ZEW-Umfrage: Brexit & Co. belasten die Stimmung - Nord LB Kolumne

13.08.2019, 12:42 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Bild und Copyright: melis / shutterstock.com.

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Die aktuellen Zahlen zu den Indikatoren des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung haben die Märkte negativ überrascht. Die Stimmung der deutschen Finanzmarktakteure hat sich in der Tat weiter verschlechtert. So sind die besonders stark beachteten Konjunkturerwartungen für Deutschland im Berichtsmonats August auf nur noch -44,1 Punkte abgesackt. Der Pessimismus greift bei den Befragungsteilnehmern somit regelrecht um sich. Da sich die Beurteilung der aktuellen Lage in Deutschland ebenfalls weiter verschlechtert hat, wiegt der Rückgang der Erwartungen noch viel schwerer. Mit lediglich -13,5 Zählern ist beim Blick auf die aktuelle Situation der deutschen Wirtschaft mittlerweile sogar schon ein spürbares Überwiegen der pessimistischen über die optimistischen Rückmeldungen zu diagnostizieren.

Auch in der Euro-Zone scheinen sich die Konjunkturaussichten im August deutlich eingetrübt zu haben. Mit einem Wert von nur noch -43,6 Zählern blicken die deutschen Finanzmarktakteure inzwischen sehr pessimistisch in die nähere Zukunft. Bei der Interpretation dieser sehr unerfreulichen Entwicklung muss auch beachtet werden, dass die Lagebeurteilung im gemeinsamen Währungsraum Europas am aktuellen Rand auf lediglich -14,5 Punkte gefallen ist.

Beim Blick über den Ärmelkanal wird ein sehr eindeutiger Brexit-Effekt sichtbar. Die deutsche Finanzwirtschaft scheint den harten EU-Austritt Großbritanniens regelrecht zu fürchten. Entsprechend negativ fällt die Beurteilung der ökomischen Lage und der weiteren Aussichten für die britische Wirtschaft aus. Mit -80,6 Punkten nähern sich die Konjunkturerwartungen im Vereinigten Königreich dem „absoluten Nullpunkt“ bei -100 Zählern in schon bedenklich starkem Maße an. Die Befragungsteilnehmer fürchten offenkundig den ökonomischen Permafrost nach einem Brexit ohne Austrittsvertrag.

Dagegen kann sich die ökonomische Aktivität in den USA nach Auffassung der deutschen Finanzwirtschaft noch recht passabel präsentieren. Zwar sind die Konjunkturerwartungen hier im August auf schwache -45,6 Punkte gefallen, die Lageeinschätzung kann aber – trotz eines ebenfalls klaren Rückgangs – mit immerhin noch 37,3 Zählern klar im positiven Bereich verharren. Damit wird also weiterhin ein deutliches Überwiegen der positiven Rückmeldungen signalisiert. Diese beiden Ergebnisse sind unserer Auffassung nach gut mit den in den USA bereits gemeldeten Daten für die zwei ISM Einkaufmanagerindizes kompatibel.

Fazit: Die vom ZEW befragten deutschen Finanzmarktakteure blicken mit großer Skepsis auf die Weltwirtschaft. Vor allem in Großbritannien zeigt sich ein belastender Brexit-Effekt sehr klar. Die Aussichten für die britische Wirtschaft werden daher extrem pessimistisch beurteilt. In Europa wird die Kombination von negativen Lagebeurteilungen und noch negativeren Aussichten langsam zur Normalität. Die Furcht vor dem EU-Austritt Großbritanniens ohne sinnvollen Scheidungsvertrag könnte auch zur Erklärung dieser Beobachtung eine große Rolle spielen.

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