US-Notenbank Fed: Kein Stress mit dem Stresstest zu erwarten - Commerzbank Kolumne

Die US-Notenbank testet die Banken: Die großen Institute mit einer Bilanzsumme über 250 Mrd. USD werden jährlich geprüft, kleinere von 100 bis 200 Mrd. USD zweijährig und damit nicht 2019. Bild und Copyright: Mark Van Scyoc / shutterstock.com.

Die US-Notenbank testet die Banken: Die großen Institute mit einer Bilanzsumme über 250 Mrd. USD werden jährlich geprüft, kleinere von 100 bis 200 Mrd. USD zweijährig und damit nicht 2019. Bild und Copyright: Mark Van Scyoc / shutterstock.com.

21.06.2019 09:11 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Es ist wieder soweit, die jährliche Übung der US-Notenbank Fed, in der die Stressfähigkeit von US-Banken überprüft wird, steht bevor. Am 21. Juni (DFAST; s.u.) und am 27. Juni (CCAR) jeweils gegen späten Nachmittag US-Zeit werden dazu Ergebnisse bekannt gegeben. Bis Anfang April hatten US-Institute Zeit, ihre Pläne für die künftige Ausschüttung (Dividende und Aktienrückkäufe) einzureichen. Diese Pläne beziehen sich auf die Periode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2020. Was passiert genau? Die Notenbank untersucht, wie sich Stressszenarien (starker Wirtschaftseinbruch, drastisch erhöhte Arbeitslosenquote, erhebliche negative Preiseffekte bei Vermögenswerten, wie z.B. private Immobilien etc.) auf Kreditausfälle, Risikoposition und vor allem Eigenkapital der Banken auswirken würden. Die großen Institute (Bilanzsumme > 250 Mrd. USD) werden jährlich geprüft, kleinere (100 bis 200 Mrd. USD) zweijährig (damit nicht 2019). Banken mit weniger als 100 Mrd. USD Bilanzvolumen werden nicht den Tests unterzogen. Die Fed schaut sich unter Berücksichtigung der Szenarien Entwicklung bzw. Niveau von 5 Kennzahlen (u.a. harte Kernkapitalquote, Verschuldungsquote) an. Wenn keines der Kriterien unter der regulatorischen Mindestanforderung liegt, kann den beantragten Ausschüttungsplänen entsprochen werden. Sollte ein kleiner Teil „gerissen“ werden, können die betroffenen Banken noch vor der Publikation reagieren und ihre Ausschüttungspläne korrigieren. Die beiden unterschiedlichen Testebenen können so umschrieben werden: DFAST liefert Ergebnisse vor Berücksichtigung der beantragten Ausschüttungspläne, während CCAR diese berücksichtigt. Insofern ist CCAR ist die wichtigere Etappe zur Beurteilung a) was die Banken überhaupt ausschütten wollen und b) was sie am Ende unter regulatorischen Geschichtspunkten ausschütten dürfen. Insgesamt beinhaltet der diesjährige Test aber im Vergleich zu den Vorperioden einige Erleichterungen.

Anleihen


Japan: Verbraucherpreise (Mai), 01:30 Uhr
Deutschland: Einkaufsmanagerindex (Juni), 09:30 Uhr
Euroraum: Einkaufsmanagerindex (Juni), 10:00 Uhr
USA: Verkäufe bestehender Häuser (Mai), 16:00 Uhr

Nach dem New Yorker Empire State Index ist auch der Index der Philadelphia Fed zur Unternehmensstimmung deutlich zurückgekommen – der Index fiel von 16,6 Punkte auf 0,3 Punkte. Offenbar belastet der Handelsstreit mit China die Stimmung. Zwar wird sich Donald Trump mit seinem chinesischen Kollegen Xi auf dem G20-Treffen am Wochenende unterhalten, viel mehr als eine Stimmungsaufhellung ist nicht zu erwarten. Die Gespräche sind festgefahren. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist weiterhin niedrig und reflektiert einen aus Arbeitnehmersicht sehr entspannten Markt. Mittlerweile übersteigen in den USA die offenen Stellen sogar die Zahl der Arbeitslosen. Die US-Währungshüter haben die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt und am Mittwoch eine Zinswende kommunikativ vorbereitet. Die Pressemitteilung wurde angepasst. Darin heißt es jetzt: man werde „angemessen Handeln“, um den Konjunkturzyklus zu verlängern. Dies war zwar so erwartet worden, dennoch fielen die Renditen weiter zurück. Vorsorgliche Zinssenkungen dürften folgen – wahrscheinlich sind zwei Zinsschnitte im zweiten Halbjahr und ein weiterer Schritt 2020. An den Märkten sind weitere Zinssenkungen eingepreist. Dafür müssten die USA aber in eine Krise rutschen. Derzeit zeichnet sich – nach unserer Auffassung – zyklusbedingt eine langsamere Gangart ab, aber keine Rezession. Die Norwegische Zentralbank schwimmt gegen den Strom und hat gestern ihren Leitzins von 1,00% auf 1,25% angehoben. Doch auch die norwegischen Notenbanker können sich dem Umfeld nicht ganz entziehen: Den Zinsausblick haben sie erneut gesenkt – wohl auch, um eine deutlichen Aufwertung der norwegischen Krone zu vermeiden.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Die Entscheidung der EZB vom Mittwoch, die ohnehin schon sehr expansive Geldpolitik nochmals etwas expansiver zu gestalten und die Bereitschaft der US-Notenbank, den Leitzins möglicherweise schon im dritten Quartal 2019 zu senken, haben an den Kapitalmärkten in der Folge zu etlichen Rekorden geführt. So brachen bspw. die Renditen ein. In Deutschland erreichte die Rendite für die 10jährige deutsche Bundesanleihe am 18. Juni 2019 mit -0,328% ein neues Allzeittief. Die Rendite für 10jährige US-Treasuries rutschte erstmals seit 2016 unter 2%. Auch die Benchmark-Renditen in Australien und Neuseeland erreichten neue Rekordtiefs. Im Umkehrschluss stiegen einige Aktienmärkte nochmals kräftig an. Sowohl der Dow Jones-Index (+8,4% seit dem Tief am 3. Juni 2019) als auch der S&P 500-Index markierten gestern neue Rekordhochs; der Nasdaq Composite-Index steht kurz davor. In diesem von Zinshoffnungen getriebenem Markt erreichte auch der Dax-Index (+0,4%) gestern ein neues Jahreshoch bei 12.438 Punkten, wobei es nachmittags zu spürbaren Gewinnmitnahmen kam. Tagesgewinner war die zuletzt stark gebeutelte Aktie von Infineon (+3,6%). Dax-Schwergewicht SAP gewann nach guten Zahlen von Oracle 1,5% und markierte damit ebenfalls ein neues Allzeithoch (+36,6% seit Anfang 2019). Die Aktie der Deutschen Bank (-2,6%) litt als Tagesverlierer unter Geldwäschevorwürfen (Bericht in der New York Times). Auf europäischer Sektoren-ebene waren gestern v.a. IT-Werte (+1,6%) gefragt, wohingegen Aktien aus dem Bereich Reise & Freizeit im Schnitt 1,4% verloren. In den USA lagen Energiewerte (+2,2%) ganz vorn. Der Ölpreis stieg nach dem Abschuss einer Militärdrohne gestern kräftig an und der Goldpreis kletterte auf ein Fünfjahreshoch. Die Börsen in Asien tendierten zum Wochenschluss uneinheitlich. Der Nikkei 225-Index büßte 1% ein, da der Yen auf den höchsten Stand seit April 2018 stieg.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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