Schwellenländerbörsen setzen Underperformance fort - Commerzbank Kolumne

Der chinesische Renminbi verlor 3,8% gegenüber dem Greenback und durchbrach die psychologisch wichtige Schwelle von 7 Renminbi pro USD. Bild und Copyright: Fotos593 / shutterstock.com.

Der chinesische Renminbi verlor 3,8% gegenüber dem Greenback und durchbrach die psychologisch wichtige Schwelle von 7 Renminbi pro USD. Bild und Copyright: Fotos593 / shutterstock.com.

06.09.2019, 11:55 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Underperformance der globalen Schwellenländeraktien setzte sich auch im August 2019 fort. Der MSCI EM-Index verlor 5,1%, wohingegen der MSCI Welt-Index lediglich um 2,6% nachgab (Developed Markets: -2,2%). Verantwortlich für die schwächere Kursentwicklung zeichneten u.a. verstärkte Rezessionsängste, nachdem die US-Zinsstrukturkurve invers geworden war. Zudem belastete auch eine neue Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China. Gegenseitig erhöhte man die Zölle auf Importe. Eine Flucht in sichere Häfen war die Folge. So kletterten im Berichtsmonat die Preise für Gold um 7,5% und für Silber um 13%. Demgegenüber sorgte der zeitweise anschwellende Konjunkturpessimismus für einen Kollaps der Eisenerzpreise (-25,9%), der auch den MSCI Australien-Index (-5,1%) recht stark in Mitleidenschaft zog. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass im August 2019 alle MSCI EM-Sektoren Minuszeichen aufwiesen. Die größten Kursverluste gab es in den Bereichen Immobilien (-8,5%) und Finanzen (-7,4%). Ein Korb aus EM-Währungen büßte im Berichtsmonat gegenüber dem USD rd. 3,3% ein. Der chinesische Renminbi verlor 3,8% gegenüber dem Greenback und durchbrach die psychologisch wichtige Schwelle von 7 Renminbi pro USD. Damit ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass China seine Währung als Gegenreaktion auf höhere US-Zölle weiter abwerten wird, um die negative Zollwirkung abzumildern. Sollte dies in den kommenden Monaten geschehen, besteht die Gefahr, dass andere exportorientierte Länder ebenfalls versuchen werden, ihre Währungen z.B. mittels weiterer Leitzinssenkungen oder durch andere Maßnahmen zu schwächen. Zudem gibt es weiterhin Gewinnrevisionen nach unten. So wurden die erwarteten Gewinne für den MSCI EM-Index für das Jahr 2019 im August nochmals um 4,7% nach unten revidiert (MSCI Welt-Index: -0,6%). Anleger zogen im August 2019 (per 28. August) netto 16,2 Mrd. USD aus den EM-Aktien ab.

Anleihen


Deutschland: Industrieproduktion (Juli), 08:00 Uhr
USA: Arbeitsmarktbericht (Aug), 14:30 Uhr

Spekulationen über die Wiederaufnahme der Handelsgespräche der USA und China Mitte September auf Vize-Ebene hat die Stimmung an den Kapitalmärkten weiter gehoben. Die bisher als sicherer Hafen gesuchten Staatsanleihen erlitten dabei zum Teil deutliche Kursverluste. Die Renditen stiegen deutlich an und die Zinskurven wurden steiler. So stieg die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen gestern um rund 10 Bp. auf minus 0,57% und die Rendite 30-jähriger Bundesanleihen um 15 Bp. und überwand kurzzeitig die 0%-Marke. Die Emissionen großvolumiger spanischer und französischer Staatsanleihen belasteten die Staatsanleihemärkte zusätzlich. Italienische Staatsanleihen konsolidierten nach den starken Kursgewinnen der Vortage im Vorfeld der Regierungsbildung. Die Meldung eines unerwartet starken Rückgangs der Auftragseingänge in Deutschland im Juli (-2,7% M/M) hatte keinen Markteinfluss. Heute wurde auch ein Rückgang der Produktion in Deutschland im Juli um 0,3% M/M gemeldet. Bei den Währungen werteten sich die als sicherer Hafen geltenden Schweizer Franken und japanische Yen ab. Der US-Dollar gab in der Breite nach, insbesondere weil der Zinssenkungsspekulationen der Fed zwischenzeitlich zugenommen hatten. Der Euro erholte sich in den letzten beiden Tagen ggü. dem US-Dollar, nachdem er am Dienstag mit 1,0920 US-Dollar den tiefsten Wert seit Mai 2017 erreichte. Er notierte gestern kurzzeitig über 1,1080 US-Dollar. Das britische Pfund stärkte sich ebenfalls. In den USA überwogen besser als erwartete Konjunkturdaten: Laut des privaten Personaldienstleisters ADP wurden im August mit 195.000 überraschend viele neue Stellen aufgebaut. Der ISM-Index für das nicht verarbeitende Gewerbe stieg unerwartet kräftig von 53,7 auf 56,4 Punkte. Heute stehen vor allem die US-Arbeitsmarktdaten im Fokus.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Der seit Mitte August 2019 anhaltende Aufschwung an den europäischen Aktienmärkten setzte sich auch am gestrigen Handelstag fort. Eine Ausnahme bildete lediglich die Börse in London, die infolge der unendlichen „Brexit-Wirren“ um 0,5% nachgab. Ansonsten kletterten die relevanten Leitindizes in Europa in der Spitze um bis zu 1,5% (Spanien). Auch der italienische Leitindex setzte seinen Kursauftrieb fort (+1%). Für Rückenwind sorgten zuletzt vor allem politische Entspannungssignale aus Hongkong und Italien sowie die Hoffnung auf weitere fiskal- und geldpolitische Stimuli diverser Regierungen und Notenbanken (u.a. in China und in Europa). Zu-dem ist jüngst wieder die Hoffnung gestiegen, dass es im Oktober zu Fortschritten im Handelsstreit zwischen den USA und China kommen könnte. Die teilweise schwächeren Konjunkturdaten aus Europa bzw. die sich eintrübenden Aussichten (u.a. für den deutschen Maschinenbau) sorgen derzeit kaum für Gegenwind an den Märkten. Der Dax legte in die-sem Umfeld fast 0,9% zu. Zu den Tagesgewinnern zählten weiterhin zyklische Werte wie beispielsweise Continental (+4,5%), Infineon (+5,8%) oder ThyssenKrupp (+6,2%) sowie Bankwerte (Deutsche Bank: +5,1%; Commerzbank: +3,9%), die gestern auch von den spürbar gestiegenen Renditen u.a. infolge guter Makrodaten aus den USA profitierten. Auf europäischer Sektorenebene waren vor allem Autoaktien gefragt, die im Schnitt um 2,9% zulegten. Am Ende der Performancerangliste notierten Nahrungsmittel- & Getränkeaktien (-0,9%). Die US-Börsen tendierten in Anbetracht starker heimischer Konjunkturdaten erneut freundlich. Der S&P 500-Index er-reichte ein Fünfwochenhoch. Auf Sektorenebene waren vor allem Technologiewerte gesucht (+2,1%). Versorgerwerte büßten als Tagesverlierer rd. 1,2% ein. Die Börsen in Asien tendierten zum Wochenschluss uneinheitlich. Der Topix- und der Kospi-Index gewannen jeweils 0,2%.

Auf einem Blick - Chart und News: DAX - Aktienindex

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