EZB beschließt Lockerungspaket – Märkte reagieren zum Teil enttäuscht - Commerzbank Kolumne

Die Europäische Zentralbank wird ab November wieder Anleihen kaufen – im Volumen von 20 Milliarden Euro monatlich. Bild und Copyright: Ewais / shutterstock.com.

Die Europäische Zentralbank wird ab November wieder Anleihen kaufen – im Volumen von 20 Milliarden Euro monatlich. Bild und Copyright: Ewais / shutterstock.com.

13.09.2019, 09:47 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die EZB beschloss gestern eine Reihe von geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen. So senkte sie den Einlagenzins für die Überschussreserven für Banken um 0,1 Prozentpunkte auf minus 0,5%. Außerdem möchte sie das Anleihekaufprogramm mit einem Volumen von 20 Mrd. EUR monatlich ab November wieder aufnehmen. Auch künftig wird sie alle auslaufenden Anleihen in ihrem Bestand wieder reinvestieren und plant die Auflegung einer Serie von Langfristtendern zur Finanzierung von Banken. Für die Mehrjahreskredite an Banken (TLTRO) hat die EZB die Zinsen um 10 Bp. gesenkt und deren Laufzeiten von zwei auf drei Jahre verlängert. Die Banken sollen zudem mit Hilfe eines Staffelzinses teilweise von den Strafzinsen befreit werden.

Begründet wurden die Maßnahmen mit geopolitischen Risiken, dem steigenden Protektionismus und der Schwäche der Schwellenländer. EZB-Chef Mario Draghi betonte auch, dass die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits zugenommen habe. Die Notenbank senkte wie erwartet die Wachstumsprognosen für dieses (von 1,2 auf 1,1%) und nächstes Jahr (von 1,4 auf 1,2%) leicht. Auch die Inflationsprojektionen nahm sie für 2019 leicht nach unten (von 1,3% auf 1,2%), für nächstes Jahr von 1,4% auf 1,0% deutlicher.

Die Marktteilnehmer hatten in den vergangenen Wochen ihre Erwartungen für die EZB-Lockerung stark aufgebaut. Die beschlossenen Maßnahmen haben den ein oder anderen nun enttäuscht, denn sie lagen am unteren Ende der Erwartungen. Der Euro schwächte sich nur kurzfristig ab, konnte per Saldo aber ggü. dem US-Dollar aufwerten. Die Aktienmärkte reagierten mit Schwankungen aber per Saldo mit Kursgewinnen. Bei den Bundesanleihen stiegen die Renditen an, je kürzer desto stärker. Die Rendite 2-jähriger Bundesanleihen erhöhte sich um fast 12 Bp., die 10-jähriger Bundesanleihen um 5 Bp.

Anleihen


USA: Einzelhandelsumsätze (Aug.), 14:30 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen (Uni Michigan), 16:00 Uhr

Die Europäische Zentralbank wird ab November wieder Anleihen kaufen – im Volumen von 20 Mrd. Euro monatlich. Anders als in der Vergangenheit ist das Kaufprogramm zeitlich unbegrenzt. An den Märkten sorgte dies zunächst für Euphorie: Die Anleihenkurse legten zu, doch hier und da waren die Notenbanker hinter den Markterwartungen zurückgeblieben. Mancher mag mit einem höheren Kaufvolumen gerechnet haben. Bis zum Handelsschluss drehte die Stimmung. Vor allem die kurzen Renditen stiegen an. Der Euro machte seine anfänglichen Verluste ggü. dem US-Dollar wieder wett. Begleitet wird das Kaufprogramm von einer Zinssenkung (-0,5% statt -0,4%) und längeren Refinanzierungsgeschäften (drei statt zwei Jahre Laufzeit). Ferner werden die Banken durch die Einführung eines Stufenzinses teilweise von dem „Strafzins“ entlastet. Mario Draghi forderte gestern sehr deutlich eine stärkere Unterstützung durch die Fiskalpolitik ein. Denn die Untätigkeit vergrößere – so sinngemäß Draghi – die unerwünschten Nebeneffekte der negativen Zinsen.

Nun richtet sich der Blick auf die US-Notenbank, die kommenden Mittwoch eine Entscheidung trifft. US-Präsident Trump bezeichnet in einem unqualifizierten Tweet die FOMC-Mitglieder erneut als „Boneheads“ (Hohlköpfe) und forderte, dass die Fed die niedrigsten Zinsen haben sollte. Es gebe ja in den USA keine Inflation. Dass ist allerdings nicht ganz richtig, die gestern vom Bureau of Labor Statistics veröffentlichten Augustdaten zeigen, dass die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittelpreise) zum dritten Mal in Folge um 0,3% im Vergleich zum Vormonat angestiegen ist. Die Jahresrate lag im Mai noch bei 2% und liegt jetzt bei 2,4% – trotz des konjunkturellen Gegenwinds.

Aktien


Fraport – Verkehrszahlen August

Die europäischen Aktienmärkte tendierten im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) zunächst abwartend. Um 13.45 Uhr war es dann so weit: Die EZB verkündete u.a, dass der Strafzins für Bankeinlagen von 0,4% auf 0,5% verschärft wird. Zudem planen die Währungshüter, ab dem 1. November 2019 für monatlich 20 Mrd. Euro Wertpapiere zu kaufen. Gleichzeitig senkte die EZB ihre BIP-Prognose für den Euroraum sowohl für 2019 und für 2020 nach unten und betonte die Abwärtsrisiken für die Konjunktur. Die Aktienmärkte legten bei kurzfristig recht hoher Volatilität am Nachmittag per Saldo weiter zu. Der Dax gewann in diesem von der EZB geprägten Umfeld rd. 0,4%. Tagesgewinner im deutschen Leitindex war die Notierung von Merck mit einem Plus von 2,4%. Unter Beschuss standen nach dem EZB-Entscheid die zuletzt sehr gut gelaufenen Bankaktien. So büßte beispielsweise der Kurs der Deutschen Bank (-1%) zeitweise um 4% ein, bevor er sich nachmittags im Einklang mit wieder kräftig steigenden Renditen spürbar erholte. In der Türkei senkte die dortige Zentralbank den Leitzins um 325 Basispunkte auf nur noch 16,5%. Hier dürfte der starke Druck durch Präsident Erdogan auf die Währungshüter geholfen haben. Die Lira wertete ggü. dem USD um rd. 1,5% auf. Auf europäischer Sektorenebene waren vor allem Versorgeraktien gefragt, die im Schnitt um 1,4% zulegten. Am Ende der Performancerangliste notierten Öl- und Gaswerte (-1,3%). Die US-Börsen tendierten mit leichten Aufschlägen, verfehlten aber knapp neue Allzeithochs. Die Aussicht auf ein Übergangsabkommen im Handelsstreit mit China half ebenso wie die nochmals expansivere EZB-Geldpolitik. Auf Sektorenebene waren vor allem Rohstofftitel gesucht (+0,7%). Energiewerte büßten als Tagesverlierer rd. 0,6% ein. Die Börsen in Asien tendierten zum Wochenschluss in diesem positiven Umfeld ebenfalls mit Aufschlägen von bis 1%.

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