Deutsche Produktion weiterhin sehr schwach - Commerzbank Kolumne

Die deutsche Wirtschaft macht Sorgen: Der Index der Auftragseingänge liegt so niedrig, wie zuletzt im Februar 2016, das reale BIP könnte sogar geschrumpft sein. Bild und Copyright: Banana Republic images / shutterstock.com.

Die deutsche Wirtschaft macht Sorgen: Der Index der Auftragseingänge liegt so niedrig, wie zuletzt im Februar 2016, das reale BIP könnte sogar geschrumpft sein. Bild und Copyright: Banana Republic images / shutterstock.com.

09.07.2019 09:01 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Der Produktion im deutschen produzierenden Gewerbe ist im Mai ggü. dem Vormonat um 0,3% M/M angestiegen, die Industrie selbst hat sich sogar um 0,9% M/M erhöht. Allerdings ging die Produktion im Vormonat um 2,0% M/M zurück. Es handelt sich beim Anstieg also nur um eine Gegenbewegung zum Vormonat. Die Schwäche in der Industrie ist noch nicht vorbei. Dies zeigen auch die Auftragseingänge, die im Mai um 2,2% M/M zurückgegangen sind. Der Index der Auftragseingänge liegt so niedrig, wie zuletzt im Februar 2016. Wir gehen davon aus, dass das reale BIP in Deutschland im 2. Quartal leicht geschrumpft ist.

Anleihen


Japan: Geldmenge (Juni), 01:50 Uhr
Italien: Einzelhandelsumsatz (Mai), 10:00 Uhr
USA: Mittelstand, NFIB-Stimmungsindikator, 12:00 Uhr

Die starken US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag fanden im gestrigen Handel einen Widerhall. Am Freitag hatte der Zuwachs von 224.000 Stellen im Juni die US-Renditen um gut 10 Basispunkt ansteigen lassen, gut vier Renditepunkte gingen gestern zeitweise wieder verloren, ohne dass dies den US-Dollar schwächte. Die Kurse der Bundesanleihen hatten dagegen kaum auf die US-Daten reagiert – für viele Marktteilnehmer ist es offenbar eine ausgemachte Sache, dass die Europäische Zentralbank die Zinsschraube möglicherweise bereits im Juli weiter lockern wird. Dabei dürfte die EZB auch auf Deutschland schauen. Der konjunkturelle Schwungverlust, der sich im Mai, gemessen an den „weichen“ Frühindikatoren (Ifo-Geschäftsklima, Einkaufsmanagerindex) abzeichnete, spiegelt sich auch in den „harten“ Konjunkturdaten wider. Allerdings waren die Daten im Detail etwas besser, als erwartet worden war. So legte die Industrieproduktion im Mai um 0,3% zum Vormonat zu und die Exporte um 1,1%. Allerdings hatten die Aufträge am Freitag negativ überrascht. Zudem konnte der Produktionsanstieg den Rückgang im April (-2,0% ggü. Vormonat) nicht ausgleichen, womit das Produktionsniveau im April und Mai zusammengenommen 1,5% unter dem Niveau im ersten Quartal lag. Zahlen des Automobilverbands lassen eine schwache Autoproduktion im Juni erwarten. Somit dürften die guten Mai-Daten nicht das Ende der Produktionsschwäche in der deutschen Industrie markieren (vgl. „Im Blickpunkt“). In Griechenland hat die konservative Nea Dimokratia die Parlamentswahlen gewonnen und übernimmt nun wieder die Probleme des Landes von der als sozialpopulistisch bezeichneten SYRIZA. Da der fiskalpolitische Spielraum gering ist, muss die neue Regierung die Reformagenda abarbeiten.

Aktien


PepsiCo Inc., Ergebnis Q2
VW, Absatz Marke Volkswagen 06/19

Nachdem bereits die asiatischen Märkte den starken US-Arbeitsmarktdaten, d.h. den zurückgehenden Zinssenkungserwartungen Tribut gezollt hatten und mit Kursabschlägen in die neue Börsenwoche gestartet waren, verharrten auch die europäischen Indizes den größten Teil des Handelstags in negativem Terrain. Dabei hielten sich die Kursverluste aber deutlich in Grenzen. Im Dax 30 gerieten hauptsächlich die Aktien der Deutschen Bank (-5,4%) unter Druck. Diese hatte einen Radikalumbau verkündet, der bis Ende 2022 voraussichtlich mehr als 7 Mrd. Euro kosten wird. Im MDax waren die Papiere von Fuchs-Petrolub (-4,4%) das Index-Schlusslicht. Der Schmierstoffe-Produzent hatte seine Jahresziele wegen der schlechten Lage in der Autoindustrie reduziert. Unter den Branchen des EUROSTOXX 600 gerieten einzig Banken (-1,5%) angesichts der Entwicklung bei der Deutschen Bank deutlicher unter Druck. Leichte Gewinne verzeichneten die Sektoren Öl & Gas (0,6%) und Grundstoffe (+0,4%). An der Wall Street fielen die Verluste etwas stärker aus. Alle drei Leitindizes, die am Mittwoch noch Höchststände verbucht hatten, entwickelten sich schwächer. Unternehmensseitig sorgte erneut Boeing (-1,3%) für die schlechtesten Nachrichten. Der Flugzeugproduzent verliert einen saudi-arabischen Kunden, der einen Vorvertrag für die 737 Max-Reihe nicht ausüben will, an den Konkurrenten Airbus. Am Ende des Dow Jones standen die Aktien von Apple (-2,1%). Branchenseitig gab es keine wesentlichen Tendenzen: Grundstoffe verloren 1,1% und Immobilienaktien legten um 0,4% zu, alle anderen Sektoren siedelten sich dazwischen an. Die asiatischen Börsen tendieren heute Morgen erneut in der Breite schwächer. Auch den europäischen Märkten fehlen im Vorfeld der Testimony-Rede von Jerome Powell vorerst die Impulse für weitere Kursavancen.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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