US-Einzelhandelsumsätze: Der Konsument stemmt sich gegen den Abschwung - Nord LB Kolumne

15.08.2019, 15:41 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Bild und Copyright: STILLFX / shutterstock.com.

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Vor wenigen Minuten sind in den USA extrem erfreuliche vorläufige Angaben zur Entwicklung der US-Einzelhandelsumsätze veröffentlicht worden. Berichtsmonat war der Juli. In Zahlen gesprochen zeigte sich ein Zuwachs der Headline-Zeitreihe von mehr als beachtlichen 0,7% M/M. Diese Daten sind eine wirklich sehr positive Überraschung.

Der Blick auf die Details der heute gemachten Angaben zum Konsumverhalten in den Vereinigten Staaten zeigt zunächst, dass sich die Umsätze in den US-Autohäusern etwas abgeschwächt haben. Mit Blick auf diese Zeitreihe ergab sich eine Veränderungsrate von -0,6% M/M. Diese Meldung ist jedoch keine größere (und schon gar keine negative) Überraschung. Man hätte an dieser Stelle durchaus sogar eine noch etwas schwächere Entwicklung erwarten können. Exklusive Automobile sind die Einzelhandelsumsätze am aktuellen Rand entsprechend um immerhin 1,0% M/M gestiegen.

Im Segment der Tankstellen kam es nach dem ausgeprägten Rückgang im Vormonat am aktuellen Rand zu einem Anstieg der Umsätze um 1,8% M/M. Hier spielt die Entwicklung des Benzinpreises natürlich eine große Rolle. Unter Ausklammerung von Treibstoff legten die US-Einzelhandelsumsätze folglich um „lediglich“ 0,6% M/M zu.

Die beiden eng mit dem US-Immobilienmarkt verknüpften Untergruppen Baumaterial und Möbel zogen im Juli leicht um 0,2 beziehungsweise 0,3% M/M an, was keine größere Überraschung darstellen dürfte.

Die Kontrollgruppe der Einzelhandelsumsätze, die für die BIP-Erhebung in den USA maßgeblich ist, konnte im Berichtsmonat Juli um sehr erfreuliche 1,0% M/M zulegen. Dieses starke Wachstum folgt auf einen bereits nicht schwachen Anstieg von immerhin 0,7% M/M im Juni. Die Jahresrate der nichtsaisonbereinigten Zeitreihe der Kontrollgruppe notiert damit bei beachtlichen 6,4%! Angesichts dieser unerwartet erfreulichen Zahlen werden Pessimisten nun wohl ihre US-BIP-Prognosen anheben müssen. Wir sehen uns noch nicht unter Handlungsdruck, legen nach den heutigen Zahlen aber Pläne zu einer möglichen Senkung unsere US-Wachstumsprognose zumindest zunächst zu den Akten.

Fazit: Die aktuellen Angaben zu den US-Einzelhandelsumsätzen haben sehr positiv überraschen können. Vor allem die Kontrollgruppe präsentiert sich extrem stark. Der US-Konsument stemmt sich somit regelrecht gegen die von den Finanzmärkten befürchtete Rezession. Dies sind ohne jeden Zweifel gute Nachrichten für die Weltwirtschaft. Positiv zu bewerten ist auch, dass der Anstieg auf breiter Front – also in vielen Unterkategorien – zu beobachten ist. Die freundliche Beschäftigungssituation in den USA hilft den Verbrauchern ganz offensichtlich. Auch das inzwischen niedrigere Zinsniveau mag eine Rolle spielen. In Verbindung mit den jüngsten Zahlen zu den US-Konsumentenpreisen stellt sich zunehmend die Frage, wie die Notenbank in Washington weitere Zinssenkungen begründen soll. Man will die Märkte wahrscheinlich nicht übermäßig enttäuschen wollen. Insofern müsste ein weiterer Zinsschritt möglich bleiben. Diese Maßnahme dürfte sich momentan fundamental gesprochen aber bereits kaum rechtfertigen lassen. Insofern ist nach den heutigen Zahlen wohl „one and done“ das neue Motto der Fed!

Auf einem Blick - Chart und News: Dollar - Währung

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