Das Vertrauen in die türkische Börse bleibt trotz Erholung angeschlagen - Commerzbank Kolumne

02.08.2019, 09:04 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Bild und Copyright: Orlok / shutterstock.com.

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Anfang Juli 2019 war es so weit. Präsident Erdogan entließ den Notenbankchef Murat Cetinkaya und ersetzte ihn durch den Vizechef Murat Uysal. Dieser zögerte nicht lange und senkte zwei Wochen später den Leitzins von zuvor 24% auf nunmehr 19,75%. Die Lira geriet überraschenderweise nur kurz unter Druck und erholte sich in der Folge sogar. Verantwortlich hierfür zeichnete vor allem die rückläufige Inflation, die im Juni 2019 vor allem aufgrund eines Basiseffektes nur noch um 15,7% (J/J) stieg (Mai: +18,7%). Unterstützend wirkt auch die absehbare Lockerung der Fed- und EZB-Geldpolitik, die Hochzinswährungen somit relativ attraktiver macht. Mit den jüngsten Maßnahmen ist unter nicht wenigen Investoren die Befürchtung gestiegen, dass die türkische Notenbank ihre Unabhängigkeit weiter eingebüßt hat. Erdogan gilt als starker Verfechter sinkender Zinsen. Sollte sich der politisch gewollte Zinssenkungsprozess fortsetzen und die Inflation nicht entsprechend weiter fallen (wir erwarten ab Dezember 2019 eher wieder steigende Teuerungsraten), könnte das Vertrauen in die Lira erneut Schaden nehmen und zu einer weiteren Schwächephase führen. Die Höchststände der letzten Lira-Krise könnten dann sogar noch übertrumpft werden, was in Anbetracht einer relativ hohen Fremdwährungsverschuldung zu ernsthaften Problemen führen dürfte. Die Entlassung des Notenbankchefs durch Präsident Erdogan veranlasste die Ratingagentur Fitch dazu, das Rating für die Türkei von „BB“ auf „BB-„ herabzustufen. Gleichzeitig wurde der Ausblick mit „Negativ“ versehen. Die Ratingagentur begründete ihren Schritt u.a. mit einem möglicherweise noch stärkeren Vertrauensverlust in die Lira mit entsprechend negativen Konsequenzen für die hohen Defizite und die notwendigen Kapitaleinfuhren, um diese zu finanzieren. Die wirtschaftliche Entwicklung in der Türkei stehe damit weiterhin auf tönernen Füßen. Wir bleiben für die türkische Börse unverändert skeptisch gestimmt. Untergewichten.

Anleihen


Euroraum: Erzeugerpreise (Juni), 11:00 Uhr
Euroraum: Einzelhandelsumsätze (Juni), 11:00 Uhr
USA: Arbeitsmarktbericht (Juli), 14:30 Uhr
USA: Handelsbilanz (Juni), 14:30 Uhr

Nachdem die US-Notenbank gestern den Marktteilnehmern ein bisschen den Wind aus den Segeln genommen und die Zinssenkungsspekulationen gedämpft hatte, stiegen die Renditen der Staatsanleihen hier und in Übersee zunächst leicht an. Im Tagesverlauf gaben sie wieder deutlich nach. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen sackte auf ein neues Rekordtief von minus 0,46%. Der Euro gab nach der Pressekonferenz der Fed auf 1,1060 US-Dollar und gestern weiter unter 1,1040 US-Dollar nach. Die etwas gedämpften Zinssenkungsspekulationen für die Fed stärkten den US-Dollar in der Breite. Nachdem US-Präsident Donald Trump allerdings neue Zölle von 10% auf die restlichen chinesischen Importwaren im Wert von 300 Mrd. USD ankündigte, erholte sich der Euro wieder auf 1,1080 US-Dollar. Denn würde die US-Konjunktur von den Zöllen belastet werden, könnte die Fed doch mehrmals die Zinsen senken. Die britische Notenbank hält wegen der Brexit-Unsicherheit an ihrem vorsichtigen Kurs fest und beließ den Leitzins bei 0,75%. Die Wachstums-prognosen senkte sie von 1,5% auf 1,3% für dieses und von 1,6% auf 1,3% für nächstes Jahr. In den Prognosen ist jedoch kein No-Deal-Brexit eingerechnet. Der britische Finanzminister Sjid Javid gab gestern bekannt, 2,1 Mrd. Pfund (etwa 2,3 Mrd. Euro) zur Verfügung zu stellen, um das Land auf einen EU-Austritt ohne Abkommen vorzubereiten. Das britische Pfund schwächte sich gestern leicht ab. In den USA ist der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe von 51,7 auf 51,2 Punkte weiter zurückgegangen. Besonders stark sank dabei die Komponente der Beschäftigung, deren Index von 54,5 auf 51,7 Punkte kräftig nachgab und auf einen geringeren Beschäftigungsaufbau hindeutet.

Aktien


Allianz, BT Group, Chevron, Ergebnis Q2
ExxonMobil, Lanxess, Vonovia, Ergebnis Q2

Die europäischen Aktienbörsen tendierten nach einem verhaltenen Auftakt im Tagesverlauf freundlicher. Im Gegensatz zu den meisten Börsen in Asien, die auf die Entscheidung der US-Notenbank, den Leitzins um 25 Basispunkte zu senken und die Anleihekäufe früher als bislang erwartet einzustellen, mehrheitlich mit Verlusten reagierten, schüttelten die europäischen Börsen die schwächeren Vorgaben aus Übersee schnell ab. Die Freude über weiter sinkende Zinsen gewann die Oberhand und führte zu leichten Käufen. Klarer Tagesverlierer im Dax (+0,5%) war die Aktie von Siemens mit einem Abschlag von 4%. Hier belasteten insbesondere enttäuschende Quartalszahlen sowie ein etwas skeptischerer Geschäftsausblick. Die Aktie von Infineon gewann 2,4%; das Unternehmen bestätigte seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr. Stark gesucht waren Aktien der Deutschen Börse (+5,3%); hier beflügelte die Übernahme des Finanzdatenanbieters Refinitiv durch die Londoner Stock Exchange. In der zweiten Reihe legte die Aktie von Zalando nach Vorlage von soliden Geschäftszahlen um 13,3% zu. Auf europäischer Sektorenebene waren gestern insbesondere Finanzdienstleistungsaktien gefragt (+2,3%). Dagegen hielten Rohstoffaktien mit durchschnittlichen Verlusten von 3% die rote Laterne. Die US-Börsen tendierten aufgrund einer neuen Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China schwächer. Der Dow Jones-Index verlor 1,1%. Präsident Trump hatte neue Zölle von 10% auf weitere chinesische Importe im Wert von 300 Mrd. USD angekündigt (ab September). Das belastete auch die Börsen in Asien spürbar. Der Nikkei 225-Index verlor 2,1%. Toyota gab nach Senkung des Gewinnausblicks um 2,3% nach. Zudem verschärfte sich der Handelskonflikt zwischen Japan und Südkorea (-0,9%). Japan strich Südkorea von der „Weißen Liste“ der bevorzugten Handelspartner.

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