EZB kauft weniger als erwartet: Unternehmensanleihen mit Renditeanstieg - Commerzbank Kolumne

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Die europäische Zentralbank wird also wieder Anleihen kaufen – mit Käufen von 20 Mrd. Euro monatlich ist das Volumen aber klar niedriger als z.B. 2016 (80 Mrd. monatlich). Von Seiten der Investoren wurde wohl ein größeres Volumen erwartet. Bild und Copyright: telesniuk / shutterstock.com.

17.09.2019 09:59 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die europäische Zentralbank wird also wieder Anleihen kaufen – mit Käufen von 20 Mrd. Euro monatlich ist das Volumen aber klar niedriger als z.B. 2016 (80 Mrd. monatlich). Von Seiten der Investoren wurde wohl ein größeres Volumen erwartet, daher wurde die Ankündigung des Maßnahmenpakets von steigenden Renditen begleitet. Ähnlich wie beim letzten Mal dürften bis zum Start der Käufe die Renditen eher sinken. Erst wenn die von uns erwartete konjunkturelle Aufhellung (Annahmen: kein harter Brexit, Deeskalation im Handelskonflikt) zum Jahresbeginn stärker sichtbar wird, dürfte dies zu einem langsamen, aber nachhaltigen Zinsanstieg führen.

Anleihen


Deutschland: ZEW-Konjunkturindex (Sep.), 11:00 Uhr
USA: Industrieproduktion (Aug.), 15:15 Uhr
USA: NAHB-Wohnungsmarktindex (Sep.), 16:00 Uhr

Die Sorge vor einer militärischen Eskalation am Golf dämpfte die positive Marktstimmung aus der Vorwoche etwas. Die deutlichste Konsequenz des Drohnenangriffs auf eine saudi-arabische Raffinerie war jedoch am Ölpreis ablesbar. Etwa 5% der weltweiten Ölproduktion sind von den Anschlägen betroffen. Die USA sehen die Verantwortung beim Iran und drohen mit einer militärischen Gegenreaktion, wenn sich der Verdacht bestätigen sollte. Der Ölpreis legte um gut 12% zu – und lag damit auf einem Niveau wie zuletzt Ende Mai. Die Öl-Futures verteuerten sich jedoch kaum, mithin wird erwartet, dass die Schäden sich schnell beheben lassen und Engpässe durch Ölvorräte überbrückt werden können. Stimmungsdämpfend wirkten auch die enttäuschenden Daten zur Industrieproduktion in China. Der Zuwachs der Industrieproduktion betrug im August nur noch 4,4% ggü. dem Vorjahr. Die amtlichen Daten mögen die Situation sogar beschönigen. Berechnungen auf Ebene einzelner Wirtschaftszweige deuten ein Wachstum von nur 2,5% an (Quelle: Capital Economics). Auch bei der Investitionsneigung hinterlässt der Handelskonflikt mit den USA spuren. So lagen die Ausrüstungsinvestitionen im August magere 4,3% über dem Vorjahr (Juli: +5,2%). Solide Investitionen in Infrastruktur und Immobilien konnten die Schwäche bei den Ausrüstungen nicht ausgleichen. Die im Raum New York ansässigen Unternehmen im verarbeiten Gewerbe registrieren zwar steigende Einkaufs- und Verkaufspreise, sie blicken aber wieder weniger zuversichtlich in die Zukunft als im August – der Index fiel von 4,8 auf 2,0 Punkte. Eine Trendumkehr lässt somit weiter auf sich warten. Die heutigen Daten zur US-Industrieproduktion dürften dennoch einen leichten Zuwachs zeigen – allerdings aufgrund von Saisoneffekten.

Aktien


FedEx, Ergebnis Q1

Nachdem sich der erste Schock über den Drohnen-Angriff auf die Aramco-Produktionsanlagen in Saudi-Arabien gelegt hatte und auch die Ölpreise wieder etwas zurückgekommen waren, hielten sich die Abschläge für die europäischen Aktienbörsen zum Wochenauftakt noch in Grenzen. Nach der schwächeren Eröffnung tendierten die Indizes über den größten Teil des Handelsverlaufs seitwärts. Im deutschen Leitindex Dax 30 gerieten angesichts der höheren Kerosinpreise vor allem die Aktien der Deutschen Lufthansa (-2,8%) unter Druck. Zu den wenigen Titeln, die in diesem Umfeld zulegen konnten, zählten vor allem defensive Werte wie E.ON (+1,0%). An der Spitze des Index standen indes die Anteilscheine von Wirecard (+2,0%, Ausbau der Zusammenarbeit mit dem chinesischen Kreditkartenriesen Unionpay). Im EUROSTOXX 50 führten wenig überraschend die Ölwerte Total (+2,5%) und Eni (+1,9%) die Performanceliste an. Auf Branchenebene hielt sich neben den starken Energietiteln (+2,1%) lediglich der Telekommunikationssektor unverändert (+/-0%), die stärksten Abschläge verbuchten hingegen Banken (-1,5%) und die Industrie (-1,3%). Auch an der Wall Street wurde der letzte Aufwärtstrend durch den Angriff auf die saudi-arabischen Ölanlagen erst einmal gebremst. Im Leitindex Dow Jones Industrial führten die Aktien des Ölkonzerns Chevron (+2,2%) das Kurstableau an. Noch stärker entwickelten sich die Titel der Ausrüster und Zulieferer der Energiebranche wie Schlumberger (+5,3%) und Halliburton (+11,0%), die trotz einer Abstufung durch eine Investmentbank vehement zulegen konnten. Deutliche Verluste erlitten auch hier die Fluggesellschaften wie American Airlines (-7,3%). Beim Automobilproduzenten General Motors (-4,3%) sorgte ein Streik für Kursabschläge. Die asiatischen Börsen finden heute Morgen keine einheitliche Richtung, vor allem die chinesischen Märkte und Hongkong tendieren schwächer.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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