Wirecard Aktie: Das hätte ein richtiges „Schlachtfest” werden können

14.03.2019, 08:25 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Das Verbot von Leerverkäufen seitens der BAFin dürfte gestern ein neues Kursdesaster bei der Wirecard Aktie verhindert haben. Das ändert nichts daran, dass der Fintech-Konzern stärker und stärker unter Druck gerät. Bild und Copyright: Michael Barck / www.4investors.de.

Das Verbot von Leerverkäufen seitens der BAFin dürfte gestern ein neues Kursdesaster bei der Wirecard Aktie verhindert haben. Das ändert nichts daran, dass der Fintech-Konzern stärker und stärker unter Druck gerät. Bild und Copyright: Michael Barck / www.4investors.de.

Gestern zeigten sich bei der Wirecard Aktie zum ersten Mal deutlich die Auswirkungen des Leerverkaufsverbot, das die BAFin im Zuge der Kursturbulenzen bei dem DAX-Wert verhängt hatte - wir berichteten. Erneute Berichte über die fragwürdigen Vorgänge bei den Asien-Aktivitäten der Gesellschaft, die das Vertrauen an der Börse in Wirecard weiter untergruben, brachten den Aktienkurs von Wirecard unter Druck. Hätten die Shortseller freie Hand gehabt, wäre der Tag wohl zu einem erneuten „Schlachtfest” für die Wirecard Aktie geworden. So blieb ein vergleichsweise kleiner Rückschlag auf 117,50 Euro im Tagesverlauf unter moderaten Umsätzen. Mit 118,70 Euro ging die Wirecard Aktie aus dem XETRA-Handel - ein Minus von 6,57 Prozent.

Schon Tags zuvor war der Aktienkurs unter Druck geraten, vor allem aufgrund eines antizyklischen Verkaufssignals. Der neue Bericht der „Financial Times” zu Wirecard kam also - aus Sicht der Leute, die auf fallende Kurse spekulieren - zur richtigen Zeit. Das war auch Ende Januar so, als die Berichte auftauchten, kurz nachdem die Wirecard Aktie einen empfindlichen Rückschlag in der technischen Analyse hinnehmen musste.

Wirecard täte gut daran, schnellstmöglich die Vorgänge in Asien umfassend aufzuklären. Hierzu wäre der immer noch ausstehende Bericht der renommierten Rechtsanwälte von Rajah & Tann das geeignete Instrument. Doch auf diesen wartet die Börse bisher vergeblich. Zwar hatte Wirecard Anfang Februar angekündigt, dass die Arbeiten an dem Untersuchungsbericht fragwürdiger Geschäftsvorfälle weitgehend abgeschlossen sei. Wann der Bericht aber vorgelegt wird, ist offen. Da halfen auch viele beschwichtigende Worte aus dem Management bisher nichts, dass Wirecards operatives Geschäft stark laufe, von den kritischen Medienberichten nicht betroffen sei und schon bald wieder im Fokus stehen werde.

Wirecard muss viele Unklarheiten und Intransparenzen aufklären


Den Aussagen aus dem Konzern entgegen stehen viele Unklarheiten, nicht zuletzt aufgrund der Kommunikationsstrategie des DAX-Konzerns. Warum zum Beispiel hat Wirecard nie mitgeteilt, dass man den Mitarbeiter, der im Fokus der Vorwürfe illegaler Buchhaltungspraktiken steht, freigestellt hat. Es wäre angesichts der laufenden Untersuchungen ein völlig normaler Vorgang gewesen. Nun, wo die „Financial Times” berichtet hat, dass Wirecard den Kontakt zu dem Mitarbeiter verloren hat, wirkt die Klarstellung des Unternehmens fragwürdig. Das gilt auch für andere Einzelheiten in der „Causa Wirecard”: Warum zum Beispiel sprechen die Behörden in Singapur hartnäckig von Durchsuchungen und Versuchen Wirecards, die Ermittlungen zu behindern, während der Fintech-Konzern sein kooperatives Verhalten mit den Behörden unterstreicht? An der Börse kann man sich derzeit kein sinnvolles Motiv vorstellen, warum die Behörden eine falsche Darstellung der Ermittlungsaktionen wählen sollten.

Das Problem für Anleger hierzulande: Vieles im Fall Wirecard bleibt nicht zu überprüfen, es steht Aussage gegen Aussage. Das hat das Vertrauen in die Aktie untergraben, die derzeit weit unter ihrem Allzeithoch von 199 Euro und auch weit unter dem Niveau von rund 169 Euro steht, das vor dem ersten Bericht in der „Financial Times” zu sehen war. Die größte Hoffnung unter Wirecard Aktionären ist daher, dass der Konzern nun schnell reinen Tisch macht, belastbare Informationen zu den Vorgängen in Asien vorlegt und sich zukünftig transparenter gibt. Dass das starke operative Geschäft, das Wirecard derzeit besonders häufig betont, Anfang April bei der Vorlage der Bilanz für 2018 eventuellen Raum für eine Prognoseerhöhung geben könnte, kommt hinzu.

Technische Analyse: Wirecard Aktie ohne signifikante Impulse


Bleibt der Blick auf die Charttechnik der Wirecard Aktie: Der Versuch, den zuvor wieder unterschrittenen starken charttechnischen Signalbereich zwischen 123,40/124,10 Euro und 128,80 Euro wieder zu überwinden, schlug gestern klar fehl. Das Tageshoch der Wirecard Aktie vom Mittwoch bei 125,40 Euro liegt inmitten des Kern-Widerstandsbereichs, der sich bei 124,40/126,20 Euro findet. Weitere Verkaufssignale wurden im gestrigen Handel bei Wirecards Aktienkurs aber nicht verzeichnet: Eine charttechnische Unterstützungsmarke bei 114,40/115,50 Euro wurde bisher nicht ernsthaft gefährdet.

Auf einem Blick - Chart und News: Wirecard





All Right Reserved by minimalthemes - ©2018 Stoffels & Barck GbR