Steinhoff Aktie: Börse brutal - zurück zum Allzeittief?


Kann sich Steinhoff International erfolgreich sanieren? An der Frankfurter Börse schienen sich gestern das Vertrauen in einen Erfolg der Bemühungen deutlich zu reduzieren, die Steinhoff Aktie stürzte ab. Bild und Copyright: Rawpixel.com / shutterstock.com.

Kann sich Steinhoff International erfolgreich sanieren? An der Frankfurter Börse schienen sich gestern das Vertrauen in einen Erfolg der Bemühungen deutlich zu reduzieren, die Steinhoff Aktie stürzte ab. Bild und Copyright: Rawpixel.com / shutterstock.com.

Nachricht vom 09.05.2019 09.05.2019 (www.4investors.de) - Nachdem Steinhoff International in der Nach zum Mittwoch endlich die Bilanz für das 2017 beendete Geschäftsjahr vorgelegt hatte, ging die Steinhoff Aktie auf Achterbahnfahrt. Börse brutal: Zunächst reagierte der Aktienkurs des SDAX-notierten Handelskonzerns positiv, kletterte vom Dienstags-Schlusskurs bei 0,127 Euro auf 0,1362 Euro - um dann gnadenlos abzustürzen. Der kleine Break über die charttechnische Hürdenzone bei 0,133/0,135 Euro konnte nicht gehalten werden. In der Folge rauschte die Steinhoff Aktie bis auf 0,1091 Euro nach unten und ging schließlich mit 0,1134 Euro und fast 11 Prozent Minus aus dem gestrigen XETRA-Handel.

Am frühen Donnerstagmorgen sieht es für die Steinhoff Aktie nicht viel besser aus: Aktuelle Indikationen liegen bei 0,111/0,112 Euro.

Was neben der charttechnischen Bullenfalle und dem damit einher gehenden Verkaufssignale in der technischen Analyse bei der Steinhoff Aktie diesen brutalen Umschwung gestern auslöste, darüber darf spekuliert werden. Die gestern vorgelegte Bilanz für das Geschäftsjahr 2016/2017 ist nur ein Zwischenstand, seit Ende September 2017 hat sich als Folge des im Dezember 2017 aufgedeckten Bilanzskandals viel getan. Die 2018er-Bilanz dürfte einige weitere Folgen des Desasters verarbeiten und schon die Zahlen für 2017 zeigen, in welche Bedrängnis das Unternehmen geraten ist. Hier dürften einige die Notbremse gezogen haben, insbesondere nachdem die zunächst positive Reaktion auf die Nachrichten aus der Nacht zum Mittwoch recht schnell in sich zusammen brach. Unter hohen Umsätzen mit der Steinhoff Aktie ging es für den Aktienkurs nach unten. Stoploss-Marken dürften hierbei ebenfalls eine Rolle gespielt haben, ebenso die wachsenden Sorgen über den riesigen Berg an rechtlichen Auseinandersetzungen und deren mögliche Folgen für Steinhoff International.

In der technischen Analyse für die Steinhoff Aktie bleibt damit neben der Bullenfalle vor allem ein Faktor interessant: An der von uns in den letzten Tagen immer wieder genannten charttechnischen Unterstützung bei 0,108/0,109 Euro konnte Steinhoffs Aktienkurs die Talfahrt stoppen. Eine Gegenreaktion endete bei 0,1165 Euro, bevor der Aktienkurs gen Schlusskurs pendelte. Das bedeutet nicht (!), dass der SDAX-Wert damit aus dem Schneider ist. Charttechnik wie auch aktuelle Indikationen zeigen, dass der Druck weiter besteht. Hielt der Support bei 0,108/0,109 Euro gestern noch, sind weiterhin neue Verkaufssignale an dieser Marke nicht auszuschließen.

Das bullishe Szenario in der technischen Analyse für die Steinhoff Aktie käme zum Tragen, wenn der SDAX-Wert sich wieder über 0,1159/0,1165 Euro stabilisieren könnte. In dem Fall wäre eine technische Erholung möglich. Die jüngsten Kursschwankungen zeigen für dieses Szenario um 0,120/0,122 Euro charttechnische Hindernisse. Übergeordnet wichtige Signalzonen bleiben 0,140/0,143 Euro und darunter der Bereich unterhalb des gestrigen Tageshochs.

Im bearishen Szenario würde ein stabiler Rutsch unter 0,108/0,109 Euro noch einmal deutlichen Druck auf die Steinhoff Aktie ausüben. Bei einer solchen Entwicklung wären nächste Kursziele um 0,102/0,103 Euro und 0,105/0,106 Euro zu sehen. Weitere Verkaufssignale könnten dann 0,085/0,088 Euro oder sogar das Allzeittief bei 0,071/0,075 Euro zum Kursziel für die Steinhoff Aktie machen.

Die wichtigsten Fakten aus der Bilanz für 2016/2017 von Steinhoff International


Steinhoff Interational weist für das Geschäftsjahr 2016/2017 einen Umsatz von 18,82 Milliarden Euro aus nach 16,13 Milliarden Euro in der Fünfzehnmonatsperiode (!) zuvor. Der Rohertrag der niederländisch-südafrikanischen Handelsgesellschaft ist von 5,95 Milliarden Euro auf 7,66 Milliarden Euro gewachsen. Einen deutlichen Zuwachs verzeichneten die umsatzunabhängigen Kosten: Für Administration wurden 6,69 Milliarden Euro ausgegeben nach 5,32 Milliarden Euro in der längeren Vergleichsperiode. Die sonstigen Kosten explodierten von 0,24 Milliarden Euro auf knapp 4 Milliarden Euro. Tief ins Minus ist zudem der Nettocashflow aus den operativen Aktivitäten gefallen, der bei -792 Millionen Euro liegt nach einem Plus von 257 Millionen Euro zuvor.

Operativ meldet Steinhoff International damit einen Verlust von 3,68 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 0,28 Milliarden Euro zuvor. Unter dem Strich wurde nach 1,04 Milliarden Euro Verlust im Zeitraum zuvor im Jahr 2016/2017 ein Verlust von 3,998 Milliarden Euro verzeichnet. Je Steinhoff Aktie weist das Unternehmen einen Verlust von 0,959 Euro aus. Nimmt man noch Faktoren wie Währungskursveränderungen hinzu, wuchs der Verlust von 1,04 Milliarden Euro auf 4,18 Milliarden Euro.

Das Eigenkapital des Konzerns hat sich damit deutlich verringert und liegt per 30. September nur noch bei 2,09 Milliarden Euro nach zuvor 6,09 Milliarden Euro. Zu diesem Stichtag immer befinden sich 4,59 Milliarden Euro an Goodwill und 2,66 Milliarden Euro an immateriellen Vermögensgegenständen in der Bilanz von Steinhoff International. Der per Bilanzstichtag noch vorhandene Goodwill betrifft mit zusammen 4,3 Milliarden Euro fast ausschließlich die beiden Pepkor-Gesellschaften. Dagegen wurde der Goodwill an Mattress Firm auf nur noch 52 Millionen Euro abgeschrieben. (Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter )





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