EZB: Die Zeichen stehen weiterhin auf Expansion - DWS Kolumne


06.06.2019 17:18 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Johannes Müller, Head Macro-Research, zur heutigen EZB-Sitzung: Die EZB bleibt sich treu und überrascht mit einer Verlängerung ihrer sehr expansiven akkommodierenden Geldpolitik: Nicht mehr nur bis Ende 2019, sondern mindestens bis Mitte 2020 sollen die Leitzinsen auf ihrem jetzigen Niveau verharren. Das bestätigt unsere Einschätzung, dass die sogenannte "forward guidance", also die Lenkung der Markterwartungen, durch die kommunikativ langfristige Festlegung der Geldpolitik im Instrumentarium der EZB an Gewicht gewinnt. Ihre Entscheidung, die Zinsen auf dem aktuellen Niveau zu belassen, begründet die EZB mit einer durch Handelsstreit und Brexit erhöhten makroökonomischen Unsicherheit.

Vor diesem Hintergrund ist es sogar erstaunlich, dass die Projektionen nur moderat angepasst wurden: Das Wachstum für 2020 wird etwas skeptischer gesehen und es bleibt bei der Einschätzung, dass die Inflation auch 2021 nicht das Ziel der EZB erreichen wird. Zum Thema Negativzinsen und Bankenprofitabilität sagte Mario Draghi, dass negative Zinsen bisher noch stets einen positiven Beitrag zur geldpolitischen Expansion geleistet hätten. Dies gelte jedenfalls für die Vergangenheit, müsse aber in der Zukunft nicht gelten. Damit bleibt der Freibetrag („Tiering System") auf die Einlagenfazilität weiterhin ein mögliches Instrument im Werkzeugkasten der EZB.

Die wichtigste Botschaft unserer Meinung nach war jedoch die Aussage, dass die EZB bereit stünde, mit allen möglichen Instrumenten zu agieren, wenn sich die Rahmenbedingungen verschlechtern sollten. Von Normalisierung bleibt die EZB also weit entfernt. Im Gegenteil, die Zeichen stehen weiterhin auf Expansion.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der DWS. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

EZB hält Zinsen länger niedrig, zeigt sich aber gelassener als die Finanzmärkte - Nord LB Kolumne

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer heutigen Sitzung wie erwartet weitere Details zu der ab September startenden neuen Serie langfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO III) beschlossen. So fallen die Konditionen fast so vorteilhaft wie bei den TLTRO II aus. Der Zins orientiert sich an dem jeweils gültigen Hauptrefinanzierungssatz zuzüglich eines Aufschlags in Höhe von 10 Basispunkten. Es besteht jedoch die Möglichkeit einer Konditionenverbesserung bis zum Einlagesatz zzgl. 10 Basispunkten. Wenig überraschend war die Entscheidung, dass die Leitzinsen unangetastet bleiben. Der Hauptrefinanzierungssatz verharrt bei 0,00%, der Satz für die Einlagefazilität bei -0,40% und der Zins für die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 0,25%. Ein Wechsel zu einem gestaffelten Einlagesatz wurde wie erwartet nicht beschlossen.

Die Formulierung der Forward Guidance für die zukünftige Entwicklung der Leitzinsen wurde – aus unserer Sicht etwas überraschend – bereits ... DWS News weiterlesen!

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