US-Notenbank senkt Leitzins: Optionen für weitere Zinssenkungen - Commerzbank Kolumne

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19.09.2019 09:44 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Wie erwartet senkte gestern die US-Notenbank (Fed) ihren Leitzins um weitere 25 Basispunkte. Der neue Leitzinskorridor liegt bei 1,75% bis 2,00%. Forderungen nach einer kräftigeren Senkung der Leitzinsen, wie sie insbesondere von US-Präsident Donald Trump erhoben wurden, ist die US-Notenbank erneut nicht nachgekommen. Allerdings gab es drei Abweichler: James Bullard stimmte für eine Senkung um 50 Bp. und Esther George und Eric Rosengren stimmten gegen eine Lockerung. Aufgrund der jüngsten Verwerfungen am US-Geldmarkt senkte sie den Einlagensatz für Überschussreserven um 30 Bp. auf 1,80%. Da gestern der US-Geldmarkt auszutrocknen drohte, die Geldhäuser verliehen sich kein Geld mehr untereinander, reagierte die Fed sofort mit zwei Finanzspritzen in Höhe von insgesamt 128 Mrd. US-Dollar.

Die Fed sieht den Zinsschritt als Anpassung ihres geldpolitischen Kurses an die geringere Dynamik der US-Wirtschaft. In ihrem Statement verspricht sie, angemessen zu handeln, um die Wachstumsphase der Wirtschaft zu verlängern. Die Wachstums- und Inflationsprojektionen wurden kaum geändert, die Prognose für den angemessenen Leitzinspfad jedoch deutlicher angehoben. Im Juni wurden allerdings noch von unveränderten Leitzinsen ausgegangen. In der Pressekonferenz erläuterte Fed-Chef Jerome Powell den Grund für die Zinssenkung mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum und die auf die Handelspolitik zurückführenden Unsicherheiten. Was das weitere Vorgehen betrifft, hat sich Powell nicht festgelegt und betont, dass die Politik der Fed stark datenabhängig sein werde. Wir rechnen damit, dass weiterer Anpassungsbedarf entstehen wird und mit weiteren Zinssenkungen. US-Präsident Trump reagierte sofort mit Beschimpfungen per Twitter: „Jay Powell und die Federal Reserve haben schon wieder versagt. Kein Mut, kein Verstand, keine Vision“ Eine schreckliche Kommunikation!

Anleihen


Japan: Bank von Japan, Zinsentscheidung, 04:00 Uhr
Großbritannien: BoE, Zinsentscheidung, 13:00 Uhr
USA: Philadelphia-Fed-Index (September), 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosengeld, 14:30 Uhr

Die US-Notenbank hat die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt und den Leitzinskorridor gestern Abend von 2%-2,25% auf 1,75%-2% gesenkt. Darüberhinausgehende Erwartungen wurden jedoch enttäuscht. Im Gegenteil – Notenbankpräsident Powell sagte, die weitere Geldpolitik werde „stark daten-abhängig“ sein. Die Fed verpflichtet sich mithin nicht zu weiteren Zinssenkungen. An den Märkten wurde die Entscheidung dann mit leichter Enttäuschung aufgenommen. Die ohnehin zuletzt rückläufi-gen Zinssenkungserwartungen mit Blick auf die kommenden Sitzungen wurden weiter zurückgenommen. Auch in Japan hatten offenbar einige Marktteilnehmer mit einer deutlicheren Änderung der Geldpolitik gerechnet. Eine Zinssenkung war mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 40% eingepreist. Die Bank of Japan beließ den Geldmarktzins aber bei -0,1% und die Zielrate für den 10-jährigen Zins bei 0% – so wie von fast allen Analysten erwartet. Im Vorfeld der Fed-Entscheidung wurden überraschend gute Daten vom Wohnungsbau gemeldet. Die Zahl der Baubeginne stieg im August kräftig um 12,3% zum Vormonat und auch die weniger schwankenden Baugenehmigungen legten um 7,7% zu. Offenbar schieben niedrigere Zinsen die Aktivitäten im Bausektor an. So ist der Marktzins für eine Hypothek mit 30-Jahrenlaufzeit von 4,7% zum Jahresende 2018 auf 3,7% zurückgekommen. Bei der Beurteilung der US-Konjunktur sollte der Fokus nicht einseitig auf das verarbeitende Gewerbe gerichtet sein, denn dieser Bereich hat an der Produktion nur einen Anteil von 11%, der Bausektor immerhin 4%, der Dienstleistungsbereich (ohne öffentlicher Dienst) aber 69% – und in diesem Bereich läuft die Konjunktur rund.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Die europäischen Aktienmärkte tendierten im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Sitzung der US-Notenbank abwartend. Die Aufschläge der relevanten Leitindizes hielten sich mit Ausnahme der Börse in Italien (+0,7%) in engen Grenzen. Positiv ist, dass die Abgabebereitschaft nach dem kräftigen Anstieg seit Mitte August 2019 trotz des jüngsten Konfliktes in der Golfregion sehr begrenzt ist. Der Ölpreis gab gestern weiter nach und hat somit schon die Hälfte des starken Anstiegs vom Montag abgegeben. Hier halfen auch moderatere Worte des US-Präsidenten Trump, die die Sorge der Investoren in Bezug auf mögliche kriegerische Auseinandersetzungen in der Region etwas dämpfen konnten. Die Entspannungstendenzen bei politischen Risiken, die nochmals expansivere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sowie die Erwartung, dass es vorerst nicht zu einer Rezession kommen wird, bieten den Aktienmärkten momentan gute Unterstützung. Auch der überraschend kräftige Anstieg der ZEW-Konjunkturerwartungen deutete in diese Richtung. In diesem Umfeld gewann der Dax gestern 0,1%. Tagessieger war die Aktie von Wirecard (+3,6%). Die Notierung der Deutschen Post büßte nach der Gewinnwarnung von FedEx rd. 1,2% ein. Auf europäischer Sektorenebene waren vor dem Hintergrund sinkender Renditen v.a. Immobilienaktien gefragt, die im Schnitt um 1,1% zulegten. Am Ende der Performancerangliste notierten Haushaltsgüteraktien (-0,6%). Die US-Börsen tendierten nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank (der Leitzins wurde um 25 Basispunkte gesenkt) dank einer Schlussrally leicht im Plus. Auf Sektorenebene waren vor allem Versorger- und Finanztitel gesucht (+0,5%). Energiewerte büßten als Tagesverlierer rd. 0,4% ein. Die Börsen in Asien tendierten uneinheitlich. Während der japanische Topix-Index noch einmal um 0,6% zulegte, büßten H-Aktien in Hongkong rd. 1% ein.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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