CO.DON: Lizenz-Gespräche „auch um den nordamerikanischen Wirtschaftsraum“

CO.DON-Chef Ralf Jakobs spricht Im Exklusiv-Interview mit der Redaktion von www.4investors.de unter anderem über die anstehenden Lizenzdeals und Kapitalmaßnahmen. Bild und Copyright: CO.DON.

CO.DON-Chef Ralf Jakobs spricht Im Exklusiv-Interview mit der Redaktion von www.4investors.de unter anderem über die anstehenden Lizenzdeals und Kapitalmaßnahmen. Bild und Copyright: CO.DON.

16.10.2019 07:42 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Im Exklusiv-Interview mit der 4investors-Redaktion spricht CO.DON-Chef Ralf Jakobs unter anderem über die anstehenden Lizenzdeals und Kapitalmaßnahmen. Auch an anderer Stelle stehen Meilensteine an: CO.DONs neue Anlage in Leipzig soll zeitnah den Betrieb starten und für das Unternehmen finanziell einen großen Schritt nach vorne bringen. Aus dem neuen Geschäftsbereich Lohnherstellung erwartet Jakobs erste signifikante Deckungsbeiträge im kommenden Jahr.


www.4investors.de: Nach der Veröffentlichung des Halbjahresberichts Ende August kam der CO.DON-Aktienkurs stark unter Druck und hätte sich fast im Wert halbiert. Wie gerechtfertigt ist aus Ihrer Sicht diese Kursentwicklung?

Jakobs:
Ich kann die Enttäuschung unserer Aktionäre hinsichtlich des Halbjahresabschlusses durchaus verstehen, insbesondere vor dem Hintergrund der vorangegangenen Erwartungen.

Im Hinblick auf das Gesamtergebnis für das aktuelle Geschäftsjahr möchte ich aber auf zwei bereits mehrfach angesprochene Tatsachen verweisen: Durch verbindliche Verträge mit unseren Partnern erwarten wir entsprechende Zahlungseingänge zum Jahresende. Auch gehe ich davon aus, dass durch die erfolgte personelle Verstärkung des Vorstandes durch meinen Vorstandskollegen Herrn Tilmann Bur, welcher zum 01. Juni diesen Jahres den Bereich Sales und Marketing als verantwortlicher Vorstand übernommen hat, positive Impulse für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres sichtbar werden.

www.4investors.de: Es gab in der Presse harte Kritik an den Zahlen. Was sagen Sie hierzu?

Jakobs:
In Teilen kann ich diese Kritik durchaus nachvollziehen und ich gebe hier auch unumwunden zu, dass wir an der externen Kommunikation arbeiten müssen und werden. Jedoch bitte ich auch zu verstehen, dass wir stark reglementiert sind durch eventuelle Adhoc Pflichten, wenn wir zu früh in Projektstadien informieren bzw. wir gerne den Markt an unseren Aktivitäten teilhaben lassen wollen, es aber aus rechtlichen Gründen leider nicht können. Auch wir würden gern den Markt über unsere Aktivitäten zeitiger und öfter informieren. Dem entgegen steht das oftmals vereinbarte und branchenübliche Stillschweigen während der Vertragsverhandlungen und darüber hinaus das starke Publizitätsreglement, dem wir als börsennotierte Aktiengesellschaft unterliegen.

In Teilen finde ich die Kritik etwas unprofessionell vorgebracht, was vielleicht teilweise an mangelnder Fachkenntnis des tatsächlichen Geschäftsablaufs eines Unternehmens wie der CO.DON AG liegen mag, sprich wie setzt sich unser Geschäft eigentlich zusammen bzw. was muss eigentlich erfüllt sein, um Geschäft zu machen. Hier dürften, wenn ich die Berichterstattung verfolge, durchaus verzerrte Vorstellungen eine Rolle spielen. Zum großen Teil erwächst die Kritik aber auch durch die in der Vergangenheit geweckten Erwartungen im Rahmen der Zulassung, welche leider vollkommen unrealistisch und überzogen waren.

www.4investors.de: 2019 werden die Umsätze in Großbritannien und den Niederlanden mit 0,8 Millionen Euro nur etwa halb so hoch ausfallen, wie eigentlich geplant war. Was hat dazu geführt?

Jakobs:
Wir werden für das Geschäftsjahr 2019 hinsichtlich des Auslandsgeschäfts unter den eigenen Zielparametern liegen, wobei ich die von Ihnen genannte Zahl in diesem Zusammenhang nicht weiter kommentieren möchte. Man muss hier beachten - und auch hier sind in der Vergangenheit klare Kommunikationsfehler begangen worden - dass der Markteintritt in ein neues EU-Land vom Beginn der Gespräche bis zum ersten tatsächlichen Biopsat ca. 2,5 bis 3 Jahre dauert. Für England arbeiten wir seit 2017 am Markteintritt, konnten aber bisher nicht wirklich sichtbare Erfolge erzielen. Hier erwarten wir eine substanzielle und nachhaltige Steigerung in 2020. Für die Niederlande hingegen bin ich sehr zufrieden mit dem bisherigen Ergebnis, da unsere niederländische Tochtergesellschaft ab dem Geschäftsjahr 2020 einen positiven Deckungsbeitrag erwirtschaften wird. Dann werden alle Anschubkosten aufgearbeitet sein und wir dürfen mit signifikanten jährlichen Erträgen rechnen, welche durch verbindliche Abnahmezusagen von Krankenhäusern gedeckt sind. Hier hat das Team in den letzten 1,5 Jahren Hervorragendes geleistet.

www.4investors.de: Bis zum Umsatzziel 2019 ist es für CO.DON noch ein ganzes Stück, wenn man sich die Halbjahreszahlen und die Ziele anschaut. Wo soll der Schwung in der zweiten Jahreshälfte herkommen?

Jakobs:
Eine durchaus berechtigte Frage und wie bereits erwähnt, erwarten wir noch entsprechende Zahlungseingänge bis zum Jahresende. Wir werden unser Ergebnis zum Vorjahr deutlich verbessern und somit auch einen positiven Trend im Bereich des Ertrages darstellen können.

www.4investors.de: Sphene Capital hat zuletzt für 2019 und 2020 Umsätze von 8,3 Millionen Euro und 11,6 Millionen Euro prognostiziert bei operativen Verlusten auf EBITDA-Basis von 7,7 Millionen Euro und 6,4 Millionen Euro. Sind das Schätzungen, mit denen Sie sich wohl fühlen?

Jakobs:
Analysteneinschätzungen möchte und werde ich an dieser Stelle nicht kommentieren. Ich denke, dass wir im Bereich der Umsätze ein gutes Geschäftsjahr 2019 ausweisen werden. Um die EBITDA-Basis langfristig und nachhaltig zu verbessern, generieren wir durch verschiedene Projekte zusätzliche Income-Streams, welche die Zukunftsfähigkeit der CO.DON AG sicherstellen werden.

www.4investors.de: In Leipzig soll Ihre neue Anlage zeitnah in Betrieb gehen und ein Bereich, mit dem Sie Geld verdienen wollen, ist die Fertigung im Auftrag Dritter. Wie weit sind die Verhandlungen mit potenziellen Auftraggebern in diesem Bereich mittlerweile gediehen?

Jakobs:
Eine häufig gestellte und mehr als nachvollziehbare Frage und ich kann Ihnen versichern, dass der Markt hierzu noch viel Positives von uns hören wird. Leider muss ich an dieser Stelle wieder auf die hinlänglichen AdHoc-Pflichten hinweisen und sie werden verstehen, dass ich hierzu an dieser Stelle keine weiteren detaillierteren Angaben machen kann. Nur soviel möchte ich sagen bzw. auch klarstellen, eine Geschäftserweiterung im Bereich der Lohnherstellung als deutliche Erweiterung der Umsatzbasis wurde von mir bereits bei Entwurf und Planung der Anlage als ein existenzieller Bestandteil für die Zukunft der CO.DON AG eingeplant und berücksichtigt. Warum sollten wir auch sonst eine Anlage in dieser Größe bauen. Mir liegen dieses Projekt und einige andere in diesem Zusammenhang sehr am Herzen, da ich sie verantwortlich geplant habe und am Ende auch deren Umsetzung verantworte. Ich gehe davon aus, dass wir aus dem Geschäftsbereich der Lohnherstellung erste signifikante Deckungsbeiträge in 2020 erwarten können.

www.4investors.de: Sie verhandeln über Auslizenzierungen von Spherox für zwei außereuropäische Länder. Sind in der Umsatzprognose mögliche Umsätze aus solchen Deals enthalten, oder kämen diese „on top”?

Jakobs:
Nein diese Transaktionen sind nicht Bestandteil der Umsatzprognose, sondern kommen „on top“. Der Hintergrund hierfür ist recht einfach: Zum einen kann man nie absehen, wie lange sich solche Verhandlungen hinziehen und zum anderen, welche Payments in welcher Abfolge und in welcher Art und Weise darstellbar sind. Dies haben wir gesehen, als ich mit einer eher kleinen internen Task-Force die Lizenz für Russland verhandelt und zum Abschluss gebracht habe, um auch hier den Proof-of-concept bei der Verhandlung über und beim Abschluss von Lizenzen zu zeigen. Denn geredet wurde in der Vergangenheit genug über Lizenzvergaben, umgesetzt jedoch hatte sie bis dato niemand in der CO.DON AG.

www.4investors.de: Geht es bei den Verhandlungen neben China auch um die USA?

Jakobs:
Auch hier muss ich auf das zwischen den Parteien vereinbarte Stillschweigen verweisen, allerdings bestätige ich Ihnen gern, dass es sich neben China und dem asiatischen Wirtschaftsraum auch um den nordamerikanischen Wirtschaftsraum handelt.

www.4investors.de: Im Halbjahresbericht war Ende August bereits von Verhandlungen mit potenziellen Investoren und von einem zusätzlichen Kapitalbedarf von mindestens 7,6 Millionen Euro die Rede. In der Mitteilung vom 17. September geht es dann aber um einen Betrag im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Wie begründet sich dieser Unterschied?

Jakobs:
Dies lässt sich recht einfach begründen, aber lassen Sie mich bitte vorab einen Punkt klarstellen, welcher ebenfalls immer Gegenstand der Berichterstattung ist. Nach erfolgreicher Begabe unserer Wandel- und Optionsschuldverschreibungen im letzten Jahr sprach ich von einer „Durchfinanzierung bis zum erwarteten Break-Even“. Und nun benötigen wir wieder Geld? Was leider bei der Berichterstattung übersehen wird, ist, dass ich auch gesagt habe, dass dies dann – und nur dann – der Fall ist, wenn die Optionsschuldverschreibungen durch den Investor vollständig ausgelöst werden. Eine Option ist eine Option und keine Gewissheit. Da bestimmte Trigger nicht erreicht wurden, wurden die Optionen nicht ausgeübt. Also mussten wir uns Gedanken darüber machen, wie wir die entstandene Liquiditätslücke schließen können. Und wenn ich von schließen spreche, meine ich nicht nur die Deckung des Liquiditätsbedarfs, sondern auch die Deckung des Bedarfs zur Umsetzung weiterer Projekte. Lassen sie mich hier ein Beispiel geben: Alleine der Markteintritt in ein neues Land kostet uns zwischen 3 und 4 Millionen Euro, bevor wir das erste Transplantat erhalten. Somit können Sie sich vorstellen, wie hier teilweise Erwartung und tatsächliche Notwendigkeit auseinander gehen und das leider auch in der Berichterstattung.

www.4investors.de: Welche konkreten Investitionen wollen Sie mit den Geldern aus der Kapitalerhöhung bestreiten?

Jakobs:
Hierzu gehören verschiedene Projekte, einmal im Bereich der Internationalisierung die Erschließung weiterer europäischer Länder bzw. die dortige Etablierung unseres Produktes. Ferner der Aufbau eines erweiterten Geschäftsmodells zur Steigerung der Ertragslage, eine mögliche Ein-Lizenzierung weiterer Produkte sowie entsprechende Mittel für das von mir verantwortete Projekt der Gewinnung starker Partner in Übersee, um auch hier unser Produkt im Rahmen der verschiedenen Möglichkeiten zielgerichtet zu vertreiben und ggf. noch ein entsprechendes Nachfolgeprodukt zu definieren.

www.4investors.de: Vergleicht man die aktuelle Marktkapitalisierung von CO.DON mit dem geplanten Volumen der Kapitalmaßnahme, so werden Aktionäre doch deutlich verwässert. Ihr Großaktionär Bauerfeind wird sich deshalb an der Finanzierungsrunde beteiligen. Ist geplant, die weiteren Aktionäre ebenfalls per Bezugsrecht in eine Kapitalmaßnahme einzubinden?

Jakobs:
Wir planen keine Kapitalmaßnahme, an der unsere bestehenden Aktionäre nicht teilnehmen können, dies war auch nie Gegenstand der internen Diskussionen und es besteht hierzu auch keine Notwendigkeit.

www.4investors.de: Wie zeitnah ist mit der Kapitalerhöhung zu rechnen und reichen die Vorratsbeschlüsse der letzten Hauptversammlung für die geplanten Kapitalmaßnahmen aus, oder müssen Aktionäre noch auf einer außerordentlichen Hauptversammlung grünes Licht geben?

Jakobs:
Mit der Maßnahme ist noch in diesem Jahr zu rechnen und die vorliegenden Hauptversammlungsbeschlüsse sind hierzu vollkommen ausreichend.

www.4investors.de: Schauen wir zum Abschluss doch einmal etwas weiter in die Zukunft. Wenn die Kapitalerhöhung voll platziert werden könnte mit einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag als Erlös und es zu den Auslizenzierungen von Spherox kommt, wie lange wäre CO.DON dann durchfinanziert? Reicht dies bis zu dem Zeitpunkt, wo das Unternehmen selbst genug Cash generiert, oder sehen Sie zukünftig weiteren Kapitalbedarf?

Jakobs:
Wenn wir die geplanten Maßnahmen in vollem Umfang umsetzen können und wenn die von mir geplante strategische Erweiterung des Geschäftsmodells erfolgreich ist - und hier stehen derzeit wirklich alle Ampeln auf Grün -, kann ich diese Frage mit einem klaren Ja beantworten. In diesem Falle werden wir den Punkt erreichen, dass wir uns aus eigener Kraft und aus eigenem Cash-Flow finanzieren können. Wie angesprochen ist dies aber klar abhängig von der erfolgreichen Umsetzung aller Maßnahmen und nicht nur der geplanten Kapitalmaßnahme.

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