Was „Made in China 2025“ mit dem „neuen kalten Krieg“ zu tun hat - Commerzbank Kolumne

02.07.2019, 09:11 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Das Langfristziel lautet, dass China bis 2049 u.a. in den zehn wichtigsten Sektoren an der Weltspitze steht. Diese Ambitionen sind einer der Gründe für den sino-amerikanischen „neuen kalten Krieg”. Bild und Copyright: zhu difeng / shutterstock.com.

Das Langfristziel lautet, dass China bis 2049 u.a. in den zehn wichtigsten Sektoren an der Weltspitze steht. Diese Ambitionen sind einer der Gründe für den sino-amerikanischen „neuen kalten Krieg”. Bild und Copyright: zhu difeng / shutterstock.com.

„Made in China 2025“ ist ein strategischer Plan, um u.a. die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Industrie weiter zu steigern, die Qualität zu verbessern, Innovationen voranzutreiben und Energie-, Materialverbrauch signifikant zu senken. Dabei wurden zehn essentielle Sektoren identifiziert, die durch umfangreiche Maßnahmen gefördert werden. Die Autoindustrie ist seit Jahrzehnten eine der Schlüsseltechnologien schlechthin, von daher ist sie selbstverständlich integraler Bestandteil des Plans. China ist bei den dort postulierten Zielen auf einem guten Weg: Angesichts der vom Staat initiierten intensiven Verzahnung der Universitäten, IT-Konzerne, Telekom- und sonstiger Hardware-Unternehmen sowie der Autoindustrie gelten die Ausgangsvoraussetzungen beim autonomen Fahren und Vernetzung als sehr gut. Im Bereich der Brennstoffzellentechnologie wird mittlerweile massiv investiert, bei den Batterie-E-Fahrzeugen spielt man bereits vorne mit. Bei den Batterien selbst und vielen Komponenten für das E-Auto verfügen chinesische Firmen jetzt schon über eine dominante Position. Das Langfristziel lautet, dass China bis 2049, zum hundertjährigen Bestehen der Volksrepublik, u.a. in den zehn wichtigsten Sektoren an der Weltspitze steht.

Diese Ambitionen sind einer der Gründe für den sino-amerikanischen „neuen kalten Krieg“, der weit mehr wäre als ein Handelskonflikt (wie immer noch von manchen Medien dargestellt). Es geht dabei um nicht weniger als die globale Vorherrschaft - ökonomisch, technologisch, militärisch, ideologisch, beim Zugang zu Rohstoffen, bei der Währung etc. - der jeweiligen Nation. Auch wenn nun beim G20-Gipfel eine Art temporärer Waffenstillstand zwischen den beiden Kontrahenten vereinbart wurde, so ist man von einer Lösung - zumindest bezüglich der Handelszölle - wohl noch weit entfernt und solange könnte das „Thema“ vor allem die deutsche Autoindustrie entsprechend belasten.

Anleihen


Australien: Zinsentscheidung, gegen 04:00 Uhr
USA: PKW-Absatz (Juni), 23:00 Uhr

Der G20-Gipfel am Wochenende in Osaka und der EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs fanden gestern einen Nachhall – nicht nur in der Presse, sondern auch an den Finanzmärkten. Vor allem der Burgfrieden und die erneute Gespräche im Handelskrieg zwischen den USA und China sorgten für Erleichterung. Neue Zölle wurden abgewendet. Zudem sollen Beschränkungen für US-Technologiefirmen, den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei zu beliefern, gelockert werden. War die Wahl zum Europaparlament getragen von einer Welle der Sympathie für den europäischen Gedanken, so erinnert das aktuelle Postengeschiebe der Regierungschefs an eine mittelalterliche Kaiserwahl und spielt den Euroskeptikern in die Hände. Die Kredite an Unternehmen außerhalb des Finanzsektors stiegen im Mai um 0,5% zum Vormonat an. Auch das Wachstum der Geldmenge M3 lag im Mai mit 4,8% deutlich über dem nominalen Wachstum von 2,8%. Die Daten zum Geldmengen- und Kreditwachstum zeigen somit solide Zuwächse und lassen erwarten, dass im Euroraum das reale BIP-Wachstum positiv bleibt. Der ISM-Index fiel im Juni auf 50,6 Punkte – nach 50,1 Punkten im Mai. Die Unternehmen in den USA blicken somit skeptischer in die Zukunft – dieses Bild lieferten bereits einige regionale Einkaufsmanagerindizes. Der Rückgang war aber geringer als erwartet. Während die Auftragslage sich verschlechtert, ist die Neigung der Unternehmen Mitarbeiter einzustellen, weiterhin hoch. In Australien hat die Notenbank heute Morgen den Leitzins von 1,25% auf einen Prozent gesenkt. Angesichts sinkender Inflation und steigender Arbeitslosigkeit hatten die meisten Analysten eine Zinssenkung erwartet.

Aktien


Henkel, Investoren- und Analystentag

Allein die Tatsache, dass China und die USA ihre Gespräche fortsetzen werden und bis dahin einen erneuten „Waffenstillstand“ geschlossen haben, verhalf den Aktienbörsen zu einem starken Wochenauftakt. In der Vorwoche hatte das Wa-ten auf den Beginn des Gipfeltreffens in Osaka die zuvor durch die Notenbanken ausgelöste Euphorie noch deutlich gebremst. Auch die US-Blockade gegen den chinesischen Telekomriesen Huawei wurde zunächst aufgehoben. In diesem Umfeld konnten im deutschen Leitindex Dax 30 insbesondere die Aktien des Halbleiterproduzenten Infineon (+4,2%) deutlich zulegen. Die leidgeprüften Aktionäre der Deutschen Lufthansa (-0,6%) hingegen verzeichneten bei ihren Anteilen weitere Verluste. Im EUROSTOXX 600 legten fast alle Branchen deutlicher zu. Vor allem die Sektoren Grundstoffe (+2,2%) und Informationstechnologie (+2,1%) standen an der Spitze der Performanceliste. Dagegen traten die defensiven Segmente Versorger (+0,1%) und Telekommunikation (+0,2%) eher auf der Stelle. Die Wall Street nahm vor diesem Hintergrund ihre Rekordjagd wieder auf. Auch hier standen Technologie- und Halbleitertitel im Fokus. Spitzenreiter im Dow Jones Industrial waren die Aktien von Apple (+1,8%), während insbesondere die Anteilscheine von Boeing (-2,1%) Verluste verzeichneten und damit den Abwärtstrend der letzten Handelstage weiter fortsetzten. Der marktbreite Index S&P 500 erreichte im Tagesverlauf ein neues Allzeithoch, gegen Handelsschluss ließ der Schwung allerdings deutlich nach. Im beschriebenen Umfeld wiesen IT (+1,5%) und Finanzen (+1,1%) die beste Performance auf, während erneut einzig Immobilienaktien und Versorger (jeweils -0,3%) schwächer tendierten. Auch an den asiatischen Börsen lassen es die Anleger heute Morgen etwas ruhiger angehen, nur der Hang Seng in Hongkong holt nach dem Feiertag am Montag die Performance der anderen Märkte nach.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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