USA: Inflation rückläufig, Kerninflation steigt – für die Fed nicht so leicht! - Nord LB Kolumne

11.07.2019, 15:57 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Bekommt US-Präsident Donald Trump die von ihm so vehement geforderte Zinssenkung? Die Fed macht sich Sorgen über die Konjunkturentwicklung im Zuge der Handelskonflikte. Bild und Copyright: gary yim / shutterstock.com.

Bekommt US-Präsident Donald Trump die von ihm so vehement geforderte Zinssenkung? Die Fed macht sich Sorgen über die Konjunkturentwicklung im Zuge der Handelskonflikte. Bild und Copyright: gary yim / shutterstock.com.

Vor wenigen Minuten wurden vom Bureau of Labor Statistics aktuelle Daten zu den Konsumentenpreisen (CPI) in den USA bekanntgegeben. Demnach zogen die Verbraucherpreise im Juni um 0,1% M/M an. Die Jahresrate ging auf 1,6% zurück. Vor einem Jahr lag sie noch bei fast 3%, im Februar bei 1,5%. Die Verbraucherpreise exklusive Nahrung und Energie verzeichneten ein deutlicheres Plus von 0,3% M/M – die Jahresrate stieg auf 2,1% an.

Während beide Monatsveränderungen jeweils leicht über den Erwartungen ausfielen, gaben die Jahresraten eher gegensätzliche Signale: Einerseits ging die Gesamtrate (wie erwartet) auf 1,6% zurück, andererseits zog die Kerninflationsrate, getrieben von den Komponenten Wohnung, Gebrauchtwagen, Kleidung und Möbel wieder auf über 2,0% an. Dies könnte die Entscheidung der Federal Reserve auf ihrer nächsten FOMC-Sitzung Ende des Monats etwas verkomplizieren.

Wie sind die Aussichten? In den kommenden Monaten ist zunächst mit einer Seitwärtsbewegung der Inflationsrate auf aktuellem Niveau oder leicht darüber zu rechnen. Perspektivisch könnten sich erste preistreibende Effekte durch die Zollanhebungen zeigen. Ab dem Herbst sollten sich zudem Basiseffekte bemerkbar machen, da niedrigere Vorjahresraten sukzessiv aus der Statistik herausfallen. Entsprechend muss ab dem Jahreswechsel wieder mit einer Rate von über 2,0% gerechnet werden. Hinsichtlich der stärker als erwartet gestiegenen Kerninflationsrate ist perspektivisch aufgrund des engen Arbeitsmarkts, der Lohnzuwächse und steigender Mieten mit einem Anziehen zu rechnen. Wir erwarten aber weder eine deutlich erhöhte Rate noch eine Disinflationsphase.

Die Implikationen höherer Importzölle für die Inflationsrate sind nicht eindeutig: Einerseits werden sie die Produkte in den USA – sowohl für die dortigen Unternehmen als auch Konsumenten – verteuern und die Inflation höher treiben. Andererseits könnte eine konjunkturelle Abschwächung aufgrund zunehmender Verunsicherung die Inflation drücken. Die Federal Reserve steht demnach vor dem Problem, beide Effekte quantitativ korrekt abzuschätzen.

Die Fed legt zu Recht seit Dezember eine Zinspause ein. Neben der Inflationsentwicklung spricht auch die Verunsicherung über die weitere konjunkturelle Entwicklung für das Abwarten. Entscheidend für die Geldpolitik sind der Handelskonflikt und die Wirtschaftsaussichten. Das betonte Notenbankchef Jerome Powell gestern. Offenbar macht er sich über die Konjunktur für die USA aufgrund der globalen Verunsicherungen größere Sorgen. Die derzeit niedrige Inflationsrate – zumindest in der Gesamtrate und weniger in der Kerninflationsrate – könnte einen „Insurance Cut" rechtfertigen, mit dem man wohl bereits Ende Juli rechnen muss. Der Anstieg der Kerninflationsrate auf 2,1% spricht allerdings gegen einen deutlichen 50bp-Zinsschritt.

Fazit: Die Konsumentenpreise in den USA zogen auch den fünften Monat in Folge an. Die Jahresrate ging dennoch basisbedingt auf 1,6% zurück. Dagegen zog die Kerninflationsrate auf 2,1% an. Perspektivisch dürften sich Basiseffekte bemerkbar machen, die zusammen mit den höheren US-Importzöllen zu einem gewissen Preisauftrieb führen werden. Mit einem anhaltend engen Arbeitsmarkt, Lohnzuwächsen und steigenden Mieten dürfte sich die Inflation zum Jahresende über 2% bewegen. Doch die Federal Reserve macht sich Sorgen über die Konjunkturentwicklung im Zuge der Handelskonflikte. Deswegen könnte sie neben den die unsicheren Konjunkturaussichten nun auch die niedrige Inflationsrate – zumindest in der Gesamtrate und weniger in der Kerninflationsrate – als weiteres Argument nutzen, bereits Ende Juli einen „Insurance Cut" – um allerdings nur 25bp – durchzuführen.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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