Amazon & Co.: Die Europäische Zahlungsdiensterichtlinie - Commerzbank Kolumne

Bild und Copyright: Pavel Ilyukhin / shutterstock.com.

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08.08.2019 08:53 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Der Onlinehandel muss sicherer werden – und offenbar auch unbequemer. Das glaubt anscheinend zumindest die EU. Ab dem 14. September tritt die „Zweite europäische Zahlungsdiensterichtlinie“ in Kraft, die mehr Sicherheit, aber auch einige Unbequemlichkeiten bereithält. Die Verwirrung ist groß und viele Onlinehändler sind noch nicht wirklich vorbereitet. U.a. verlangt die Richtlinie, dass der Onlinehandel bei Bestell-/Bezahlvorgängen zur Authentifizierung zukünftig eine Zwei-Faktor-Methode anwenden muss. Das bedeutet, dass der Kunde sich zukünftig mit mindestens zwei der drei Merkmale Wissen (PIN, Passwort), Besitz (Smartphone, TAN-Generator) und Biometrie (Gesichts-, Fingerabdruckscan) identifizieren muss.

Für Smartphone-Shopper dürfte das Ganze noch vergleichsweise glimpflich ablaufen, denn die haben sich über das Gerät bereits legitimiert und viele Geräte sind bereits mit komfortabler biometrischer Authentifizierungstechnik ausgerüstet. Hier sollte eine weitere Abfrage ausreichen und das wird die Ausbreitung von Identifikationssystemen weiter fördern. Wer aber über den PC einkaufen möchte, der wird sich einer Doppel-Prozedur stellen müssen. Angesichts der steigenden Anzahl von Passwörtern und Zugangskontrollen aller Art in der digitalen Welt ist dies ein Ärgernis.

Der Onlinehandel fürchtet nun die negativen Implikationen, denn Händler, die das neue 3D-Secure-Verfahren eingeführt haben, verzeichnen einen empfindlichen Anstieg von Kaufabbrüchen während des Zahlungsvorgangs. Damit könnte der Siegeszug des Onlinehandels kurzzeitig ins Stocken geraten, aufgehalten wird er sicher nicht. Nun wird auf eine Verschiebung und Abschwächung der Richtlinie gedrängt. Ob sich die EU erweichen lässt?

Anleihen


USA: Erstanträge auf Arbeitslosengeld, 14:30 Uhr

Erneut hat gestern der Bundfuture einen Kursrekord erreicht. Damit fielen die Renditen für 10-jährige Bundesanleihen auf minus 0,61%. Für Bundesanleihe mit Laufzeitende 2048 lag die Rendite bei minus 0,15%. Der Konjunkturpessimismus erhielt vor Börsenstart zusätzliche Nahrung durch schwache Zahlen zur Industrieproduktion in Deutschland. Vor allem die von der Nachfrage in China abhängige Automobilproduktion schwächelt weiter. Da sich der Konflikt zwischen den USA und China weiter verschärft, ist eine Erholung noch nicht in Sicht, auch wenn sich die chinesischen Exporte im Juli nach dem Rückgang im Vormonat wieder zulegten (+2,3% zum Vormonat). Der Abschwung ist in vielen Branchen – jedoch nicht allen – spürbar. Vergleichsweise gut schlagen sich der von der inländischen Nachfrage abhängige Bausektor sowie Branchen wie Ernährung und Bekleidung. Immer mehr Sand gerät durch die Einführung zusätzlicher Zölle ins Getriebe der Weltwirtschaft. Die Notenbanken können nur wenig Hilfe leisten, denn das Zinsniveau ist weltweit kaum ein Problem für Investitionen. Die indische, die neuseeländische sowie die thailändische Notenbank probierten es dennoch und gingen dabei gestern über die Markterwartungen hinaus: Die neuseeländische Notenbank reduzierte von 1,5% auf 1,0% (1,25% erwartet). Besonders kreativ waren die Inder – sie senkten den Leitzins von 5,75% auf 5,40% um 35 Basispunkte und übertrafen die Senkungserwartungen moderat um 10 Basispunkte. Die Thailänder gingen von 1,75% auf 1,5%. Offenbar ist angesichts der Unsicherheit keine Notenbank bereit, eine Aufwertung der eigenen Währung zu riskieren. Global kann die Abwertungsstrategie zur Ankurbelung der Exporte natürlich nicht funktionieren, dazu müsste die Erdbevölkerung in der Lage sein, mit außerirdischen Wirtschaftsräumen Handel zu treiben.

Aktien


Adidas, Aurubis, Ergebnis Q2/Q3
Deutsche Telekom, Hannover Rück, Ergebnis Q2
Merck KGaA, Symrise, ThyssenKrupp, Ergebnis Q2
Uniper, Zurich Insurance Group, Ergebnis Q2

Nach den teilweise kräftigen Verlusten der Vortage beruhigte sich am gestrigen Handelstag die nervöse Lage an den meisten Börsen etwas. Die europäischen Aktienmärkte starteten freundlich in den Handel und bauten ihre Gewinne bis zum Mittag aus. Nach Gewinnmitnahmen am Nachmittag legten die Kurse in der letzten Handelsstunde wieder spürbar zu. Die Leitindizes gewannen um bis zu 0,7% (Deutschland). Die Sorgen in Bezug auf den Handelskonflikt zwischen den USA und China und die daraus resultierenden Zoll- und Währungsstreitigkeiten traten zumindest gestern in den Hintergrund, obwohl der chinesische Yuan wieder die Marke von 7 Yuan/USD überwand und somit nur knapp unter seinem Jahrestief notierte. Tagessieger im Dax (+0,7%) war die Aktie von Bayer mit einem satten Aufschlag in Höhe von 6%. Verantwortlich hierfür zeichnete v.a. die Nachricht, wonach sich ein wichtiger Glyphosat-Prozess gegen Bayer möglicherweise verschieben könnte. Die Aktie von Wirecard gab trotz solider Quartalszahlen und einer Aufwärtsrevision für Umsatz und Gewinn um rd. 2,3% nach. Auf europäischer Sektorenebene waren gestern insbesondere Reise- & Freizeitaktien gefragt, die im Schnitt um 1,5% zulegten (Rohstoffaktien: -1%). Die US-Börsen tendierten nach kräftigen Anfangsverlusten nahe-zu unverändert. Für Rückenwind sorgten u.a. Leitzinssenkungen in Neuseeland, Thailand und Indien. Anleger hoffen daher auf eine Belebung der globalen Konjunktur. Auf Sektorenebene (S&P 500) waren v.a. Rohstoffwerte (+1,3%) ge-fragt. Finanzwerte büßten im Schnitt 1,2% ein. Der etwas fester tendierende chinesische Renminbi sorgte in Asien für ein wenig Rückenwind. Der Nikkei 225-Index gewann 0,4% und der Kospi-Index legte um 0,9% zu.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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