Türkische Börse weiterhin in schwierigem Fahrwasser – Lira unter Druck - Commerzbank Kolumne


Die Angst der Anleger vor Neuwahlen oder gar Kapitalverkehrskontrollen führte zu einer erneuten Lira-Schwäche. Bei der Commerzbank ist man weiter zurückhaltend gegenüber dem türkischen Aktienmarkt. Bild und Copyright: Orlok / shutterstock.com.

Die Angst der Anleger vor Neuwahlen oder gar Kapitalverkehrskontrollen führte zu einer erneuten Lira-Schwäche. Bei der Commerzbank ist man weiter zurückhaltend gegenüber dem türkischen Aktienmarkt. Bild und Copyright: Orlok / shutterstock.com.

Nachricht vom 12.04.2019 12.04.2019 (www.4investors.de) - Der MSCI Türkei-Index sank in Q1 2019 um 4,3%. Allein im März 2019 büßte er im Vorfeld der Kommunalwahlen rund 15,9% ein. Bei der Wahl am 31. März 2019 erlitt Erdogans Regierungspartei AKP eine Wahlschlappe. Die Städte Ankara und Istanbul gingen verloren. Erdogan reagierte mit verbalen Attacken auf Anleger. Die Angst der Anleger vor Neuwahlen oder gar Kapitalverkehrskontrollen führte zu einer erneuten Lira-Schwäche (-7% gegenüber dem USD per 11. April 2019). Der in Lira denominierte Leitindex BIST 100 liegt seit Jahresbeginn mit 6% im Plus. Eine Abwertung der Lira führt zu einer höheren (importierten) Inflation. Diese lag im März 2019 bei 19,7% (J/J). Dadurch sinkt die Kaufkraft der Einwohner in der Türkei. Zudem ist das Leistungsbilanzdefizit der Türkei recht hoch. Durch eine Abwertung verteuern sich Kapitalimporte, was die Finanzierung des Defizits erschwert. Unterdessen steckt die Türkei in einer Rezession fest (BIP Q4 2018: -3% J/J). Die Arbeitslosenquote lag im Dezember 2018 bei hohen 13,5%. Die Regierung lenkt mit Fiskalimpulsen und Bankkrediten gegen. Die Notenbank hält hingegen an ihrer restriktiven Politik fest (Leitzins: 24%). Investoren mahnen weiterhin Reformen unter anderem in den Bereichen Arbeitsmarkt und Bildung an. Mit einem Kursgewinnverhältnis (KGV) von rund 7 zählt die türkische Börse zu den günstigsten Aktienmärkten. Auf Basis der geschätzten Firmengewinne für 2020 von 27% (J/J, IBES-Konsensus) beläuft sich das entsprechende KGV auf 5,5. Allerdings dürfte die Schwankungsanfälligkeit der türkischen Lira aller Voraussicht nach noch recht hoch bleiben. Zudem könnten sich im ersten Halbjahr 2019 die rezessiven Tendenzen in der Türkei verstärken. Daher bestätigen wir zunächst unser Untergewichten-Votum für die türkische Börse. Hinzu kommen die Unsicherheit über das Agieren der Notenbank sowie außenpolitische Spannungen unter anderem mit den USA (Themen: Syrien, Iran, Nato, Prediger Gülen, der im US-Exil lebt).

Anleihen


Euroraum: Industrieproduktion (Feb.), 11:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen (Apr.), 16:00 Uhr

In den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der Woche zum 6. April auf nur 196.000 gefallen. Dies markiert den tiefsten Stand seit 1969. Der Jobmotor läuft offenbar weiterhin rund, auch wenn die Zahl der offenen Stellen etwas zurückgegangen ist. Eine weitersinkende Arbeitslosenquote und fortgesetzt steigende Löhne dürften die Folge sein. Für beide Entwicklungen braucht es keinen Anstieg der Produktion. Die Inflationserwartungen sind parallel dazu seit Jahresbeginn deutlich angestiegen und bewegen sich auf Sicht von zwei Jahren knapp unter zwei Prozent – wozu freilich auch der Öl- und Benzinpreisanstieg beigetragen hat. Doch nicht nur die Erwartungen, auch an der aktuellen Preisentwicklung sind Risiken ablesbar. So sind die Produzentenpreise im März überraschend kräftig um 0,6% zum Vormonat angestiegen. Auch hier spielte der Benzinpreisanstieg eine Rolle (+16% zum Vormonat). Das ist bitter für die Amerikaner, da die Osterreisezeit vor der Tür steht. Rechnet man Energie- und Nahrungsmittel aus der Preiserfassung heraus, dann zogen die Erzeugerpreise um 0,3% ggü. dem Vormonat an. Mit etwa diesem Tempo steigen die Produzentenpreise zwar seit gut einem Jahr, doch die Neigung der Unternehmen, die Preisentwicklung auch stärker an die Endverbraucher weiterzugeben, dürfte zunehmen. Viel hängt freilich an der Ölpreisentwicklung – es ist zu erwarten, dass US-Präsident Trump schon bald erneut die OPEC kritisieren wird. Die Zustimmung der EU, den Brexit-Termin bis zum 31 Oktober zu verlängern, hat Druck aus dem Kessel gelassen und die Gefahr eines harten Brexits zunächst einmal abgewendet. Die Kehrseite ist, dass dieses Thema uns weiter beschäftigen wird – und dies leider zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die EU stärker auf eigene Reformen fokussieren müsste.

Aktien


J.P. Morgan Chase Zahlen 1. Quartal
Wells Fargo Zahlen 1. Quartal

Die Entwicklungen um die Brexitverschiebung fanden an den Aktienmärkten keine große Resonanz, da diese Variante mehr oder weniger erwartet worden war. Mehr Zeit heißt kurzfristig keinen Chaos-Brexit aber allerdings auch mehr Zeit für Brexit-Chaos, woran sich die Börsianer in den letzten Monaten aber ganz gut akklimatisiert haben. Der DAX pendelte den ganzen Tag um den Vortagesschluss und fror dann ab frühem Nachmittag beim Schlussstand von 11.935 (+0,3%) regelrecht ein. Auch MDAX und EuroStoxx 50 legten um 0,3% zu. In Frankreich lag der CAC 40 mit +0,7% etwas besser. Der britische FTSE 100 schloss fast unverändert. Tagesgewinner im DAX war Lufthansa (+3,1%) und Deutsche Bank (+2,9%). Am Ende der Perfomancerangliste lagen eher defensive Werte wie RWE (-1,6%) oder Linde (-1,4%). Im MDAX gab es mit Kion (+7,1%) auch stärker bewegte Titel. Im EuroStoxx 50 konnte LVMH (+4,6%) nach sehr guten Umsatzzahlen im 1. Quartal zulegen. Wenig Bewegung verzeichneten in der Breite auch die US-Märkte vor dem Beginn der Bilanzsaison für das 1. Quartal. Dow Jones und S&P 500 schlossen nach sehr ruhigem Handel praktisch auf Vortagesniveau. An der Nasdaq (-0,2%) gab es ein kleines Minus. Auf Branchenebene waren die Bewegungen jedoch durchaus nennenswert: Während Industrie (+0,9%) zulegte, gab es mit Gesundheit (-1,2%) einen klaren Verlierer. Dies spiegelte sich auch in den Einzelwerten deutlich wider: Im Dow lag Boeing (+1,3%) ganz vorn, während UnitedHealth (-4,3%), aber auch Pharmaproduzenten wie Pfizer (-1,1%) und Merck (-1,2%) zu den Verlierern zählten. In Asien treten die Märkte heute weitgehend auf der Stelle und bewegen sich uneinheitlich um die Vortagesstände. Daher geht die Richtungssuche in Europa heute weiter, wofür die heute startende Berichtssaison in USA beitragen könnte. (Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter )

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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