Wirecard geht gegen „Handelsblatt”-Bericht in die Offensive - Aktie erholt sich

Wirecard weist am Mittwochmorgen in einem Statement den gestrigen Bericht im „Handelsblatt” zurück. Man habe alle Berichtspflichten ordnungsgemäß eingehalten. Bild und Copyright: Wirecard.

Wirecard weist am Mittwochmorgen in einem Statement den gestrigen Bericht im „Handelsblatt” zurück. Man habe alle Berichtspflichten ordnungsgemäß eingehalten. Bild und Copyright: Wirecard.

20.11.2019 08:41 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Wirecards Aktienkurs kann sich aktuell etwas vom „Schock” des gestrigen „Handelsblatt”-Berichts erholen. Aktuelle Indikationen liegen bei 115,05/115,30 Euro und damit schon deutlich über dem Tagestief, das vorbörslich um 111 Euro zu sehen war. Der gestrige XETRA-Schlusskurs bei 121,25 Euro ist aber immer noch rund 6 Euro und damit deutlich entfernt. Den ganz großen Kurssturz, den die „Financial Times” Ende Januar/Anfang Februar 2019 mit ihren Berichten zu den Aktivitäten Wirecards in Singapur entstehen ließ, gab es diesmal aber nicht. Während bisher die News vom gestrigen Abend zur Tochtergesellschaft in Singapur das Gespräch unter Anlegern zur Wirecard Aktie bestimmt, setzt der Konzern heute Morgen mit einem Statement zu den News und operativen Neuigkeiten einen Kontrapunkt.

Man habe alle Berichtspflichten ordnungsgemäß eingehalten, so Wirecard. „Der Konzernabschluss nach IFRS ist nur für den Wirecard-Konzern bestimmt. Die Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat die Konzernabschlüsse und Konzernlageberichte für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen”, heißt es in einem Statement des DAX-notierten Konzerns zum „Handelsblatt”-Bericht. „Ungeachtet dessen wurde der lokale Einzelabschluss 2017 auf der Grundlage lokaler GAAP (SFRS) geprüft. Aufgrund der Einschränkungen durch die Untersuchung in Singapur (und nicht wie im Artikel fälschlicherweise durch Unregelmäßigkeiten vorgeschlagen) lagen teilweise keine Akten vor, was dazu führte, dass der lokale Auditor nicht in der Lage war, ein abschließendes Prüfungsurteil auf der Grundlage lokaler Rechnungslegungsstandards abzugeben. Die lokalen Abschlüsse wurden jedoch im Rahmen dieses Umfangs ordnungsgemäß geprüft”, so Wirecard weiter.

Wirecards Geschäfte in Asien traten gestern erneut ins Rampenlicht - und das nicht gerade zur Freude der Aktionäre des DAX-Konzerns. Auslöser ist ein neuer Bericht im „Handelsblatt”: Den Angaben zufolge verweigert der Wirtschaftsprüfer EY für Wirecards ohnehin umstrittene Tochtergesellschaft in Singapur das Testat für die Bilanz des Jahres 2017. Dabei beruft sich die Zeitung auf Dokumente der Finanzaufsicht des asiatischen Stadtstaates. Demnach können die Wirtschaftsprüfer von EY, früher Ernst & Young, „weder die Angemessenheit, Vollständigkeit und Richtigkeit des Jahresabschlusses feststellen”. Auch könne man nicht abschätzen, ob und in welchem Umfang Anpassungen erforderlich sein könnten, zitiert das „Handelsblatt”.

Die Tochtergesellschaft Wirecards in Singapur stand bereits im Zentrum der „Asien-Affäre”, die Wirecards Aktienkurs im ersten Quartal einen heftigen Sturz einbrachte. Auslöser des verweigerten Testats sind offenbar zum einen die Ermittlungen der Behörden zu den Anfang 2019 von der „Financial Times” berichteten Vorwürfen. Darüber hinaus kritisieren die Wirtschaftsprüfer laut „Handelsblatt” unter anderem mangelnde Erklärungen zu Unterlagen und Transaktionen.

„Stimmen aus dem Konzern verweisen auf die Ermittlungen in Singapur und das Drunter und Drüber, das nach dem Abgang des lokalen Finanzchefs geherrscht habe. Doch das kann allenfalls eine schwache Begründung sein, die Öffentlichkeit über diesen Fakt im Unklaren zu lassen. Wenn das verweigerte Testat so einfach erklärt werden kann, ist es umso fraglicher, warum der Konzern die Anleger nicht aktiv darüber informiert hat”, kritisiert die Zeitung das Unternehmen in einem begleitenden Kommentar.

Im operativen Sektor geht es um eine Zusammenarbeit mit der indonesischen Großbank Mandiri: „Gemeinsam mit Wirecard führt Bank Mandiri ab sofort einen neuen Service für ihre 27.000 Firmenkunden ein, der für optimierte Zollzahlungsprozesse sorgt und direkt mit der indonesischen Generaldirektion für Zoll und Verbrauchsteuern (DJBC) verknüpft ist”, kündigt Wirecard an. „Über die Hälfte der indonesischen Zollzahlungen werden bereits über unseren MCM-Kanal abgewickelt. Dank unserer Kooperation mit Wirecard werden wir die Nutzerzahlen weiter steigern können”, sagt Dadang Ramadhan, SVP Government and Institutions bei Bank Mandiri zur Zusammenarbeit. Zu finanziellen Details solcher Kooperationen schweigen sich die Süddeutschen wie gewohnt aus. Damit bleibt offen, welche Auswirkungen dies auf die Zahlen bei Wirecard haben wird.



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