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USA: BIP-Wachstum schwächt sich ab – doch von Einbruch gar keine Spur! - Nord LB Kolumne

Bild und Copyright: Bart Sadowski / shutterstock.com.

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26.07.2019, 15:13 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Vor wenigen Minuten sind in den USA aktuelle Zahlen zur Entwicklung des Wirtschaftswachstums im II. Quartal 2019 veröffentlicht worden. Demnach kam es im Frühlingsquartal zu der erwarteten Verlangsamung des Anziehens der ökonomischen Aktivität im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der annualisierte Zuwachs des realen BIPs notiert am aktuellen Rand bei 2,1% und liegt damit knapp über dem Potentialwachstum. Dies ist eine äußerst solide Entwicklung.

Die Bekanntgabe überrascht viele Beobachter sicher positiv. Wo ist denn jetzt der Einbruch? Viele Analysten hatten ihre Wachstumsprognosen nach der Meldung der Juni-Einzelhandelsumsätze zwar nach oben angepasst, was auch notwendig war. Dennoch fielen viele Kommentare zuletzt skeptisch aus: Die Schätzungen der Fed von Atlanta und New York lagen bei 1,4% bzw. 1,3%.

Bei dem Blick auf die Details fällt auf, dass der private Konsum (mit einem Wachstumsbeitrag von 2,85%) erneut die Stütze der Konjunktur ist. Das war nach dem geringen Zuwachs im I. Quartal und dem Rebound in den monatlichen Einzelhandelsumsatzahlen zuletzt zu erwarten gewesen. Die US Shopper rocken weiterhin die ganze Welt! Dagegen erwiesen sich diesmal die Vorräte und der Außenbeitrag jeweils als Wachstumsbremse, die die erwarteten negativen Rückpralleffekte aus dem I. Quartal verzeichneten. Die Ausrüstungsinvestitionen stagnierten, was die PMIs korrekt angezeigt hatten. Die ersten Angaben zum US-BIP sind allerdings immer ziemlich revisionsanfällig.

In der verbleibenden Jahreshälfte hängt nun vieles vom Verlauf des Handelsstreits zwischen Peking und Washington ab. Insbesondere für die bereits negativ beeinträchtigte Unternehmensstimmung könnte eine (Teil-)Einigung für ein gewisses Aufatmen sorgen. Das gilt auch für die USA – mehr aber noch für China und Europa. Immerhin ist nächste Woche ein Treffen in China geplant. Der zweite entscheidende Faktor dürfte sein, wie die britische Regierung mit den Brexit-Absichten sich und die eigene Nation noch quälen wird. Dagegen wird sich allerdings der private Konsum in den USA angesichts der erfreulichen Lage am US-Arbeitsmarkt zunächst relativ immun zeigen.

Die heutigen Zahlen dürften – zumal sie recht weit in der Vergangenheit liegen – kaum Auswirkungen auf die anstehende Zinsentscheidung der Federal Reserve am kommenden Mittwoch haben. Zu sehr hat sich Jerome Powell vor dem Kongress mit seinen Aussagen aus dem Fenster gelehnt, als er den Weg für einen aus seiner Sicht notwendigen „Insurance Cut“ geebnet hat. Dieser dürfte nun am nächsten Mittwoch vorgenommen werden. Wir rechnen mit einer moderaten Zinssenkung um 25 Basispunkte, mit der das FOMC Zeit gewinnen kann, um im weiteren Verlauf des Jahres insbesondere die Stimmung bei Unternehmen und Konsumenten zu beobachten. Unseres Erachtens kann man als Federal Reserve nun handeln – man müsste aber eigentlich nicht unbedingt!

Fazit: Die heute in den USA gemeldeten Wachstumszahlen haben einen für viele Marktteilnehmer unerwartet soliden Zuwachs um annualisiert 2,1% geliefert. Letztlich kann von einer leicht positiven Überraschung gesprochen werden. Allen Unkenrufen zum Trotz und eingetrübter Stimmungsumfragen auch in den USA erweist sich die Wirtschaft im Land der unbegrenzten Möglichkeiten als bemerkenswert robust. In einer Zeit flacher Zinsstrukturkurven sind die USA weit von einer Rezession enfernt. Dennoch dürfte die Federal Reserve wohl in der kommenden Woche tätig werden und den Leitzins senken – vermutlich um 25 Basispunkte. Jerome Powell hatte mit seinen Auftritten vor dem Kongress den Weg geebnet, den Donald Trump gefordert hatte. Diesen Zinsschritt wird Powell als für die globale Konjunktur notwendigen „Insurance Cut“ verkaufen (müssen) – vor allem so ist er zu begründen.

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Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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