Wirecard Aktie: Absturz auf 86 Euro oder Erholungshausse - wie geht es weiter? - Chartanalyse

14.03.2019, 12:16 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Selten gab es um einen DAX-Neuling an der Frankfurter Börse so viel Wirbel wie um die Wirecard Aktie. Und die Zeichen deuten darauf, dass sich daran so schnell nichts ändern wird. Selbst ein erneuter Crash ist nicht ausgeschlossen - Wirecard muss nun liefern. Bild und Copyright: Wirecard.

Selten gab es um einen DAX-Neuling an der Frankfurter Börse so viel Wirbel wie um die Wirecard Aktie. Und die Zeichen deuten darauf, dass sich daran so schnell nichts ändern wird. Selbst ein erneuter Crash ist nicht ausgeschlossen - Wirecard muss nun liefern. Bild und Copyright: Wirecard.

Lassen wir bei der Wirecard Aktie einmal alle Schlagzeilen beiseite und konzentrieren uns voll auf den Chart des DAX-notierten Titels - denn der spricht Bände. Nicht nur, dass die Erholungsbewegung nach dem Crash von 170 Euro auf 86 Euro bei 136,50 Euro an einer wichtigen charttechnischen Hürde gestoppt wurde, der anschließende Sturz zurück unter die ebenso wichtige breite Signalzone zwischen 123,40/124,10 Euro und 127,70/128,80 Euro konnte bisher nicht wieder neutralisiert werden. Im Gegenteil: Gestern wie auch heute kam es im Tagesverlauf bei Wirecards Aktienkurs zu Rebreakversuchen, die aber früh scheiterten.

Der Blick auf den Kursverlauf der Wirecard Aktie zeigt dies deutlich. Wurde das Tageshoch am gestrigen Mittwoch bei 125,40 Euro notiert, liegt dieses heute bisher bei 124,50 Euro. Die Kernmarke im Bereich 124,40/126,20 Euro blieb intakt, sodass die zwischenzeitlichen Kursanstiege über das untere Ende des Clusters keine bullishen Impulse von Tragweite entfalten konnten. Wäre dies gelungen, hätte sich die Wirecard Aktie wieder in Richtung 134,15/136,50 Euro und bei weiteren Kaufsignalen sogar in Richtung 141,75/142,70 Euro und 148,00/149,50 Euro entwickeln können. Doch bisher fehlen die hierzu notwendigen Startsignale in der technischen Analyse der Wirecard Aktie völlig.

Und so kommt das Papier weiterhin nicht aus der Seitwärtsbewegung heraus, aus der es Montag und Dienstag noch nach oben ausgebrochen war, in die es anschließend aber wieder zurückgeworfen wurde. Nach oben ist die beschriebene Hürdenzone rund um die Kernmarke bei 124,40/126,20 Euro trendentscheidend und nach unten hin der Bereich bei 114,40/115,50 Euro. Letzterer wird durch weitere kleinere Supports um 111,80 Euro ergänzt. Verkaufssignale an diesen Marken würden die Wirecard Aktie zwischen 106,10/107,85 Euro und 104,25/105,10 Euro auf die nächsten Hürden treffen lassen. Charttechnisch wäre aber auch ein nochmaliger Test des Crash-Tiefs bei 86 Euro dann nicht ausgeschlossen, denn das Sentiment bei der Wirecard Aktie bleibt von hoher Unsicherheit geprägt. Die kann nur Wirecard selbst ausräumen - natürlich mit News, nicht mit Charttechnik.

Hier noch einmal unser Bericht vom Donnerstagmorgen zur Wirecard Aktie:

Gestern zeigten sich bei der Wirecard Aktie zum ersten Mal deutlich die Auswirkungen des Leerverkaufsverbot, das die BAFin im Zuge der Kursturbulenzen bei dem DAX-Wert verhängt hatte - wir berichteten. Erneute Berichte über die fragwürdigen Vorgänge bei den Asien-Aktivitäten der Gesellschaft, die das Vertrauen an der Börse in Wirecard weiter untergruben, brachten den Aktienkurs von Wirecard unter Druck. Hätten die Shortseller freie Hand gehabt, wäre der Tag wohl zu einem erneuten „Schlachtfest” für die Wirecard Aktie geworden. So blieb ein vergleichsweise kleiner Rückschlag auf 117,50 Euro im Tagesverlauf unter moderaten Umsätzen. Mit 118,70 Euro ging die Wirecard Aktie aus dem XETRA-Handel - ein Minus von 6,57 Prozent.

Schon Tags zuvor war der Aktienkurs unter Druck geraten, vor allem aufgrund eines antizyklischen Verkaufssignals. Der neue Bericht der „Financial Times” zu Wirecard kam also - aus Sicht der Leute, die auf fallende Kurse spekulieren - zur richtigen Zeit. Das war auch Ende Januar so, als die Berichte auftauchten, kurz nachdem die Wirecard Aktie einen empfindlichen Rückschlag in der technischen Analyse hinnehmen musste.

Wirecard täte gut daran, schnellstmöglich die Vorgänge in Asien umfassend aufzuklären. Hierzu wäre der immer noch ausstehende Bericht der renommierten Rechtsanwälte von Rajah & Tann das geeignete Instrument. Doch auf diesen wartet die Börse bisher vergeblich. Zwar hatte Wirecard Anfang Februar angekündigt, dass die Arbeiten an dem Untersuchungsbericht fragwürdiger Geschäftsvorfälle weitgehend abgeschlossen sei. Wann der Bericht aber vorgelegt wird, ist offen. Da halfen auch viele beschwichtigende Worte aus dem Management bisher nichts, dass Wirecards operatives Geschäft stark laufe, von den kritischen Medienberichten nicht betroffen sei und schon bald wieder im Fokus stehen werde.

Wirecard muss viele Unklarheiten und Intransparenzen aufklären



Den Aussagen aus dem Konzern entgegen stehen viele Unklarheiten, nicht zuletzt aufgrund der Kommunikationsstrategie des DAX-Konzerns. Warum zum Beispiel hat Wirecard nie mitgeteilt, dass man den Mitarbeiter, der im Fokus der Vorwürfe illegaler Buchhaltungspraktiken steht, freigestellt hat. Es wäre angesichts der laufenden Untersuchungen ein völlig normaler Vorgang gewesen. Nun, wo die „Financial Times” berichtet hat, dass Wirecard den Kontakt zu dem Mitarbeiter verloren hat, wirkt die Klarstellung des Unternehmens fragwürdig. Das gilt auch für andere Einzelheiten in der „Causa Wirecard”: Warum zum Beispiel sprechen die Behörden in Singapur hartnäckig von Durchsuchungen und Versuchen Wirecards, die Ermittlungen zu behindern, während der Fintech-Konzern sein kooperatives Verhalten mit den Behörden unterstreicht? An der Börse kann man sich derzeit kein sinnvolles Motiv vorstellen, warum die Behörden eine falsche Darstellung der Ermittlungsaktionen wählen sollten.

Das Problem für Anleger hierzulande: Vieles im Fall Wirecard bleibt nicht zu überprüfen, es steht Aussage gegen Aussage. Das hat das Vertrauen in die Aktie untergraben, die derzeit weit unter ihrem Allzeithoch von 199 Euro und auch weit unter dem Niveau von rund 169 Euro steht, das vor dem ersten Bericht in der „Financial Times” zu sehen war. Die größte Hoffnung unter Wirecard Aktionären ist daher, dass der Konzern nun schnell reinen Tisch macht, belastbare Informationen zu den Vorgängen in Asien vorlegt und sich zukünftig transparenter gibt. Dass das starke operative Geschäft, das Wirecard derzeit besonders häufig betont, Anfang April bei der Vorlage der Bilanz für 2018 eventuellen Raum für eine Prognoseerhöhung geben könnte, kommt hinzu.

Auf einem Blick - Chart und News: Wirecard

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