Weng Fine Art: Getrennte Börsennotierungen sollen höheren Börsenwert schaffen

Im Exklusivinterview mit der Redaktion von www.4investors.de erläutert Rüdiger K. Weng, Vorstand der Weng Fine Art, die Hintergründe der Börsenpläne für die Tochter WFA Online. Bild und Copyright: Weng Fine Art.

Im Exklusivinterview mit der Redaktion von www.4investors.de erläutert Rüdiger K. Weng, Vorstand der Weng Fine Art, die Hintergründe der Börsenpläne für die Tochter WFA Online. Bild und Copyright: Weng Fine Art.

13.06.2019, 07:59 Uhr - Autor: Johannes Stoffels  Johannes Stoffels auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Bei Weng Fine Art laufen die Vorbereitungen für die Börsenpremiere der Tochter WFA Online. Im Exklusivinterview mit der Redaktion von www.4investors.de erläutert Rüdiger K. Weng, Vorstand der Weng Fine Art, die Hintergründe der Börsenpläne. Er spricht über die Vorteile einer solchen Konstellation, den Fahrplan beim IPO und auch über die Expansionspläne seiner Gesellschaft.


www.4investors.de: Sie wollen die WFA Online AG als eigenständiges Unternehmen an die Börse bringen. Der Umsatz der Tochter lag 2018 bei 3,76 Millionen Euro, die Marktkapitalisierung der Muttergesellschaft beläuft sich auf rund 27 Millionen Euro . Warum spalten sie dieses Unternehmen nun auf?

Weng:
Wir denken nicht daran, die Weng Fine Art AG „aufzuspalten“. Vielmehr wird die Gesellschaft voraussichtlich auch langfristig die Mehrheit an der WFA Online AG halten. Es ist lediglich daran gedacht, beide Unternehmen getrennt im Kunst- und auf dem Kapitalmarkt auftreten zu lassen.

www.4investors.de: Als einen Grund für die Aufspaltung haben Sie früher gesagt, dass das Online-Geschäft riskanter bzw. volatiler sei und somit wohl teils ein anderes Aktionärspublikum anzieht. Gehört der Kunsthandel denn nicht insgesamt zu den riskanteren Branchen?

Weng:
Weng Fine Art AG und WFA Online AG unterscheiden sich sehr stark voneinander: Geschäftsmodelle, Produkte, Sourcing, Käufer sind völlig verschieden. Auf der einen Seite ein langsameres, substanzorientiertes, opportunistisch getriebenes Art Investment-Geschäft in der WFA, auf der anderen Seite ein auf schnelleren Umschlag ausgerichtetes, hoch skalierbares Plattform-Business in der WFA Online. Damit sprechen beide Gesellschaften unterschiedliche Gruppen von Investoren an.

www.4investors.de: Wo sind für die Zukunft die Vorteile dieses Konstrukts mit zwei börsennotierten Unternehmen?

Weng:
Beide Unternehmen treten im Markt getrennt auf, werden sich jeweils ein eigenes Branding aufbauen und können mit einem entsprechend geschärften Profil jeweils die für sie geeigneten Investoren ansprechen. Als Konsequenz daraus glauben wir, dass wir mit zwei getrennten Börsennotierungen einen höheren Börsenwert für unsere Aktionäre schaffen könnten.

www.4investors.de: Wie sieht der Fahrplan zum Börsengang der WFA Online AG aus?

Weng:
Durch die Privatplatzierung, die wir inzwischen abgeschlossen haben, konnten wir wichtige Voraussetzungen für eine mögliche Börsenzulassung, z.B. im m:access der Börse München, schaffen. Die Gesellschaft hat jetzt mehr als 100 Aktionäre, die 10 Prozent des zu notierenden Kapitals halten. Damit wäre jederzeit eine Notierungsaufnahme innerhalb von wenigen Wochen möglich. Wir haben uns aber entschieden, das Unternehmen weiterzuentwickeln, bevor wir es an einer Börse notieren lassen und halten uns damit auch die Option für einen klassischen IPO offen.

www.4investors.de: Werden bei einem Börsengang nur bestehende Aktien umplatziert werden oder wird es eine Kapitalerhöhung geben?

Weng:
Ob wir bei einer Notierung der WFA Online-Aktie ein Listing oder eher einen klassischen IPO bevorzugen, hängt vor allem vom mittelfristigen Kapitalbedarf der Tochter ab. Diesen konnten wir bisher über unsere finanzierenden Banken decken. Bei einem IPO müssen auch die Kosten in einem gesunden Verhältnis zur Kapitalaufnahme stehen. Unserer Meinung nach macht ein IPO mit Kapitalerhöhung aber erst bei einer erzielbaren Valuation von etwa 50 Millionen Euro Sinn. Dies ist also unsere Zielgröße.

www.4investors.de: Wie soll später die Aktionärsstruktur bei der WFA Online AG sein? Wollen Sie dort die Mehrheit behalten?

Weng:
Die Weng Fine Art AG soll mittel- und langfristig die Stimmenmehrheit an ihrer Tochter halten. Wir werden aber versuchen, den Streubesitz bei der Tochter sukzessive auf mehr als 30 Prozent zu erhöhen, um eine höhere Liquidität der Aktie zu erreichen.

www.4investors.de: Welche Expansionspläne verfolgen Sie mit der WFA Online?

Weng:
Die Gesellschaft muss, nachdem sie ihr Pilotprojekt erfolgreich absolviert hat, ihre Struktur weiter ausbauen, die den Boden für die geplante Expansion bereitet und skalierbar ist. Auf der Angebotsseite ist die WFA Online durch die Strahlwirkung der Koons-Editionen schon ein gutes Stück vorangekommen und konnte weitere Editionen von Weltkünstlern akquirieren.

Wir arbeiten derzeit daran, die Finanzierung breiter aufzustellen. Vor allem beschäftigt sich aber das Unternehmen mit dem Ausbau der Verkaufsplattform und wird in das Marketing investieren, damit sich der Käuferkreis weiter verbreitert. Die Endkunden werden unserer Meinung nach mittelfristig den Volumenrückgang kompensieren, der durch das immer schwächer werdende Geschäft mit dem eigenkapitalschwachen Handel entsteht.

Das Expansionstempo wird in gewissem Maße durch die Entwicklung des Kunstmarktes bestimmt. Wir operieren daher derzeit vorsichtig, damit die Kosten nicht überschießen. Im weniger konkurrenzintensiven Kunstmarkt spielt Geschwindigkeit eine wesentlich geringere Rolle als z.B. in der Technologiebranche.

www.4investors.de: In diesem Jahr haben sie schon mehr als ein Dutzend Insidertrades durchgeführt und Aktien der Weng Fine Art AG gekauft. Das Gesamtvolumen liegt bei rund 30.000 Euro. Warum machen sie das in so einem marktengen Titel?

Weng:
Ich habe seit der HV 2018 meine Dividende in WFA-Aktien reinvestiert, weil ich diese als eine attraktive Langfristanlage sehe. Meine Käufe in diesem Jahr machen etwa 0,1 Prozent der Marktkapitalisierung aus und sind daher meines Erachtens nach eigentlich nicht der Rede wert.



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