Handelsstreit hinterlässt Spuren weltweit - Commerzbank Kolumne

Die Industrie bleibt weltweit eine Geisel des Handelsstreits. Bild und Copyright: Travel mania / shutterstock.com.

Die Industrie bleibt weltweit eine Geisel des Handelsstreits. Bild und Copyright: Travel mania / shutterstock.com.

25.09.2019 09:01 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Gemessen an dem globalen Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe befindet sich die Konjunktur weltweit weiter in einem Abschwung – seit Mai 2019 liegt der Markit-Index knapp unter der 50 Punktelinie. Die bereits für September veröffentlichten Indizes für die USA und den Euroraum zeigen eine gegenläufige Bewegung: Der US-Index zeigt eine leichte Verbesserung auf 51 Punkte, während der Index für den Euroraum weiter abrutschte – auf nur noch 41,4 Punkte. „Nicht Fisch nicht Fleisch“ signalisiert der chinesische Index, der sich in den letzten Jahren selten von der 50er-Linie entfernt hat. Mithin bleibt die Industrie weltweit eine Geisel des Handelsstreits.

Anleihen


USA: Neubauverkäufe (August), 16:00 Uhr

Im Gegensatz zu den enttäuschend ausgefallenen Einkaufsmanagerindizes im Euroraum, die im September weiter zurückgingen, konnte der Ifo-Geschäftsklimaindex von 94,3 auf 94,6 Punkte leicht zulegen. Allerdings ist das noch kein Grund zur Entwarnung, denn die Geschäftserwartungen sind von 91,3 auf 90,8 deutlich gefallen. Der Anstieg des Gesamtindex beruht nur auf einer Verbesserung der Beurteilung der Geschäftslage von 97,4 auf 98,5 Punkte. Außerdem fällt das Geschäftsklima im Dienstleitungsgewerbe seit dem Frühjahr ähnlich stark wie im verarbeitenden Gewerbe. Das zeigt, dass die Binnenwirtschaft unter der Schwäche der Industrie zu leiden beginnt. Trotzdem waren die Marktteilnehmer erleichtert, dass die Zahlen nicht so schlecht wie befürchtet waren. Die Bundrenditen stiegen kurzzeitig leicht an, gingen im späten Handel aber zurück. Der Euro erholte sich auf 1,1020 US-Dollar. Überraschend erklärte gestern der oberste britische Gerichtshof die zwangsweise Schließung des Unterhauses bis 14. Oktober für rechtswidrig. Die Entscheidung über die Wiedereinberufung des Parlaments wurde dem Sprecher des Unterhauses überlassen; John Bercow kündigte für heute die nächste Parlamentssitzung an. Johnson gab sich trotz des Gerichtsurteils kämpferisch und sicherte erneut zu, dass er den Brexit am 31. Oktober vollziehen will. Das britische Pfund wertet sich aber nur leicht ggü. Euro und US-Dollar auf. Enttäuscht hatte gestern in den USA das Verbrauchervertrauen für September, das überraschend von 134,2 auf 125,1 Punkte zurückging. Die Beurteilung der aktuellen Situation ging von 176,0 auf 169,0 Punkte stark zurück, noch stärker fielen jedoch die Erwartungen mit einem Rückgang von 106,4 auf 95.8 Punkte. Die Befragten sind zwar weiterhin optimistisch über den Arbeitsmarkt, nahmen aber ihre Einkommenserwartungen und Kaufpläne zurück.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Nachdem schwache Stimmungsdaten aus der Industrie und neue Sorgen um den Handelsstreit zwischen China und den USA die europäischen Aktienbörsen zum Wochenauftakt geschwächt hatten, waren jetzt beide Seiten bemüht, die Irritationen wegen der verfrühten Abreise einer chinesischen Delegation möglichst klein zu halten. Infolgedessen konnten sich die Indizes wieder stabilisieren und tendierten über den größten Teil des Handelsverlaufs seitwärts. Im Dax 30 profitierten die Aktien der Deutschen Lufthansa (+2,0%) weiterhin von der Insolvenz des Touristikkonzerns Thomas Cook, die die allgemeinen Flugkapazitäten reduziert. Weit vorn im Auswahlindex rangierten auch die Dax-Neuaufsteiger MTU Aero Engines (+1,1%). Im britischen FTSE 100 führten die Titel des Thomas Cook-Wettbewerbers Tui (+6,5%) mit klarem Abstand die Performanceliste an. Im EUROSTOXX 600 waren Gesundheit (+1,0%) sowie Reise und Freizeit (0,9%) die gefragtesten Branchen, während die vor allem zu Beginn des Monats sehr starken zyklischen Branchen Automobile (-1,4%) und Grundstoffe (-1,1%) ihre letzten Verluste weiter ausdehnten. Energietitel (-1,4%) litten unter den weiter nachgebenden Ölpreisen. Die Entspannungssignale vom Handelskonflikt sorgten an der Wall Street in der Eröffnung noch für steigende Kurse. Im weiteren Verlauf kippte allerdings die Stimmung. Die Unsicherheit über eine mögliche Amtsenthebung des US-Präsidenten belastete den Handel deutlich. Im Dow konnten immerhin die Aktien von Walmart (+0,7%) ihre Rally weiter fortsetzen und gehörten so neben Boeing (+1,2%) zu den wenigen Kursgewinnern. Die Aktienmärkte Asiens tendieren heute Morgen in der Breite schwächer. Auch die europäischen Börsen werden mit leichten Verlusten eröffnen.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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Nach zuletzt fünf Rückgängen in Folge hat sich der ifo-Geschäftsklimaindex gestern leicht aufgehellt. Die Aussichten bleiben allerdings weiterhin sehr verhalten. Das Barometer für das Geschäftsklima konnte sich etwas verbessern und kletterte auf 94,6 Punkte von 94,3 Zählern im Vormonat. Im August lag der wichtigste deutsche Konjunkturindikator noch auf dem niedrigsten Wert seit November 2012. Der deutsche Leitindex konnte davon allerdings nicht profitieren. Im Gegenteil der DAX 30 prallte wiederholt an einer übergeordneten W-Formation ab. Erst ab Kursen oberhalb der 12.408 – 12.656 kann diese massive Widerstandsbarriere ad-acta gelegt werden. Davon ist der deutsche Aktienmarkt auch heute weit entfernt. Der DAX 30 wird nun eher abwärts tendieren und als nächstes die Unterstützung bei 12.254 Zählern ansteuern. Aller Voraussicht nach wird er diese dann im Tagesverlauf auch recht schnell unterhandeln. Die markttechnischen Indikatoren verheißen vorbörslich ebenfalls nichts ... diese News weiterlesen!

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