Deutsche Industrie im Abwärtstrend - Commerzbank Kolumne

Bild und Copyright: anathomy / shutterstock.com.

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08.10.2019 10:43 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Im August sind die Auftragseingänge in der deutschen Industrie um 0,6% M/M, stärker als erwartet, gefallen. Damit schreiben sie den seit Dezember 2017 andauernden Trend fort. Die deutsche. Produktion, die im August um 0,3% M/M überraschend zulegen konnte, folgt dem Abwärtstrend. Nach den Frühindikatoren hat sich die Stimmung weiter eingetrübt, was für eine Fortsetzung des Abwärtstrends der deutschen Industrie spricht. Beim Ifo-Geschäftsklima sanken die Erwartungen für die nächsten sechs Monate deutlich. Für die deutsche Wirtschaft zeichnet sich für das 3. Quartal eine technische Rezession ab. Auch bis zum Jahresende ist noch nicht mit einer konjunkturellen Erholung zu rechnen.

Anleihen


China: Einkaufsmanagerindex (September), 3:30 Uhr
Deutschland: Industrieproduktion (August), 8:00 Uhr
USA: Erzeugerpreise (September), 14:30 Uhr

Einziger bedeutsamer Datenpunkt waren gestern die Auftragseingänge in der deutschen Industrie für August. Diese fielen mit einem Rückgang um 0,6% gegenüber Juli noch einmal schwächer aus, als mit -0,3% erwartet. Im Jahresvergleich ergibt sich sogar ein Rückgang um 6.7%. Nachdem auch andere Frühindikatoren wie zum Beispiel die Ifo-Erwartungen in den letzten Monaten rückläufig waren, bleibt der Abschwächungstrend in Takt (siehe „Im Blickpunkt“). Eine Besserung der deutschen Industrie ist so schnell nicht in Sicht, was auch an strukturellen Faktoren liegt: Die deutschen Automobilhersteller verlagern nicht zuletzt wegen der Verschlechterung der deutschen Standortqualität immer mehr Produktion ins Ausland mit der – für den Autosektor typischen – Konsequenz, dass auch wichtige Zulieferbranchen mit ins Ausland ziehen. Heute früh überraschte die deutsche Industrie mit einem leichten Zuwachs von 0,3% M/M. Erwartete worden war ein erneuter Rückgang. Die Daten sind jedoch möglicherweise wegen der Sommerferien verzerrt. Die Rentenmärkte starteten nach den schwachen Aufträgen freundlich in die neue Woche. Im Tagesverlauf stiegen die Renditen gestern jedoch etwas an. Das die erneut schlechten Wirtschaftsdaten aus Deutschland den Rentenmarkt nicht noch mehr beeinflussten – eigentlich hätten die Kurse von Bundesanleihen deutlich steigen müssen (Stichwort „Flucht in den sicheren Hafen“), lag auch am über das Wochenende bekanntgewordenen Appell früherer EZB-Ratsmitglieder. Diese forderten ein sofortiges Ende der ultralockeren Geldpolitik. Das konterkariert die Aussicht auf noch weiter sinkende Zinsen, wodurch die Kure am Rentenmarkt gestern zurückgingen. Heute findet eine geldpolitische Konferenz der EZB statt, die wohl mit Interesse verfolgt werden wird.

Aktien


Infineon, Präsentation ATV-Segment
Wirecard, Kapitalmarkttag

Der deutsche Leitindex Dax 30 musste zum Handelsauftakt noch um die Marke von 12.000 Punkten, die er am Freitag in Reaktion auf die erleichtert aufgenommenen US-Arbeitsmarktdaten zurückerobert hatte, kämpfen. Belastend wirkten vor allem unerwartet deutlich gesunkene Industrieaufträge. Am Nachmittag konnten sich die europäischen Aktienbörsen dann aber im positiven Terrain etablieren. Selbst die schwächer startende Wall Street sorgte nicht für Irritationen. Letzt-endlich konnten fast alle Branchen im Euroraum zulegen, lediglich die zuletzt starken Finanzdienstleister (-0,1%) fielen etwas zurück. Die deutlich beste Performance wiesen die Grundstofftitel (+2,1%) auf, die damit einen Teil der Verluste der Vorwochen ausgleichen konnten. Im Dax ragten noch vor Wirecard (+2,7%, positiver Kommentar eines Brokerhauses) die Aktien der Deutschen Lufthansa (+4,2%) heraus. Nachdem die Übernahme von Osram Licht (-3,3%) durch das österreichische Unternehmen ams gescheitert ist, da die Mindestangebotsschwelle nicht erreicht wurde, standen die Aktien des weltweit führenden Produzenten von Beleuchtungsmitteln am Ende des MDax. An der Wall Street sorgte die zunehmende Nervosität hinsichtlich der bevorstehenden Wiederaufnahme der amerikanisch-chinesischen Handelsgespräche dafür, dass die Indizes von zeitweisen Gewinnen in negatives Terrain drehten. Auch die abgebrochenen Atomverhandlungen mit Nordkorea drückten auf die Stimmung. Im Fokus standen die Aktien von ConocoPhillips (+2,1%), nachdem der Ölkonzern angekündigt hatte, die Quartalsdividende um mehr als ein Drittel anzuheben. Auf Branchenebene konn-te sich lediglich der Kommunikationssektor gehalten präsentieren, alle anderen Segmente verzeichneten Verluste. Die Börsen Asiens hingegen konnten heute Morgen in der Breite mit Gewinnen schließen.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

Aktienmarkt: Anleger blicken auf Handelsstreit zwischen den USA und China - Börse München Kolumne

Rückblick: Widererstarkte Konjunktursorgen: An den deutschen Aktienbörsen ist es in der vergangenen Woche unter dem Strich erneut abwärts gegangen. Schwächer als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus der Eurozone und vor allem aus den bislang wirtschaftlich stabilen USA verdarben den Anlegern die Kauflaune. Die Auswirkungen des Handelskonflikts zwischen den USA und China scheinen nun auch in der Realwirtschaft anzukommen, kommentierten Beobachter. Die Befürchtungen einer wirtschaftlichen Abschwächung oder gar Rezession nahmen zu. Zu Ende der Handelswoche hellten zwar als stabil eingeordnete US-Arbeitsmarktdaten die Stimmung an den Märkten wieder auf, die Gewinne reichten aber nicht aus, um die Wochenbilanz ins Positive zu wenden.Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor im Wochenvergleich 3,0 Prozent auf 12.012,81 Punkte, konnte am Freitag aber immerhin die zuvor unterschrittene Marke von 12.000 Zählern zurückerobern. Stärker als der Gesamtindex sanken die Titel ... diese News vom 08.10.2019 weiterlesen!

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