Traumhaus: „Wir sehen unser Unternehmen in Zukunft deutlich höher bewertet“

Im Interview mit der 4investors-Redaktion spricht Traumhaus-Chef Otfried Sinner über die Pläne für 2020 und wie er den Anteilschein des Unternehmens zur Dividendenaktie machen will. Bild und Copyright: Traumhaus.

Im Interview mit der 4investors-Redaktion spricht Traumhaus-Chef Otfried Sinner über die Pläne für 2020 und wie er den Anteilschein des Unternehmens zur Dividendenaktie machen will. Bild und Copyright: Traumhaus.

25.11.2019 06:12 Uhr - Autor: Johannes Stoffels  Johannes Stoffels auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

2019 war ein ereignisreiches Jahr für Traumhaus. Im Exklusivinterview mit der Redaktion von www.4investors.de blickt Otfried Sinner, Vorstandschef von Traumhaus, auf die vergangenen Monate zurück. Der Blick von Sinner richtet sich aber vor allem auf 2020. Der Traumhaus-Chef steckt voller Pläne für das neue Jahr, die Pipeline ist unverändert gut gefüllt.


www.4investors.de: Sie sind seit etwas über einem Jahr an der Börse notiert. Wie sieht ein erstes Fazit des Börsenlebens aus?

Sinner:
Die Anforderungen und zeitlichen Aufwendungen sind natürlich höher im Vergleich zu einer nicht börsennotierten Gesellschaft. Dies betrifft nicht nur die Transparenzrichtlinien und Publizitätspflichten, sondern auch die aktive Begleitung des unternehmensinternen kulturellen Wandlungsprozesses, der mit diesem Schritt verbunden ist. Der Börsengang hebt auch nochmal enorme Potentiale. Wir haben vom Kapitalmarkt ein eindeutiges Feedback erhalten: Geschäftsmodell überzeugend, Wachstum klar erkennbar, Innovationskraft vorhanden. Es gibt nicht viele börsenfähige Unternehmen mit einem Vierteljahrhundert Erfahrung im seriellen Bauen.

www.4investors.de: Im September haben sie einen Aktiensplit im Verhältnis 1:4 umgesetzt. In der Rückschau: Hat sich dies gelohnt? Und was waren die Gründe für diesen Split?

Sinner:
Mit dem Einstiegskurs von 54 Euro im August 2018 und der Wertentwicklung auf mehr als 60 Euro war das Einstiegsszenario für einige Aktionärscluster erschwert. Das haben wir durch das Splitting geändert. Wir sprechen durch diesen Schritt ein breiteres Spektrum von Aktionären an.

www.4investors.de: 2019 ist fast zu Ende. Wie bewerten sie den Geschäftsverlauf im aktuellen Jahr?

Sinner:
Wir arbeiten daran, unsere gesteckten wirtschaftlichen Ziele zu erreichen. Darüber hinausgehend haben wir für die Traumhaus AG Meilensteine gesetzt, die sich in den Folgejahren positiv auswirken werden. Wir haben neben den bewährten Reihen- und Doppelhaushälften unser Portfolio um standardisierte Mehrfamilienhäuser erweitert und uns damit am Markt etablieren können. Das verschafft uns mehr Spielraum in der Planung von Siedlungskonzepten, mit denen wir noch stärker auf die Wohnraumbedürfnisse der Kommunen eingehen können. Zweiter Meilenstein ist die fortgeschrittene Planung unserer automatisierten Vorfertigung ganzer Hauswände, mit der wir unsere Jahresleistung bei gleicher Mannstärke auf den Baustellen deutlich ausweiten können.

www.4investors.de: Ein Ziel von Traumhaus ist es, 2019 Grundstücke im Wert von rund 30 Millionen Euro zu erwerben. Wird dies gelingen?

Sinner:
Dieser Zielwert steht nach wie vor. Allerdings soll uns dies nicht dazu verleiten, die Qualität des Grundstücks zum Ankaufszeitpunkt zu vernachlässigen. Ein weitaus bedeutenderer Wert ist, dass wir uns mit den Grundstückskäufen regional erweitern konnten und unsere Siedlungskonzepte verstärkt mit Mehrfamilienhäusern aufwerten. Die Angebote für Liegenschaften an die Traumhaus AG, die mehr als 3.000 Quadratmeter groß sind, haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Wir entwickeln derzeit einige Projekte mit mehr als 100 Wohneinheiten. Das zeigt auch, dass die Nachfrage nach „Leistbarem Wohnen“ gestiegen ist und wir die richtige Antwort darauf haben.

www.4investors.de: Und mit welchen Plänen gehen sie in das neue Jahr? Wie sieht die Pipeline aus?

Sinner:
In diesem Jahr haben wir 370 Einheiten im Bau. Mit dieser Größenordnung haben wir schon ordentliche Steigerungsraten im Vergleich zu den Vorjahren realisieren können. Das werden wir in den nächsten Jahren nochmals deutlich steigern. Wir haben Stand heute 31 eigene Grundstücke projektiert, auf denen rund 1.200 Reihenhäuser und Doppelhaushälften sowie 18 Mehrfamilienhäuser mit 244 Wohneinheiten entstehen werden. Dahingehend mein Fazit: Ja, unsere Pipeline ist sehr gut gefüllt und wird auch weiterhin mehr als ausreichend gut bestückt sein.

www.4investors.de: Andere Unternehmen blicken mit Sorge ins neue Jahr, da ihnen geeignete Fachkräfte fehlen. Ist das bei ihnen auch ein Problem?

Sinner:
Wir haben frühzeitig erkannt, dass es in Deutschland auch im Baugewerbe einen stetig steigenden Fachkräftemangel geben wird. Das serielle Bauen, wie wir es über Jahrzehnte perfektioniert haben, garantiert hohe Effizienz und optimale Nachverfolgbarkeit bei allen Prozessschritten - also auch beim Einsatz von Handwerkern. Darüber hinaus haben wir im vergangenen Jahr die Heinrich Hildmann Baugesellschaft integriert. Somit können wir einen Großteil der Bauausführungen ohne wesentliche Schnittstellen über die interne Wertschöpfung realisieren. Zum anderen arbeiten wir mit verlässlichen Partnern zusammen, die uns in der Regel von Baustelle zu Baustelle begleiten. Und last but not least bauen wir derzeit eine automatisierte Vorfertigung auf. Das bedeutet, dass in Zukunft die Hauswände Stein auf Stein, von Baurobotern gefertigt werden. Damit erhöhen wir die Mauerwerkskapazität um mindestens 30 Prozent. Mit anderen Worten: Die Traumhaus AG sieht sich in diesem Kontext gut aufgestellt.

www.4investors.de: Durch eine Kapitalerhöhung im Oktober haben sie rund 1,1 Millionen Euro ins Unternehmen geholt. Wollten sie damit vor allem neue Investoren in die Gesellschaft einbeziehen oder war der monetäre Aspekt ausschlaggebend?

Sinner:
Sie fassen die beiden Komponenten bereits in der Frage gut zusammen. Natürlich sind wir als börsennotierte Gesellschaft daran interessiert, unsere Investorenbasis zu verbreitern. Nur: Das alleine könnte nicht der Grund für eine Kapitalerhöhung sein. Auch wenn die genannte Summe nicht sonderlich groß erscheinen mag, so dienen doch alle Kapitalmarktmaßnahmen unter dem Strich dazu, die Liquidität im Unternehmen so hoch zu halten, dass Investitionen in Produktion und Grundstücksankauf jederzeit und sofort umgesetzt werden können. Diese Wachstumsstrategie geht hervorragend auf.

www.4investors.de: Was machen sie mit dem frischen Geld?

Sinner:
Wir wollen am Markt flexibel sein und schnell agieren können. Denn einer unserer Kernkompetenzen ist der Grundstücksankauf und diese Säule bauen wir weiter aus.

www.4investors.de: Durch ihre Standardbauweise können sie günstig Häuser erstellen. Kann man dabei noch Innovationen auf den Weg bringen?

Sinner:
Ja, ich kenne die Klischees. Was hat der Bau von Reihenhäusern und Doppelhaushälften mit Innovation zu tun, insbesondere, wenn wir auch immer den gleichen Haustyp bauen. Ich sage Ihnen: eine ganze Menge. Würden wir nicht kontinuierlich an Dämmwerten oder einer effizienten Energieversorgung unserer Wohngebiete arbeiten, könnten wir nicht die Spitzenwerte aufzeigen, zu denen wir in der Lage sind. Darüber hinaus haben wir das Thema Digitalisierung am Bau schon frühzeitig ernst genommen und uns damit auseinandergesetzt. Neben der bereits beschriebenen Roboterfertigung, arbeiten wir auch noch an einem digitalisierten Baucontrolling. Ich kann Ihnen versichern, die Ideen gehen uns nicht aus.

www.4investors.de: Was ist für sie lukrativer: Das Bauen von Reihenhäusern, Doppelhaushälften oder Mehrfamilienhäuser? Und wo ist die Nachfrage größer?

Sinner:
Unabhängig von dem Segment, von dem Sie sprechen, erreichen wir immer unsere Zielrendite. Und gleichzeitig achten wir darauf, unser Leistungsversprechen „Leistbares Wohnen“ zu erfüllen. Das ist unser Markenkern, der auf immer größere Resonanz trifft und unseren Erfolg begründet. Man kann auch nicht sagen, dass die Nachfrage nach einem Segment größer oder kleiner ist. Vielmehr geht es darum, sinnvolle wohnwirtschaftliche Lösungen für kommunale Siedlungskonzepte planen und umsetzen zu können. Mit Aufnahme des Mehrfamilienhauses in das Traumhaus-Portfolio können wir dies zweifellos besser als vorher.

www.4investors.de: Im Oktober hat die Nassauische Heimstätte zwei Bauprojekte der Traumhaus AG mit 126 Wohnungen im Rahmen eines Forward Deals erworben. Ist das die neue Strategie von Traumhaus?

Sinner:
Man kann in diesem Fall noch nicht von Strategie sprechen, sondern von einem erweiterten Geschäftsmodell. Ich möchte es folgendermaßen formulieren: Wir sind in der Lage, Projekte zu entwerfen und zu realisieren, die für institutionelle Investoren und ihr Bestandsportfolio interessant und wirtschaftlich sind.

www.4investors.de: Lohnt es sich für sie eher, die Häuser einzeln zu verkaufen oder wie bei der Nassauische Heimstätte im Paket?

Sinner:
Wir haben bei beiden Verkaufsszenarien auskömmliche Erträge. Es geht uns darum, die Käuferstruktur unserer Wohneinheiten und Liegenschaften diversifizieren und auch bedienen zu können. Das gelingt uns ausgesprochen zügig.

www.4investors.de: Andere Baugesellschaften begeben zu ihrer Finanzierung Anleihen. Ist das bei ihnen auch ein Thema? Oder wäre eine weitere, größere Kapitalerhöhung sinnvoller?

Sinner:
Wir sind im August an die Münchener Börse gegangen, um über die erhöhte Visibilität am Kapitalmarkt einen deutlich erweiterten Zugang zu eben diesem Markt und seinen Produkten zu erlangen. Unsere kurz- und mittelfristige Finanzstrategie sieht eine Balance zwischen weiteren Eigenkapitalerhöhungen und Fremdkapitaltransaktionen vor. In diesem Zusammenhang streben wir eine Eigenkapitalquote von rund 25 Prozent an. Welche Fremdkapitalprodukte für das Unternehmen opportun sind, behalten wir uns zum Zeitpunkt der Aufnahme vor.

www.4investors.de: Analysten sehen das Kursziel der Traumhaus-Aktie bei 22,30 Euro. Davon sind sie derzeit ein gutes Stück entfernt. Sind die Analysten etwas zu optimistisch?

Sinner:
Auch wir sehen unser Unternehmen in Zukunft deutlich höher bewertet. Ich möchte das an vier Punkten festmachen: Unser Geschäftsmodell des standardisierten Bauens und des damit verbundenen leistbaren Wohnens ist bewährt und hat aufgrund der Wohnungssituation in Deutschland eine nachhaltige Zukunft. Wir sind innovativ und reagieren nicht nur auf die digitale Zukunft, sondern gestalten diese im Bauwesen aktiv mit. Wir wachsen weiter und erhöhen gleichzeitig neben der Marktkapitalisierung des Unternehmens parallel auch den Streubesitz der Aktie. Und abschließend: Die Traumhaus AG wird durch ihre substanzielle Wertentwicklung und Ertragsstärke eine interessante Dividendenaktie werden können.

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