China: Stimmung verdüstert sich im Zuge des eskalierten Handelskonflikts - Nord LB Kolumne

Auch wenn dieser sogenannte „offizielle“ PMI für Manufacturing enttäuschend ausfiel, so sollte doch festgehalten werden, dass der Dienstleistungssektor in China offenbar in noch recht ordentlicher Verfassung ist. Bild und Copyright: Fotos593 / shutterstock.com.

Auch wenn dieser sogenannte „offizielle“ PMI für Manufacturing enttäuschend ausfiel, so sollte doch festgehalten werden, dass der Dienstleistungssektor in China offenbar in noch recht ordentlicher Verfassung ist. Bild und Copyright: Fotos593 / shutterstock.com.

31.05.2019 09:56 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Die am heutigen Morgen in China veröffentlichten Stimmungsumfragen zeigen inzwischen recht eindeutig an, dass die Ökonomie des Landes sukzessiv langsamer zu wachsen scheint. Der CFLP Einkaufsmanagerindex der China Federation of Logistics and Purchasing fiel im Berichtsmonat Mai wieder unter die wichtige „Expansionsschwelle“ von 50 Punkten. Mit 49,4 Punkten wird für den verarbeitenden Sektor eine rückläufige Dynamik angezeigt. Bemerkenswerterweise notieren nun auch die Komponenten „Auftragseingänge“, „Exportaufträge“ und „Beschäftigung“ unter 50 Punkten. Im Reich der Mitte hat sich die Stimmung in dem produzierenden Gewerbe mittlerweile wieder verdüstert, ein aufkeimender Pessimismus macht sich breit.

Auch wenn dieser sogenannte „offizielle“ PMI für Manufacturing enttäuschend ausfiel, so sollte doch festgehalten werden, dass der Dienstleistungssektor in China offenbar in noch recht ordentlicher Verfassung ist. Der CFLP PMI Non-Manufacturing blieb unverändert bei noch stattlichen 54,3 Punkten. Insofern scheint der eher binnenwirtschaftlich konzentrierte dritte Sektor der chinesischen Volkswirtschaft weiterhin eine ordentliche Dynamik aufzuweisen.

Das Thema Handelskonflikt zwischen den USA und China dürfte in diesem Zusammenhang eine gewichtige Rolle gespielt haben: Das vormalige Hoffen auf einen Handelsdeal ist inzwischen der Erkenntnis – nicht nur unter den befragten chinesischen Unternehmern – gewichen, dass die chinesische Industrie im Zuge der Eskalation einen starken Gegenwind zu spüren bekommen wird. Mit dem Übergang in einen – so muss man es wohl mittlerweile bezeichnen – Handelskrieg und der Anhebung der Sonderzölle auf 25% auf US-Importe aus China im Volumen von USD 200 Mrd. hat sich der Druck auf die Unternehmen im Land der Mitte massiv erhöht. Die Reaktionen der chinesischen Regierung, ihrerseits Zölle auf Produkte aus den USA anzuheben, und die veränderte Berichterstattung des Handelskonflikt in den (staatlich gelenkten) chinesischen Medien lassen befürchten, dass die Unterhändler auf beiden Seiten mittlerweile doch ein ganzes Stück weit auseinander liegen in ihren Vorstellungen, wie ein „Deal“ aussehen könnte. Damit ist die Wahrscheinlichkeit für eine Einigung tatsächlich zurückgegangen, aber dennoch vorhanden. Schließlich könnten beide Länder davon profitieren. Dazu müssten aber die Wettbewerbsbedingungen vereinheitlicht werden, vorauf die USA bestehen.

Um ein noch klareres Bild über die Stimmungslage in China zu erhalten sollte auf den am Montagmorgen anstehende „zweite“ nationale PMI geachtet werden: Der Caixin PMI gilt als eine Umfrage unter verstärkt weniger staatlich orientierter Unternehmen, denn er berücksichtigt auch die Rückmeldungen kleinerer Firmen.

Es sind aber noch andere Gründe, weswegen die Kapitalmärkte heute deutlich in Bewegung geraten sind: US-Präsident Trump kündigte nun auch sukzessiv steigende Importzölle auf Waren aus Mexiko an, sollte das Land den Immigrationsstrom nicht bremsen. Eine langsam global eskalierende Handelskriegsmaschinerie schmeckt den Aktienmärkten gar nicht, die Renditen von Bunds und US-Treasuries fallen und Gold, japanischer Yen und Schweizer Franken sind gesucht.

Fazit: Nach einer kurzzeitigen Aufhellung im April hat sich die Stimmung in China offenbar wieder leicht eingetrübt: Von den chinesischen Unternehmern jedenfalls kam mit dem Rückgang des CFLP PMI auf 49,4 Punkte ein eher negatives Signal für die Konjunktur. Sicherlich spielt dabei die Eskalation im Handelskonflikt mit den USA eine große Rolle. Insbesondere die exportorientierten Unternehmen dürften mit der veränderten Zollpolitik unter Druck geraten. Die Wahrscheinlichkeit für einen Deal ist zuletzt zurückgegangen, dennoch bestehen gewisse Aussichten auf eine Annäherung. Beide Länder könnten davon profitieren. Derzeit überwiegt allerdings die Stimmung im Moll.

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