EZB will negative Begleiterscheinungen von Minuszinsen überprüfen - Commerzbank Kolumne

11.04.2019, 12:14 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Bild und Copyright: anathomy / shutterstock.com.

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Auf der gestrigen Pressekonferenz der EZB nach der Ratssitzung, gab es keine neuen Beschlüsse oder Überraschungen. Allerdings vermittelte EZB-Chef Mario Draghi den Eindruck, als neige die EZB dazu, noch sehr lange expansiv zu bleiben. So deuten die Risiken für das Wachstum weiterhin nach unten. Dennoch sei die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession gering. Jüngste Wirtschaftsdaten bestätigten, dass sich das Wachstumstempo im Euroraum verlangsame. Vor allem habe die Entwicklung in der Industrie enttäuscht. Draghi verwies dabei auch auf die globale Wachstumsabschwächung. Bezüglich der Einführung der Langfristtender (TLTRO) verwies Draghi bei den noch offenen Fragen auf die Sitzung im Juni. Dann liegen auch die neuen Projektionen vor. Dabei geht es vor allem um die Zinsen, mit denen die TLTROs vergeben werden sollen. Diese Entscheidung hänge von den Konjunkturaussichten sowie von den Kreditvergabestandards der Banken ab. Wir erwarten TLTRO-Zinsen in einem Band von +/- 20 Basispunkte um den Hauptrefinanzierungssatz. So würden die Banken durch einen niedrigeren Zins belohnt, die viele Kredite vergeben. Möglicherweise wird die EZB im Herbst beschließen, höhere Leitzinsen nicht nur bis Ende 2019, sondern länger, etwa bis Mitte oder Ende 2020, auszuschließen. Damit dem zugestimmt werden kann, könnten für die Banken im Euroraum Freibeträge eingeführt werden, damit sie nicht mehr Strafzinsen für die gesamten Überschussreserven, die insbesondere in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden anfallen, zahlen müssen. Draghi versprach, dass geprüft werde, ob die Begleiterscheinungen des Minuszinses abgemildert werden müssten. Damit kann die EZB rechtfertigen, die Zinsen noch länger als bisher gedacht, auf niedrigem Niveau zu halten.

Anleihen


China: Verbraucherpreise (März), 3:30 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Produzentenpreise (März), 14:30 Uhr

Die EZB hat auf ihrer gestrigen Sitzung – wie erwartet – die Leitzinsen unverändert gelassen. Auch in ihrer Zinsprojektion bleibt alles beim Alten (die Zinsen bleiben mindestens bis Ende 2019 auf dem aktuellen Niveau). Auf der letzten Sitzung im März kündigte die EZB eine dritte Serie langfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO3) an. EZB-Präsident Draghi machte auf der gestrigen Pressekonferenz aber keine näheren Erläuterungen hierzu. Hier müssen wir uns wohl bis zur Junisitzung gedulden. Zum Thema negativer Einlagensatz meinte Draghi, es werde geprüft, ob negative Begleiterscheinungen des negativen Einlagesatzes abgemildert werden müssten. Draghi stellte klar, dass die konjunkturellen Abwärtsrisiken im Euroraum dominieren und die EZB daher auch weiterhin bereit und fähig ist, ihre Geldpolitik bei Bedarf weiter zu lockern (siehe „Im Blickpunkt“). Der Euro schwächte sich kurzfristig ab, erholte sich dann aber schnell wieder und notiert deutlich über 1,12 US-Dollar je Euro. In den USA sind die Verbraucherpreise im März stärker als erwartet gestiegen und zwar im Jahresvergleich um 1,9% (Februar: +1,5%). In der Kernrate, welche die volatilen Preise für Energie und Lebensmittel außen vor lässt, stiegen die Preise um 2,0% gegenüber dem Vorjahr (Februar: +2,1%). Damit bleibt die Inflationsrate in der von der US-Notenbank Fed angestrebten Region von 2,0%. Aus dem veröffentlichten Protokoll der letzten Fed-Sitzung geht hervor, dass mehrere Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) ihre Entscheidungen flexibel an der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung auszurichten gedenken. Heute Nacht einigten sich die Staats- und Regierungschefs der EU darauf, dass das Vereinigte Königreich bis zum 31. Oktober Zeit für einen geregelten Brexit erhält.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Nach den etwas schwächeren Vortagen stabilisierten sich die europäischen Aktienmärkte am gestrigen Handelstag wieder etwas. Zum Handelsschluss wiesen die europäischen Börsen eine uneinheitliche Tendenz auf. Die Hoffnung auf einen Aufschub des Brexit sorgte für etwas Rückenwind an den Märkten. Tagesgewinner in Europa war der ATX-Index in Österreich mit einem Plus von 0,9%. Tagesverlierer war der schweizerische Leitindex SMI, wo es nach der starken Kursrally seit Anfang 2019 (+13,4%) zu Gewinnmitnahmen kam (Novartis: -3%). Der Dax legte in diesem Umfeld um 0,5% zu. Tagesverlierer im Dax war die Aktie der Deutschen Bank mit einem Minus von 0,7%. Bankaktien litten vor allem unter den Aussagen des EZB-Notenbankchefs Draghi. Die Europäische Zentralbank sieht weiterhin Konjunkturrisiken nach unten, weshalb eine Zinswende in immer weitere Ferne rückt. Einige Investoren spekulieren sogar auf einen Zinsschritt nach unten, was für viele Banken weiteres Gift für die Erträge wäre. Profitieren konnten davon naturgemäß Immobilienaktien, die auf europäischer Sektorenebene gestern mit durchschnittlichen Gewinnen in Höhe von 1,8% zu den am stärksten ge-suchten Aktien zählten. Am Ende der Performancerangliste notierte der Bereich Pharma (-0,4%). Die Börsen in den USA tendierten etwas freundlicher, wobei der Nasdaq Composite-Index mit einem Plus von 0,7% die größten Gewinne erzielte. Die Aktie von Boeing (-1,1%) stand dagegen weiter unter Druck und lastete etwas auf dem Dow Jones-Index, der nahezu unverändert notierte. Das Protokoll der US-Notenbank enthielt keine größeren Überraschungen. Auf Sektorenebene (S&P 500) waren wie in Europa vor allem Immobilienaktien (+0,7%) gefragt. Versorgeraktien büßten als Tagesverlierer im Schnitt 0,4% ein. Die Börsen in Asien tendierten überwiegend im Minus. Dank eines Schlussspurts schloss der Nikkei-Index mit 0,1% im Plus.

Auf einem Blick - Chart und News: DAX - Aktienindex

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