Aktienmarkt: Die Zuversicht ist zurück, die Lösungen noch nicht - Börse München Kolumne

In der aktuellen Woche dürften Unternehmenszahlen wieder eine verstärkte Rolle an den deutschen Aktienbörsen spielen. Bild und Copyright: MaxxiGo / shutterstock.com.

In der aktuellen Woche dürften Unternehmenszahlen wieder eine verstärkte Rolle an den deutschen Aktienbörsen spielen. Bild und Copyright: MaxxiGo / shutterstock.com.

28.10.2019 11:06 Uhr - Autor: Robert Ertl  Robert Ertl auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Weiter im Aufwind: Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche erneut Gewinne verzeichnet und somit die dritte Woche in Folge höher geschlossen. Wie schon in den Vorwochen waren es positiv aufgenommene Entwicklungen bei den beiden großen politischen Themen, die den Optimismus der Anleger befeuerten. Im Handelsstreit zwischen den USA und China war von Fortschritten auf dem Weg zu einem vorläufigen Handelsabkommen die Rede. Vor allem aber sorgte die wahrscheinliche, neuerliche Verschiebung des Brexit-Termins für gute Stimmung an den Märkten. Zusätzlicher Schwung kam gegen Ende der Handelswoche von einigen als gut beurteilten Unternehmenszahlen.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) stieg im Wochenvergleich um 2,1 Prozent auf 12.894,51 Punkte und blieb damit auf seinem höchsten Niveau seit Sommer 218. Zu den großen Indexgewinnern zählten infolge ihrer Quartalszahlen BASF und Daimler. Der MDax legte im Wochenvergleich um 0,9 Prozent auf 26.240,57 Zähler zu. Der Tec-Dax verbesserte sich um 1,3 Prozent auf 2.814,25 Punkte. Gegen den allgemeinen Trend sank der HAFIX-Deutschland um 0,5 Prozent auf 3.672,37 Zähler. Hier belastete ein Kurseinbruch beim auch im MDax gelisteten Indexwert United Internet, der wiederum auf einen für die Unternehmenstochter 1&1 Drillisch ungünstigen Schiedsspruch im Streit mit Telefonica Deutschland zurückzuführen war. Der HAFIX-Europa rückte um 0,9 Prozent auf 2.991,64 Punkte vor. Der m:access All-Share gewann 1,5 Prozent auf 2.444,19 Zähler.

An den deutschen Anleihemärkten haben die Kurse in der vergangenen Woche bei wechselhaftem Verlauf etwas nachgegeben. Für Abwärtsdruck sorgten vor allem Nachrichten über Fortschritte bei den beiden großen Themen Handelsstreit und Brexit, auch einige Konjunkturdaten belasteten leicht. Die letzte Ratssitzung der Europäischen Zentralbank unter Mario Draghi brachte keine Überraschungen. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe stieg im Wochenvergleich von -0,39 auf -0,37 Prozent. Die Umlaufrendite lag letztlich unverändert bei -0,39 Prozent.

In den USA führte am Freitag eine Anhebung der Umsatzprognose von Intel nicht nur zu einem Kurssprung beim Technologiewert, sondern verlieh den Aktienbörsen auch insgesamt Auftrieb. Der Dow-Jones-Index legte im Wochenvergleich um 0,7 Prozent auf 26.958,06 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500-Index stieg um 1,2 Prozent auf 3.022,55 Zähler und verfehlte nur knapp ein neues Rekordhoch. Ein solches verzeichnete dagegen der technologielastige Nasdaq-100-Index, der im Wochenvergleich 2,0 Prozent auf 8.029,22 Punkte hinzugewann. Neben Intel trieben hier auch erhebliche Kursgewinne bei Tesla nach dessen überraschendem Quartalsgewinn.

Ausblick
In der aktuellen Woche dürften Unternehmenszahlen wieder eine verstärkte Rolle an den deutschen Aktienbörsen spielen. Die Quartalsberichtssaison kommt hierzulande so richtig ins Rollen, und alleine aus dem Dax legt eine ganze Reihe von Unternehmen Daten vor, darunter Bayer, Beiersdorf, Covestro, Deutsche Bank, Fresenius, Lufthansa und Volkswagen. Flankiert werden diese durch eine Vielzahl von Berichten aus der zweiten und dritten Börsenreihe. Aus den USA wiederum kommen Quartalszahlen unter anderem von der Google-Mutter Alphabet, Apple und Facebook.

Daneben stehen etliche hochkarätige Konjunkturdaten an. Aus Deutschland und der Eurozone zählen dabei Inflations- und Arbeitsmarktzahlen sowie das Bruttoinlandsprodukt zu den wichtigsten Veröffentlichungen. Aus den USA dürften vor allem die privaten Einkommen und Ausgaben, der ISM-Index sowie natürlich die Arbeitsmarktdaten für Aufmerksamkeit sorgen. Hinsichtlich letzterer gilt wie üblich ein Teil der Rezeption der wirtschaftlichen Lage, der andere Teil der möglichen Auswirkungen auf die US-Geldpolitik. In dieser Hinsicht kommt in der aktuellen Woche aber mit der Ratssitzung der US-Notenbank Fed auch noch Handfesteres. Dabei gehen etliche Beobachter von einer weiteren Zinssenkung aus.

Der Brexit und der Handelsstreit zwischen den USA und China sind derweil trotz zuletzt positiver Nachrichten als Einflussfaktoren nicht passé. In Hinblick auf den Austritt der Briten aus der EU wird zwar allgemein von einer Verschiebung des Termins ausgegangen, und beim Handelskonflikt zeigten sich beide Parteien – trotz neuer Vorwürfe auch jüngeren Datums – zuversichtlich, zu einer Lösung zu kommen. Gibt es von einer dieser Seiten allerdings negative Überraschungen, so könnten diese die Stimmung schnell wieder kippen lassen.

Am Freitag, an Allerheiligen, findet zwar Börsenhandel statt, dieser könnte aber ruhiger als üblicherweise verlaufen, da viele Marktteilnehmer den regionalen Feiertag zu einem verlängerten Wochenende nutzen dürften.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 28.10.: Chicago Fed Nationaler Aktivitätsindex (USA); US-Warenhandelsbilanz
Dienstag, 29.10.: Importpreise in Deutschland; Verbrauchervertrauen in den USA; Anstehende Hausverkäufe in den USA; S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex (USA)
Mittwoch, 30.10.: Verbraucherpreise in Deutschland; Arbeitsmarktzahlen für Deutschland; Geschäftsklima in der Eurozone; Ergebnis der Ratssitzung der US-Notenbank; Bruttoinlandsprodukt der USA; Private Konsumausgaben in den USA; ADP-Arbeitsmarktbericht (USA); Ergebnis der Ratssitzung der Bank of Canada
Donnerstag, 31.10.: Einzelhandelsumsätze in Deutschland; Bruttoinlandsprodukt der Eurozone; Verbraucherpreise in der Eurozone; Persönliche Einkommen und Ausgaben in den USA; Chicagoer Einkaufsmanagerindex (USA); Ergebnis der Ratssitzung der Bank of Japan
Freitag, 01.11. (Allerheiligen, Börsenhandel findet statt): US-Arbeitsmarktbericht; ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA; Markit PMI Produktionsindex (USA); US-Konstruktionsausgaben; Gesamte Fahrzeugverkäufe in den USA

Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


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