EZB macht Nägel mit Köpfen - Commerzbank Kolumne

Die gestrigen Neuigkeiten der EZB zur zukünftigen Geldpolitik haben an der Börse für reichlich Bewegung gesorgt: Einige Börsianer wurden schlicht überrascht, die Kurse vor allem im Finanzsektor kamen unter Druck. Bild und Copyright: Ewais / shutterstock.com.

Die gestrigen Neuigkeiten der EZB zur zukünftigen Geldpolitik haben an der Börse für reichlich Bewegung gesorgt: Einige Börsianer wurden schlicht überrascht, die Kurse vor allem im Finanzsektor kamen unter Druck. Bild und Copyright: Ewais / shutterstock.com.

Nachricht vom 08.03.2019 08.03.2019 (www.4investors.de) - Die Europäische Zentralbank richtet als Reaktion auf den Konjunkturabschwung ihre Geldpolitik künftig expansiver aus. Zwei Maßnahmen haben gestern die Märkte bewegt: Zum einen hat sie ihre „Forward Guidance“ geändert. Die EZB avisiert nun, den Leitzins bis zum Jahresende unverändert zu lassen (bislang: „bis über den Sommer“). Eine Anpassung in diese Richtung war von vielen Beobachtern erwartet worden. Auch an den Finanzmärkten war eine Zinserhöhung vor der Sitzung nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von unter 20% eingepreist. Des Weiteren wird die EZB Ende September eine Serie von neuen zielgerichteten, langfristigen Krediten für Banken (TLT-RO =Targeted Longer-Term Refinancing Operations). beginnen. Dies ist die dritte Serie (TLTRO-III). Sie endet im März 2021. Die Laufzeit der Tender ist jeweils zwei Jahre. Damit können sich die Banken bis zum März 2023 refinanzieren. Beim TLTRO-II betrug die Laufzeit jeweils vier Jahre. Die neuen Tender sollen die Geldpolitik glätten. Da die Gelder aus dem TLTRO-II wegen der kurzen Restlaufzeit nach den Regeln der Finanzaufsicht nicht mehr als langfristige Finanzierung gelten, haben die Banken einen Anreiz die Mittel zurückzugeben. Damit dies die Kreditvergabe nicht negativ beeinflusst, hat die EZB gestern eine Neuauflage beschlossen. Zudem hat die EZB ihre Projektionen an die schwachen Konjunkturdaten angepasst: Für 2019/2020/2021 erwartet sie ein Wachstum von 1,1%/1,6%/1,5%. Auch ihre Inflationserwartungen hat die ECB auf 1,2%/1,5%/1,6% (bislang: 1,6%/1,7%/1,8%) gesenkt. Damit wäre die Inflation auch 2021 noch klar vom Inflationsziel entfernt.

Anleihen


Japan: Bruttoinlandsprodukt (4. Quartal), 0:50 Uhr
Deutschland: Auftragseingänge Industrie (Jan.), 8 Uhr
Frankreich: Industrieproduktion (Jan.), 8:45 Uhr
Italien: Industrieproduktion (Jan.), 10 Uhr
USA: Arbeitsmarktdaten (Feb.), 14:30 Uhr

In Erwartung einer geldpolitischen Lockerung der EZB konnten Anleihen schon vor der EZB-Sitzung Kursgewinne verzeichnen. Die Annahmen wurden dann auch bestätigt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ging dementsprechend deutlich zurück und erreichte ein neues Jahrestief bei 0,062%. Besonders kräftig reagierte der Euro. Er verlor gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich über 1% und fiel unter die Marke von 1,12 US-Dollar je Euro. Die Europäische Zentralbank überraschte mit einem umfang-reichen Maßnahmenpaket und reagierte damit auf die sich stark eingetrübten Konjunkturaussichten. Die Leitzinsen sollen jetzt bis mindestens Ende 2019 unangetastet bleiben (bisherige Formulierung „über den kommenden Sommer hinaus“). Zudem beschloss die EZB, den Banken des Euroraums neue Langfristkredite zur Verfügung stellen. Diese neuen Geldspritzen werden ab September 2019 bis März 2021 angeboten mit einer jeweiligen Laufzeit von zwei Jahren. Die Projektionen für Konjunktur und Inflation für die kommenden drei Jahre wurden gesenkt (siehe „Im Blickpunkt“). Der Euroraum hat im Schlussquartal 2018 seinen moderaten Wachstumskurs wie erwartet fortgesetzt und zwar mit 0,2% Q/Q. Im Gesamtjahr 2018 betrug das BIP-Wachstum 1,8% und war somit spürbar schwächer als im Vorjahr mit 2,4%. Heute früh überraschten die Auftragseingänge der deutschen Industrie mit einem deutlichen Rückgang von 2,6% im Januar im Vergleich zum Vormonat negativ (-3,9% J/J). Aufgrund von nachgemeldeten Großaufträgen wurden die Dezemberdaten von -1,6% auf +0,9% (M/M) nach oben revidiert.

Aktien


Air France-KLM, Verkehrszahlen

Die europäischen Aktienmärkte tendierten am gestrigen Donnerstag schwächer. Die Sorge, dass sich die globale Konjunktur weiter abschwächen könnte, drückte auf die Kurse. Das IWH (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle) senkte die Wachstumsprognose für Deutschland für 2019 deutlich. Die Entscheidung der EZB, den Leitzins bis Ende 2019 unangetastet zu lassen, beflügelte die Märkte nur kurz. Die Prognosesenkungen der Währungshüter für das Wachstum und die Inflation lastete nachmittags auf den Börsen. Zyklische Werte hatten es in diesem Umfeld recht schwer. So verlor beispielsweise die Aktie von ThyssenKrupp 3,4% und erzielte ein neues Jahrestief. Die Automobilwerte standen ebenfalls unter Druck, teilweise auch infolge negativer Analystenkommentare und Votenherabstufungen wie bei Daimler und BMW. Die Aktie von Continental verlor 1,8%, obwohl das Unternehmen trotz eines Umsatzrückgangs die Dividende erhöhte. Der Reifenhersteller warnte vor einem insgesamt schwierigen Umfeld, vor allem in China, bestätigte aber seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. In der zweiten Reihe verlor die Aktie von Axel Springer nach Bekanntga-be eines enttäuschenden Ausblicks 6,7%. In diesem Umfeld fiel der Dax um 0,6%. Tagesverlierer war die Aktie der Deutschen Bank (-5,1%), die auch unter den stark fallenden Renditen litt (Vonovia: +3,9%). Auf europäischer Sektorenebene waren insbesondere Versorgeraktien gefragt (+1,9%). Am Ende der Performancerangliste notierten Rohstoffwerte (- 2,2%). Die Börsen in den USA tendierten schwächer. Der Dow Jones-Index verlor 0,8%. Auf Sektorenebene waren Versorgeraktien (+0,3%) gefragt. Dagegen büßten Gebrauchsgüteraktien als Tagesverlierer rd. 1,4% ein. Die Börsen in Asien tendierten zum Wochenschluss schwächer. In China kam es zu kräftigen Gewinnmitnahmen (Schanghai A-Index : -4,4%). Schwache Handelsdaten belasteten. (Redakteur: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter )

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

Exklusiv-Berichte und Interviews aus der 4investors Redaktion:
PfeilbuttonMagForce: 2020 soll der US-Markt erobert werden




Weitere Nachrichten aus der 4investors-Redaktion

21.03.2019 - Zeal Network steigert 2018 Umsatz und Gewinn
21.03.2019 - InTiCa Systems: 2018 bringt Gewinnrückgang
21.03.2019 - SFC Energy: Folgeauftrag für Tochter PBF
21.03.2019 - Berentzen setzt auf Innovationen - Dividende wird erhöht
21.03.2019 - Heidelberg Pharma: „Jahresverlust etwas geringer als prognostiziert”
21.03.2019 - First Sensor peilt 10 Prozent operative Rendite für 2020 an
21.03.2019 - Corestate: Schnidrig fest zum CEO berufen
21.03.2019 - Basler enttäuscht mit dem Ausblick für 2019 - Aktie stürzt ab
21.03.2019 - RIB Software: Auftrag aus dem Eiffage-Konzern
21.03.2019 - MagForce: Fortschritte in Polen


Chartanalysen

21.03.2019 - Wirecard Aktie: Platzt die nächste Bombe?
21.03.2019 - Bayer Aktie: Es kam, wie es kommen musste…
20.03.2019 - Bayer Aktie: Der Monsanto-Crash als Kaufgelegenheit?
20.03.2019 - Wirecard Aktie: Das sieht nicht gut aus!
20.03.2019 - Evotec Aktie: Jetzt! Endlich! Oder doch nicht?
20.03.2019 - Paragon Aktie: Die Luft wird verdammt dünn!
20.03.2019 - Steinhoff Aktie: Weitere deutliche Kursverluste voraus?
20.03.2019 - Mologen Aktie: Ungebremst weiter in Richtung Abgrund?
20.03.2019 - Aixtron Aktie: Kursziel 10 Euro oder neuer Einbruch?
20.03.2019 - Wirecard Aktie: Eine Gelegenheit zum Einstieg?


Analystenschätzungen

21.03.2019 - Fuchs Petrolub: Kaum noch Aufwärtspotenzial
21.03.2019 - BMW: Marge in der Kritik
21.03.2019 - Deutsche Post: Konkurrenz ermöglicht Veränderung
21.03.2019 - H&R: Prognose liegt über dem Konsens
21.03.2019 - Lanxess: Aktie wird hochgestuft
20.03.2019 - Fraport: Dividende überrascht
20.03.2019 - Fuchs Petrolub: Minus macht die Aktie attraktiver
20.03.2019 - Klöckner: Weiter auf Wachstumskurs
20.03.2019 - Bayer: Gerichtsurteil sorgt für Abstufung der Aktie
20.03.2019 - Leoni: Abschied von der Dividende


Kolumnen

21.03.2019 - USA: Fed setzt Zinspause fort bis sich der konjunkturelle Nebel gelichtet hat - Nord LB Kolumne
21.03.2019 - Fed: Zinserhöhungen sind 2019 vom Tisch - VP Bank Kolumne
21.03.2019 - Commerzbank Aktie: Pullback oder Trendwende? - UBS Kolumne
21.03.2019 - DAX: Aufwärtstrend bekommt Gegenwind - UBS Kolumne
21.03.2019 - DAX 30 scheitert zunächst, 200-Tage-Linie deutliche Hürde - Donner & Reuschel Kolumne
20.03.2019 - Erster Börsentag erlaubt keinen Blick in die Zukunft
20.03.2019 - S&P 500 zuletzt mit Dynamik: V-Formation und „die“ 2.800 - Donner & Reuschel Kolumne
20.03.2019 - OPEC+ alternativlos – US-Ölindustrie freut sich - Commerzbank Kolumne
20.03.2019 - EuroStoxx 50: Das neue Verlaufshoch ist da - UBS Kolumne
20.03.2019 - DAX: Knapp vor der Hürde nach unten gedreht - UBS Kolumne

All Right Reserved by minimalthemes - ©2018 Stoffels & Barck GbR