Donald Trump „twittert“ den DAX in Richtung 12.000 Punkte - Nord LB Kolumne

Am Sonntag kritisierte der US-Präsident in zwei Tweets den Mangel an Fortschritten in den Verhandlungen mit Peking. Er drohte sehr konkret mit höheren Strafzöllen. Bild und Copyright: Jan Schneckenhaus / shutterstock.com.

Am Sonntag kritisierte der US-Präsident in zwei Tweets den Mangel an Fortschritten in den Verhandlungen mit Peking. Er drohte sehr konkret mit höheren Strafzöllen. Bild und Copyright: Jan Schneckenhaus / shutterstock.com.

06.05.2019 11:02 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Nachdem die internationalen Aktienmärkte zwischenzeitlich sehr stark auf eine zügige Beilegung des Handelskonfliktes zwischen China und den USA gesetzt hatten, kommen bei den Anlegern nun wieder verstärkt Sorgen bezüglich der Handelspolitik in Washington auf. Ursächlich für den Stimmungsumschwung war wieder einmal Donald Trump. Am Sonntag kritisierte der US-Präsident in zwei Tweets den Mangel an Fortschritten in den Verhandlungen mit Peking. Er drohte sehr konkret mit höheren Strafzöllen. In diesem Umfeld beginnen die Aktienkurse global unter Druck zu kommen. Der deutsche Leitindex DAX startete entsprechend nur noch recht knapp oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 12.000 Punkten in die neue Handelswoche.

Der noch jüngst an den Finanzmärkten zu beobachtende Optimismus beim Blick auf den Handelskonflikt zwischen Peking und Washington erscheint nach den neuen Tweets von Donald Trump zumindest in gewissem Maße übertrieben. Wir hatten verschiedentlich betont, dass in den Kursen der Dividendenpapiere weltweit bereits zu ambitionierte Hoffnungen eingepreist sein könnten. Einige Anleger hatten offenbar noch in dieser Woche mit klaren Signalen in Richtung einer zügigen Einigung gerechnet. Die Gespräche stocken aber offenbar bei einigen recht komplizierten Detailfragen. Aus der US-Handelskammer, die über den Verlauf der Verhandlungen von den offiziellen Stellen informiert wird, kamen zuletzt entsprechend auch nur noch vorsichtig optimistische Töne. In einem Pressegespräch betonte die in dieser wichtigen privatwirtschaftlichen US-Organisation für internationale Fragen verantwortliche Führungskraft Myron Brilliant, dass mittlerweile zwar etwa 95% der zu klärenden Punkte abgearbeitet worden sind, es nun aber kontroverse Diskussionen über einige Details zu geben scheint. In diesem Kontext sind die chinesische Subventionspolitik, die Öffnung des Reichs der Mitte für US-Anbieter von Cloud-Computing-Lösungen und der Schutz von geistigen Eigentumsrechten im Bereich der Pharmazie zu nennen.

Donald Trump hat am Wochenende offenbar entschieden, dass man weiteren Druck auf Peking ausüben sollte, um bei den noch offenen Punkten für die USA vorteilhafte Regelungen herbeizuführen. Nach erfreulichen Zahlen zum Wirtschaftswachstum und zur Beschäftigungssituation in den Vereinigten Staaten glaubt der US-Präsident wohl, inzwischen eindeutig am längeren Hebel zu sitzen und aus einer Position der Stärke verhandeln zu können. Entsprechend hat Donald Trump nun beim Handelskonflikt-Poker den Einsatz weiter erhöht. Dies ist eine gefährliche Strategie, die aber potentiell hohe Gewinne für die US-Wirtschaft versprechen könnte. Das Risiko eines Scheiterns der Gespräche hat sich durch die Tweets Trumps natürlich wieder erhöht. Angesichts der zuletzt bereits sehr ambitionierten Erwartungshaltung der Marktteilnehmer belastet dieses Faktum die Kurse an den internationalen Aktienmärkten ohne jeden Zweifel zu Recht. In der Tat bestand die Gefahr, dass Peking die nächste Runde der Gespräche in den USA absagen könnte. Aktuellen Presseberichten folgend dürfte diese Optionen nun aber vom Tisch sein. China könnte jedoch den Termin des Treffens in Washington verschieben. Zudem ist es möglich, dass die Delegation aus dem Reich der Mitte nicht von Vizepremier Liu He angeführt wird.

Fazit: Donald Trump hat den Handelsstreit mit China durch seine neuen Tweets wieder verschärft. Die erhöhte Unsicherheit vergrößert die Risikoaversion der Marktteilnehmer und löst entsprechend Druck auf die Kurse an den globalen Aktienmärkten aus. Wir sehen in den neuen Drohungen des US-Präsidenten aber eher eine aggressivere Verhandlungsstrategie im Handelskonflikt mit Peking – Washington dürfte weiterhin am Deal interessiert sein.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

Handelsgespräche USA/China: Taktik oder setzt Donald Trump weitere Zölle um? - VP Bank Kolumne

Noch in der vergangenen Woche standen die Ampeln gemäss Kommentaren von der US-Seite auf Grün, jetzt stehen die Handelsgespräche auf der Kippe bzw. es kommt zumindest zu Verzögerungen. Donald Trump gab mittels Tweet bekannt, dass schon am kommenden Freitag Warenimporte aus China mit einem Gegenwert von USD 200 Mrd. nicht mit einem Zollsatz von bislang 10 %, sondern dann mit 25 % belegt würden. Doch dem war nicht genug, weitere Güter im Umfang von USD 325 Mrd. könnten ebenso mit Strafzöllen belegt werden. Damit wären nahezu sämtliche chinesische Waren mit Ziel USA mit einem Strafzoll behaftet. Hintergrund der neuen Feindseligkeit ist, dass Donald Trump die Handelsgespräche zu langsam voran gehen. Aber so ist das nun einmal, der internationale Warenaustausch ist komplex. Handelsabkommen benötigen Zeit. Die chinesische Seite droht nun im Gegenzug damit, die für diese Woche geplante Fortsetzung der Verhandlungen mit den USA aussetzen.

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