 Milliarden Euro).

Entscheidender Vorteil für die Anwender auf der COSMOPlat-Plattform: Die Nicht-Lagerquote der Produkte erreichte 69 Prozent und der Lieferzyklus der Bestellungen konnte um 50 Prozent verkürzt werden. Erreicht wird das dadurch, dass die Produkte dank der Integration aller Prozesse vom Rohstoff über die Produktion bis hin zum Kunden direkt aus der Fabrik ohne den Zwischenhandel direkt zum Verbraucher geliefert werden.

Haiers IIoT-Ökosystem entwickelt sich zunehmend zum Standard und leistet aus Sicht von China einen großen Beitrag zum Plan 2025 der chinesischen Zentralregierung. Deren Ziel: China soll dank führender Positionen in wichtigen Bereichen wie Chipherstellung, Robotik und künstlicher Intelligenz die globale Fertigungsindustrie im 21. Jahrhundert bestimmen.

Für Anleger stellt sich die Frage, was eine Firma wie Haier, die sich von einem Haushaltsgerätehersteller zu einem KI- und IoT-Riesen wandelt, in Zukunft an der Börse wert sein wird. Haier wird an der Börse aktuell mit rund 13,6 Milliarden Euro bewertet. Das KGV für 2020 liegt laut Bloomberg bei der nur in China notierten Aktiengattung bei 12 und die Dividendenrendite (2019) bei 2,5 Prozent. Das entspricht dem Niveau „normaler“ global agierender Elektrogerätehersteller. Viel Fantasie scheint nicht eingepreist zu sein. Die in Frankfurt gelisteten D-Shares, notieren mit einem KGV von 6 respektive 50 Prozent unter der China-Notiz, die Dividendenrendite ist mit 5 Prozent entsprechend doppelt so hoch, wohlgemerkt bei gleichen Stimm- und Kapitalrechten.
Daten zum Wertpapier: Haier Smart Home
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Ticker-Symbol: 690D
WKN: A2JM2W
ISIN: CNE1000031C1
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