Bank of Japan: Der Yen und das FOMC rücken in den Fokus - Nord LB Kolumne

30.07.2019, 11:58 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Bild und Copyright: Songquan Deng / shutterstock.com.

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In Japan hat die Zentralbank die Finanzmärkte mit ihrer aktuellen Zinsentscheidung nicht überrascht. Das Leitzinsniveau ist von der Bank of Japan erwartungsgemäß nicht angepasst worden. Auch bei der Zielrendite für Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren haben die Notenbanker in Tokio keine Modifikationen vorgenommen. Die Forward Gudiance und die Kaufpläne für Staatsanleihen bleiben ebenfalls unverändert. Wieder einmal konnte kein Konsens unter den Offiziellen der Bank of Japan erzielt werden. Das Abstimmungsergebnis lag bei 7 zu 2 Stimmen für die nun beschlossenen geldpolitischen Grundsatzentscheidungen. Mit Goushi Kataoka und Yutaka Harada gaben wieder einmal die üblichen Verdächtigen eine abweichende Meinung bezüglich der zu präferierenden geldpolitischen Ausrichtung der Bank of Japan zu Protokoll. Beide Notenbanker gelten als glühende Verfechter des Inflationsziels von 2%.

Die Offiziellen der Bank of Japan blicken etwas skeptischer auf die Entwicklungen von Wachstum und Inflation im Land der aufgehenden Sonne. Auch diese Nachricht hat die Märkte nicht wirklich überrascht. Mit einer Einigung im Handelskonflikt zwischen Peking und Washington werden einige Risiken für die japanische Wirtschaft perspektivisch wieder stärker in den Hintergrund treten. Insofern sollte man sich wohl keine größeren Sorgen machern.

Dennoch besteht inzwischen die Gefahr, dass die Notenbank in Tokio ihre geldpolitische Ausrichtung im Laufe des Jahres noch expansiver ausrichten wollen wird. Der Notenbankchef Haruhiko Kuroda thematisiert seit kurzem die Möglichkeit der Umsetzung entsprechender Maßnahmen. In diesem Kontext ist der Wechselkurs des Yen von ganz zentraler Bedeutung. Wenn die US-Notenbank beginnt, die Leitzinsen in den Vereinigten Staaten zu senken, könnte durchaus noch ein spürbarer Aufwertungsdruck auf die japanische Währung aufkommen. In einem solchen Szenario dürfte man in Tokio wohl sehr konkret über geeignete Anpassungen an der eigenen Gelpolitik nachdenken. Angesichts der Vielzahl der bereits umgesetzten Maßnahmen würde die Bank of Japan dann wahrscheinlich tief in die geldpolitische Trickkiste greifen müssen, was eine hohe Kreativität bei den japanischen Notenbankern erforderlich machen dürfte. Wir glauben allerdings, dass dieser Kelch an den Offiziellen der Bank of Japan vorübergehen sollte, da die US-Notenbank keine umfangreichen Senkungen der Fed Funds Target Rate zu planen scheint. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten läuft aktuell einfach zu rund. Folglich besteht beim FOMC wahrscheinlich kein Bedarf für massivere Leitzinssenkungen. Insofern sehen wir derzeit keine Gefahr eines regelrechten „Währungskrieges“ zwischen Tokio und Washington. In diesem Kontext ist auch zu beachten, dass noch Handelsgespräche zwischen den USA und Japan anstehen. Tokio wird hier eine konstruktive Lösung suchen. Entsprechend dürfte man dazu neigen, auf die Umsetzung von geldpolitische Maßnahmen zu verzichten, die den Vorwurf von Währungsmanipulationen zur Folge haben könnten.

Fazit: Die japanische Notenbank hat aktuell keine Anpassungen an ihrer geldpolitischen Ausrichtung vorgenommen. Das ökonomische Umfeld wird von den Zentralbankern eine Spur skeptischer beurteilt, was aber nicht wirklich überrascht. Eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China könnte an dieser Stelle helfen. Der Yen wird nun für die weitere geldpolitische Ausrichtung in Tokio von zentraler Bedeutung sein. Wenn die Zinswende in den Vereinigten Staaten einen größeren Aufwertungsdruck auf die japanische Währung auslösen sollte, werden die asiatischen Notenbanker wahrscheinlich tief in die geldpolitische Trickkiste greifen wollen. Da wir aber nur sehr moderate Zinssenkungen durch das FOMC erwarten, sollte sich wohl kein übermäßiger Handlungsdruck auf die Bank of Japan ergeben.

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