US-Notenbankchef - Nicht der Anfang einer langen Serie von Zinssenkungen - Commerzbank Kolumne

Die Fed hat versucht, einen Mittelweg zwischen dem politischen Druck von US-Präsident Trump und den Zweifeln daran, ob eine Zinssenkung überhaupt notwendig ist, zu gehen. Bild und Copyright: Mark Van Scyoc / shutterstock.com.

Die Fed hat versucht, einen Mittelweg zwischen dem politischen Druck von US-Präsident Trump und den Zweifeln daran, ob eine Zinssenkung überhaupt notwendig ist, zu gehen. Bild und Copyright: Mark Van Scyoc / shutterstock.com.

01.08.2019 09:16 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Erstmals seit der Finanzkrise vor 10 Jahren, hat die US-Notenbank (Fed) auf ihrer gestrigen Sitzung ihren Leitzins gesenkt – um 25 Bp. auf einen Zielkorridor von 2,00 bis 2,25%. Die Zinssenkung war erwartet worden, fiel aber nicht einstimmig aus. Zwei Fed-Notenbanker, Esther George (Präsidentin der Fed Kansas) und Eric Rosengren (Präsident der Fed Boston) stimmten nicht für die Zinssenkung, sie hätten den Leitzins lieber unverändert gelassen.

Die Fed rechtfertigte die Zinssenkung mit den Auswirkungen der globalen wirtschaftlichen Abschwächung und den gedämpften Inflationsdruck. Ansonsten blieb das geldpolitische Statement unverändert. Fed-Chef Jerome Powell betonte in der Pressekonferenz, dass die Zinssenkung als eine Absicherung gegen eine mögliche Abschwächung der US-Wirtschaft zu sehen sei. Die geldpolitische Haltung habe sich seit Ende 2018 von einer Zinserhöhungstendenz zu einem geduldigen Abwarten hin zur Zinssenkung geändert. Die Änderung der geldpolitischen Haltung ist eine Reaktion auf die globale Wirtschaftsabschwächung, die zu Reaktionen bei anderen Notenbanken geführt habe. Powell führte mehrmals die Handelskonflikte an, die wohl einen Einfluss auf die Geldpolitik gehabt haben. Vor allem ist Powell aber auch besorgt über die zu niedrige Inflation. Er sieht den Zinsschritt als eine zwischenzeitliche Anpassung (midcycle adjustment) und nicht als den Beginn einer langen Serie von Zinssenkungen.

Die Fed hat versucht, einen Mittelweg zwischen dem politischen Druck von US-Präsident Trump und den Zweifeln daran, ob eine Zinssenkung überhaupt notwendig ist, zu gehen. Dies hat US-Präsident Donald Trump enttäuscht, der einen großen Zinsschritt nach unten gefordert hatte. Ob weitere Zinssenkungen folgen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Der US-Dollar wertete sich während der Pressekonferenz und der nicht mehr so eindeutigen Aussicht auf weitere Zinssenkungen auf.

Anleihen


China: Caixin Einkaufsmanagerindizes (Juli), 3:30 Uhr
Großbritannien: BoE Zinsentscheidung, 13:00 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: ISM-Index Verarbeitendes Gewerbe (Juli), 16 Uhr

Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren hat die US-Noten-bank Fed den Leitzins gesenkt und zwar – wie von den meisten erwartet – um 25 Basispunkte auf die Spanne von 2,00% bis 2,25%. Die Fed begründete ihren Schritt mit der zunehmenden Unsicherheit hinsichtlich der ansonsten weiterhin robusten Konjunktur, einem schwachen Inflationsdruck und den vorherrschenden Risiken rund um den globalen Handelsstreit. Ob es noch weitere Senkungen geben wird, blieb offen (siehe „Im Blickpunkt“). Während die jüngsten Wirtschaftsdaten in den USA überwiegend eine starke Wirtschaft widerspiegeln und eine Zinssenkung nur schwer rechtfertigen, sieht es im Euroraum ganz anders aus. So lieferten die gestrigen Daten wieder einmal Argumente für eine Lockerung der Geldpolitik durch die EZB auf ihrer nächsten Sitzung im September: Das reale Bruttoinlandsprodukt des Euroraums wuchs im zweiten Quartal nur um 0,2% gegenüber dem ersten Vierteljahr 2019 – Volkswirte hatten mit diesem schwachen Ergebnis gerechnet, nachdem Frankreich (0,2%) und Spanien (0,5%) bereits schwache Wachstumszahlen berichteten. Die deutsche Wirtschaft dürfte unserer Einschätzung nach im zweiten Quartal sogar geschrumpft sein (die Zahlen werden Mitte August veröffentlicht). Und die ebenfalls veröffentlichten Inflationsdaten aus dem Euroraum zeigten für Juli in der Jahresrate einen Rückgang von 1,1% (Juni) auf 0,9%. Gleichzeitig ist die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) von 1,0% auf 0,9% gesunken. In den verbleibenden Monaten des Jahres dürfte die unterliegende Teuerung weiter um 1% schwanken und kaum zulegen. Aus diesen Gründen dürfte die EZB ihre geldpolitischen Schleusen weiter öffnen.

Aktien


ArcelorMittal, Axa, Barclays, Ergebnis Q2
BMW, Enel, Generali, Ergebnis Q2
Infineon, ING Groep, Ergebnis Q3/Q2
Rheinmetall, Rhön-Klinikum, Ergebnis Q2
Rio Tinto, Royal Dutch Shell, Ergebnis Q2
Siemens, Société Générale Ergebnis Q3/Q2
Standard Chartered, Verizon, Ergebnis Q2

Die europäischen Aktienbörsen tendierten im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Sitzung der US-Notenbank (Mittwochabend) uneinheitlich. Die Ausschläge der Leitindizes hielten sich jedoch bis auf London (-0,8%) in recht engen Grenzen. Marktbestimmend waren vor allem die Ergebnisse der laufenden Berichtssaison. Tagesverlierer im Dax (+0,3%) war die Aktie von Eon, die nach einer Votenherabstufung durch einen Broker um 1,9% nachgab und damit weiterhin deutlich hinter der sehr starken Performance von RWE (+29% seit Jahresbeginn) zurückfällt. Tagessieger im deutschen Leitindex war die Notierung der Adidas-Aktie (+3,7%). Auf europäischer Sektorenebene waren gestern insbesondere Bauaktien gefragt, die im Schnitt um 0,8% zulegen konnten. Dagegen hielten Immobilienaktien mit durchschnittlichen Verlusten in Höhe von 1,1% die rote Laterne. Die Börsen in den USA tendierten nach der Entscheidung der US-Notenbank, den Leitzins um 25 Basispunkte zu senken, schwächer. Der Dow Jones-Index verlor 1,2%, löste sich aber etwas vom Tagestief. Auf Sektorenebene (S&P 500) notierten alle Branchen im Minus. Die größten Abschläge verzeichneten Verbrauchsgüteraktien, die im Schnitt 2% verloren. Die Börsen in Asien tendierten überwiegend leichter. Unterstützt von einem schwächeren Yen und guten Quartalszahlen u.a. von Nomura und Mitsubishi UFJ Financial Group gewann der Nikkei 225 rd. 0,1% und nivellierte somit die frühen Verluste von bis 1,1%. Chinesische A-Aktien büßten dagegen gegen Handelsschluss rd. 0,8% ein. Der Kospi-Index gab um 0,4% nach.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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