USA: Brummender Arbeitsmarkt stoppt die Fed vor voreiligen Zinsschritten! - Nord LB Kolumne

05.07.2019, 15:52 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Für die Federal Reserve wäre eine geldpolitische Pause im Grunde das Gebot der Stunde, denn nach einer Rezession sehen diese Daten nun gar nicht aus. Bild und Copyright: Orhan Cam / shutterstock.com.

Für die Federal Reserve wäre eine geldpolitische Pause im Grunde das Gebot der Stunde, denn nach einer Rezession sehen diese Daten nun gar nicht aus. Bild und Copyright: Orhan Cam / shutterstock.com.

Soeben sind in den USA aktuelle Daten zur Lage am Arbeitsmarkt gemeldet worden. Demnach sind im Berichtsmonat Juni 224.000 neue Jobs entstanden. Zusammengenommen wurden in den beiden Vormonaten 11.000 Stellen weniger geschaffen als ursprünglich gemeldet. Dieser wichtige makroökonomische Indikator ist damit deutlich über den Erwartungen ausgefallen. Letztlich gehen Werte beim Personalaufbau zwischen 150.000 und 200.000 mit einer als gesund zu bezeichnenden Entwicklung einher. Tatsächlich dürfte eine derzeit zu beobachtende mangelnde Verfügbarkeit von geeigneten Arbeitnehmern den Jobaufbau sogar eher noch bremsen. Ebenso bemerkenswert: Im verarbeitenden Sektor wurden 17.000 neue Stellen geschaffen.

Die Arbeitslosenquote ist zwar im Juni auf 3,7% gestiegen – allerdings bei Betrachtung von zwei Nachkommastellen nur knapp von 3,620% auf 3,666%. Zudem muss hierbei angemerkt werden, dass ein Anstieg der Labor Force – also der Erwerbstätigen (Beschäftigten plus Arbeitslose) – dazu (mit)beigetragen hat. Die Arbeitslosenquote notiert derzeit immerhin auf dem niedrigsten Niveau seit Ende der 60er-Jahre! Damit hat die USA einen Zustand der Vollbeschäftigung erreicht.

Auch die Lohnentwicklung stand im Fokus der Marktteilnehmer. Im Juni sind die durchschnittlichen Stundenlöhne um 0,2% M/M angezogen. Der Vormonatswert wurde aber auf 0,3% leicht angehoben. Die Jahresrate verharrte bei 3,1%. Die Wochenstunden blieben bei 34,4.

Der heutige Job-Report liefert ein bemerkenswert positives Bild von der Lage auf dem US-Arbeitsmarkt. Das Land überzeugt weiterhin mit seiner scheinbar unstillbaren Nachfrage nach Arbeitskräften – die Wirtschaftsdynamik erfordert dies. Dass der Lohnzuwachs anhaltend moderat ausfällt mag überraschen, vermutlich ist die stille Reserve immer noch nicht ganz „aufgebracht“.

Für die Federal Reserve wäre eine geldpolitische Pause im Grunde das Gebot der Stunde, denn nach einer Rezession sehen diese Daten nun gar nicht aus. Es war heute zwar nur eine Veröffentlichung unter vielen – allerdings die wohl wichtigste vor der nächsten Fed-Sitzung am 31.07.

Seit Wochen wird von den Kapitalmarktteilnehmern auf baldige Zinssenkungen spekuliert: Die inverse Zinsstrukturkurve, Unsicherheiten vor allem aufgrund der US-Handelspolitik und die in diesem Zuge eingetretene globale Stimmungseintrübung sind entsprechende Argumente. Doch boomende Aktienmärkte und zusammenlaufende Creditspreads sprechen eine ganz andere Sprache. Die Fed sollte unseres Erachtens nicht mit einer Zinssenkung die Gefahr einer gefährlichen Vermögenpreisblase erhöhen und damit den Nährboden für eine dann wahrscheinlicher werdende Rezession in 2020/21 legen. Zudem könnten die Notenbanker mit einem solchen Zinsschritt riskieren, als „Trumps Erfüllungsgehilfen“ in die Geschichte einzugehen.

Rückläufige Zinssenkungserwartungen trieben die Renditen der US-Treasuries über 2,00% und drückten den Euro unter 1,1250 USD.

Fazit: Die Arbeitsmarktdaten fielen besser als erwartet aus: Der Beschäftigungszuwachs lag bei 224.000 Personen, die Arbeitslosenquote zog nur leicht auf 3,7% an wegen einer Zunahme von Erwerbstätigen. So kann von einem erfreulich guten Arbeitsmarktbericht gesprochen werden. Der Jobmotor in den USA läuft. Bei einer solchen Dynamik auf dem Arbeitsmarkt dürften sich die Notenbanker auf ihrer Zinssitzung am 31. Juli schwer zu einer Zinssenkung durchringen können. Doch die Kapitalmarktteilnehmer (und Trump) forderten diese! Die Fed sollte unseres Erachtens weiter abwarten – denn eine riskante Vermögenspreisblase für 2020/21 (mit Rezessionsgefahren) würde perspektivisch drohen. Ob die Fed es dennoch tut – wir glauben nicht! Und die Welt kann die Fed ohnehin nicht retten. Das wird den Abwärtstrend bei den Langfristzinsen zumindest zunächst stoppen!

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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