EZB: Draghi wird im September die Schleusen öffnen - Nord LB Kolumne

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25.07.2019, 17:00 Uhr - Autor: Redaktion 4investors  Redaktion 4investors auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die eigentliche Überraschung hatte EZB Gouverneur Mario Draghi auf der Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra im Juni parat. Auf dieser machte er sehr deutlich, dass die EZB mit einer zusätzlichen Lockerung reagieren werde, wenn sich der Ausblick und die Inflation im Euroraum verschlechtern sollten. Insbesondere die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich seither alles andere als verbessert. So unterbot etwa der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex heute Vormittag die ohnehin pessimistischen Erwartungen abermals und sinkt damit den fünften Monat in Folge. Auch die Einkaufsmanagerindizes verschlechterten sich in der gesamten Eurozone.

Ein Abschwung ist unverkennbar. Hinzu kommt die anhaltende Verunsicherung durch den Brexit und den Handelskrieg. Die EZB sieht daher entsprechend Handlungsbedarf. Einzelne Marktteilnehmer rechneten bereits heute mit einer Senkung des Einlagezinses, doch im Vorfeld der FOMC Sitzung der Fed und in Anbetracht dessen, dass die Notenbank normalerweise Maßnahmen sorgfältiger vorbereitet, wäre dies sonst eine Überraschung.

Dafür legte Mario Draghi nun die Basis für eine expansivere Ausrichtung – wahrscheinlich zur nächsten turnusmäßigen Sitzung. Somit wird der Italiener an der Spitze der EZB seine Amtszeit beenden, wie er sie begonnen hat – mit einer Zinssenkung. Drei Kernfragen waren zu klären: Kommt eine Zinssenkung? Wie werden die Folgen für den Finanzsektor abgefangen? Und last but not least: Wann und wie laufen die Netto-Assetankäufe wieder an?

In einem ersten Schritt wurde das EZB-Statements angepasst, um den Weg für eine Zinssenkung zu bereiten: Die Zinsen sieht sie auf aktuellem Niveau oder niedriger noch mindestens bis zum Ende des 1. Halbjahres 2020. Reinvestitionen des Ankaufprogramms werden auch noch bis über die erste Zinsanhebung hinaus erfolgen. Die EZB gab an, dass ein Staffelsystem für Einlagen geprüft werde um die Folgen einer Zinssenkung abzumildern. Bislang ist sie die einzige von den fünf Notenbanken mit Negativzinsen, die keine Ausnahmen für bestimmte Einlagen hat. Darüber hinaus wird Größe und Zusammensetzung eines neuen Ankaufprogramms evaluiert. Das Statement legt nahe, dass es im September schon so weit sein könnte.

Auf der Pressekonferenz betonte Draghi noch einmal, dass der wirtschaftliche Ausblick sich immer weiter verschlechtere. Er deutete jedoch an anderer Stelle an, dass es schwer wäre, pessimistisch zu sein, eine Rezession sähe er nicht – womit er die Marktnotierungen auf eine Achterbahnfahrt schickte. Er wies auf die weiter präsenten geopolitischen Risiken hin. Auffällig stark war sein Fokus auf die Inflationsrate, die persistent zu niedrig sei. Alles müsse getan werden um das Ziel zu erreichen. Er bliebt unkonkret, ob Zinssenkung und QE gleichzeitig oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten kommen könnten. Sehr deutlich hat er eine stärkere Rolle der Fiskalpolitik eingefordert.

Die Aussicht auf QE ließ die europäischen Renditen und den Wert des Euro fallen. Die 10-jährige Bundesanleihe rentiert zwischenzeitlich mit -0,41% nun unter dem aktuellen noch gültigen Einlagesatz. Der Euro gab um 0,2% nach. Beide Bewegungen wurden jedoch durch die Bemerkung Draghis, dass er keine Rezession sähe sowie die positive Veröffentlichung der US Auftragseingänge wieder kompensiert.

Fazit: Mario Draghi hatte bereits in Sintra überrascht. Die heutige Notenbanksitzung wurde nun genutzt um auf offiziell Maßnahmen ab September vorzubereiten. Auf der Pressekonferenz blieb der Notenbankpräsident vorsichtig, sogar teilweise widersprüchlich. Auffällig war der Fokus auf die Inflation, die anhaltend zu niedrig sei. Dass im September nun ein ganzes Paket von Maßnahmen angekündigt wird, ist unseres Erachtens deutlich wahrscheinlicher geworden. Darauf weist das Statement relativ klar hin.

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