Francotyp-Postalia Holding: „Unsere Ziele sind ambitioniert!“

FP-Vorstandschef Rüdiger Andreas Günther im Interview mit der 4investors-Redaktion. Bild und Copyright: Francotyp-Postalia.

FP-Vorstandschef Rüdiger Andreas Günther im Interview mit der 4investors-Redaktion. Bild und Copyright: Francotyp-Postalia.

Nachricht vom 07.12.2018 07.12.2018 (www.4investors.de) - Bei Francotyp-Postalia Holding stellt man sich neu auf. Man will mit innovativen Produkten schneller, profitabler und nachhaltiger wachsen. Im Exklusivinterview mit der Redaktion von www.4investors.de erläutert FP-Vorstandschef Rüdiger Andreas Günther, wie er dies angeht. Die neuen Perspektiven haben schon manchen Value-Investor angelockt, andere haben FP, so Günther, inzwischen auf dem Radar. Im Gespräch macht Günther auch deutlich, wie er zu weiteren Akquisitionen steht. Seine eigene Planung ist ebenfalls ein Thema im Interview.


www.4investors.de: Francotyp-Postalia hat Mitte November Quartalszahlen publiziert. Sind sie mit den Zahlen zufrieden, was hätte besser laufen können?

Günther:
Nach einem guten Start ins Geschäftsjahr 2018 fielen die Sommermonate etwas schwächer aus. Das ist zwar nicht ungewöhnlich im Q3, aber unser Vertrieb bleibt gefordert, weiter Gas zu geben. Sie dürfen aber eines nicht vergessen: Wir stehen ja gerade erst mitten in der Umsetzung unserer Wachstumsstrategie ACT. Vor nicht einmal zwei Jahren sind wir gestartet. Wir greifen an im Kerngeschäft mit Frankiersystemen, wir entwickeln neue digitale Produkte und Geschäftsmodelle und bauen gleichzeitig das Unternehmen grundlegend um. Inmitten dieses umfassenden Aufbruchs schaffen wir es unverändert, unseren Wettbewerbern Marktanteile abzunehmen, die Anzahl der Maschinen bei Kunden zu steigern und vor allem, unsere Versprechen zu halten. Das zeigen auch die Neunmonatszahlen: Mit allen Kennzahlen liegen wir im Rahmen unserer angekündigten Prognose.

www.4investors.de: Analysten sprechen teils von recht ambitionierten mittelfristigen Zielen für die kommenden Jahre. Was antworten sie darauf?

Günther:
Unsere Ziele sind ambitioniert! Und es freut uns, dass das am Kapitalmarkt auch geschätzt wird. Wir haben uns ja ganz bewusst von unserem Wettbewerb abgesetzt. Anders als wir, sehen die Mitbewerber in ihrem Frankiermaschinengeschäft keine Wachstumsmöglichkeiten mehr. Gerade das sahen und sehen wir als unsere Chance, uns auf diesem oligopolistischen Markt mit guten Margen und Cashflows, hohem Anteil wiederkehrender Umsätze auszubreiten.

Und schon jetzt, nach gerade einmal 20 Monaten, wird deutlich, dass unsere Grundannahmen stimmen, lässt sich zeigen, welche Fortschritte wir mit ACT machen. Kontinuierlich schneiden wir im Kerngeschäft besser ab als der Wettbewerb. Wir setzen auf unsere Stärken: unsere 200.000 Kunden weltweit und unsere Technologie. Mit den Frankiermaschinen drucken wir ja Geld, und unsere geldwerten Datenströme wurden noch nie gehackt. Unsere Kernkompetenzen in Sensorik, Aktorik, Kryptographie und Konnektivität eröffnen uns ungeahnte Chancen. Mit neuen Produkten wie der elektronischen Signatur-Lösung FP Sign und unseren IoT-Gateways treten wir in völlig neue Märkte und Kundenkreise ein. Daran arbeiten wir jetzt, schaffen die Grundlagen für teilweise disruptives Wachstum in den kommenden Jahren.

www.4investors.de: Für das laufende Jahr rechnen sie bisher mit einem leichten Umsatzplus. Das bereinigte EBITDA soll sich ebenfalls leicht verbessern. Stehen sie weiter zu dieser Prognose?

Günther:
Wir haben die Prognose bestätigt, dazu stehen wir. Wie gesagt, wir sind mitten im Umbruch, in der grundlegenden Erneuerung des gesamten Unternehmens! Jetzt, im vierten Quartal, treten wir zum Jahresendspurt an. Wir sehen positive Entwicklungen und Effekte in vielen Bereichen und entfalten jetzt eine zunehmende Dynamik. Das betrifft nicht nur Produktentwicklung und Vertrieb. Auch der Konzernumbau tritt jetzt in die Umsetzungsphase.

www.4investors.de: Wie läuft denn die Umsetzung beim JUMP-Programm?

Günther:
Wir haben dieses Programm sehr sorgfältig vorbereitet. Es geht ja nicht um eine bloße Kostensenkung. Vielmehr stellen wir den gesamten Konzern effizient und schlagkräftig neu auf. Wir beseitigen die bisherige funktionale Aufstellung und bauen eine prozessorientierte Organisation mit flachen Hierarchien und schnellen administrativen Abläufen, die in weltweit zwei Shared Service Centern konzentriert werden. Der internationale Vertrieb wird statt in zehn nationalen Gesellschaften in drei Regionen schlank fokussiert. Die nötige IT-Unterstützung schaffen wir durch Implementierung einheitlicher ERP- und CRM-Systeme weltweit.

Das Programm wird Arbeitsplätze kosten, vor allem in den internationalen Tochtergesellschaften, wir werden aber auch Neueinstellungen vornehmen, in Forschung und Entwicklung, in den Strategie- und Supportfunktionen. Denn das Ziel heißt schnelleres, profitableres, nachhaltiges Wachstum mit innovativen Produkten für unsere Kunden und digitalen Lösungen für neue Märkte.

www.4investors.de: Wie hoch sind die Belastungen, die sich aus diesem Programm für das laufende Jahr ergeben werden?

Günther:
Wir sind in intensiven Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretungen, mit Führungskräften und Mitarbeitern. Die erforderlichen Rückstellungen wollen wir noch in diesem Geschäftsjahr bilden. Wie angekündigt gehen wir davon aus, im Geschäftsjahr 2018 für den Konzernumbau sechs bis acht Millionen Euro Aufwendungen zu tätigen. Im Gegenzug erwarten wir ab 2020 jährliche Ertragsverbesserungen um sechs Millionen Euro. Es ist selbstverständlich Teil des Projekts, diese Annahmen und Ziele in regelmäßigen Abständen zu verifizieren.

www.4investors.de: Ihr Vorstandsvertrag läuft bis Ende 2019. Wie sind ihre Pläne für die Zeit danach?

Günther:
Ich will diese Strategie zum Erfolg führen. Unser Unternehmen steht jetzt mitten im Umbruch, FP ist auf dem Weg zu neuen Dimensionen. Wir haben im Team diese Prozesse angestoßen, treiben sie jetzt planmäßig voran. Es ist auch mein persönlicher Ehrgeiz, die großen neuen Potenziale, die wir bei FP jetzt erschließen, tatsächlich fruchten zu lassen. Ich gehe davon aus, dass die Transformation bei FP ungebrochen fortgesetzt wird.

www.4investors.de: Wie ist denn das Feedback vom Markt? Hat der ihre neue Strategie verstanden?

Günther:
Vielen Marktteilnehmern haben wir aufgezeigt, dass unsere ACT-Strategie uns völlig neue Perspektiven eröffnet. Sie sehen uns längst nicht mehr als einen langweiligen Frankiermaschinenhersteller auf einem schrumpfenden Markt. Eine ganze Reihe von Value-Investoren hat sich in den letzten Monaten bei uns bereits engagiert, andere haben uns auf dem Radarschirm. In dem Maße, wie wir auch Erfolge auf unseren neuen digitalen Geschäftsfeldern vorweisen, in dem Maße werden wir auch weitere Investoren für einen Einstieg bei FP gewinnen.

www.4investors.de: Sie haben jüngst einen amerikanischen Online-Händler für Frankiermaschinenzubehör übernommen. Welche Pläne haben sie mit dem Neuerwerb?

Günther:
Wir gewinnen Marktanteile, weil wir – anders als der Wettbewerb – angreifen im Kerngeschäft. Wir haben den Vertrieb ausgebaut, nutzen unsere vielen Kundenkontakte im Telesales für Cross-Selling und gehen gezielt Kunden an, die derzeit noch Maschinen vom Wettbewerb einsetzen. Da sind Kundenlisten, wie die des erwähnten Onlinehändlers ein ganz zentrales Instrument. Wir nehmen dem Wettbewerb jeden zweiten Stellplatz nach Ende des Leasing-Vertrags ab: ein wichtiger Wachstumshebel.

www.4investors.de: Kürzlich haben sie im Bereich IoT eine Kooperation mit Karberg + Hennemann angekündigt. Dabei geht es um Gateways zur Fernüberwachung von Ölfiltersystemen. Kann aus dieser Kooperation noch mehr entstehen? Schauen sich Mitbewerber ihres Partners die entsprechenden Fortschritte schon an?

Günther:
Unsere Gateways stammen aus dem Kern unserer Frankiermaschinentechnologie. Sie erschließen uns jetzt aber völlig neue Märkte und Kundenkreise. Auf einem rasant wachsenden Markt können wir jetzt Kundenbeziehungen und Vertriebschancen aufbauen, die uns in den kommenden Jahren bei Umsatz und Ertrag überdurchschnittlich voranbringen werden. Die Kunden unserer Partner wie Karberg + Hennemann realisieren jetzt, welche Vorteile sie aus IoT-Lösungen ziehen können – und wie zentral für ihren Erfolg die Sicherheit der Datenübertragung sein wird. Da ist unser Leistungsangebot genau das richtige. Und tatsächlich haben wir erste Kontakte auch zu weiteren Anbietern in diesem speziellen Marktsegment.

www.4investors.de: Welche Branchen halten sie denn für besonders attraktiv?

Günther:
Wir haben bereits solides Know-how, gute Referenzen und hohes Potenzial in solchen Sektoren wie Industrie 4.0 oder im ganzen Umfeld des Energiemanagements, kurz bei der Energiewende. Überall geht es hier um die zentrale Überwachung und effiziente Steuerung dezentraler Anlagen und Maschinen bei hochsicherer Datenübertragung. Genau das ist unser Leistungsangebot, da verschafft uns unsere Technologie Wettbewerbsvorteile und Vertriebschancen.

www.4investors.de: Einen bis 2021 laufenden Konsortialkredit der Gesellschaft konnten sie bis 2023 zu verbesserten Konditionen verlängern und auf 150 Millionen Euro aufstocken. Kann man dies so deuten, dass das Geld für Akquisitionen eingesetzt wird?

Günther:
Der Konsortialdarlehensvertrag bekräftigt unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Banken. Zugleich reflektiert er die positive Unternehmensentwicklung seit 2016. Die Banken unterstützen die weitere Umsetzung der ACT-Strategie. Dabei stehen Akquisitionen vorerst nicht im Mittelpunkt. Wir haben aber stets gesagt, dass wir Akquisitionen nicht ausschließen, den Markt beobachten und geeignete Gelegenheiten gründlich prüfen werden. In diesem Jahr haben wir ja bereits zwei kleinere Zukäufe getätigt, die beide hervorragend in unsere Strategie passen, für die wir einen sehr angemessenen Preis gezahlt haben und die jetzt bereits anfangen, sich bezahlt zu machen.

www.4investors.de: Wo wären weitere Akquisitionen besonders interessant?

Günther:
Jede Akquisition wird genauestens daraufhin geprüft, ob sie in unsere Strategie passt, ob sie zur Erreichung unserer Ziele beiträgt. Und selbstverständlich achten wir darauf, dass die Kosten der Akquisition im Rahmen bleiben. Das vorausgeschickt, liegt es auf der Hand, dass unsere guten Kontakte in die Start-up-Szene durchaus Gelegenheiten eröffnen können. Zum Beispiel besetzen wir mit unseren Gateways die eine Seite der IoT-Wertschöpfungskette – sitzen nahe an der Maschine als der Datenquelle. Aber für die Datennutzung können wir den Kunden noch kein eigenes Angebot machen.

In unserer Vision sagen wir, dass wir unseren Kunden das Leben leichter machen – das ginge mit einer umfassenden End-to-End-Lösung selbstverständlich besser.
In jedem Falle haben wir ja eines angekündigt: In der zweiten Phase unserer Strategie, nach 2020, werden wir gezielt auch ein größeres Akquisitionsziel ansteuern, das unseren digitalen Produkten und Geschäftsmodellen einen deutlichen, zusätzlichen Schub verleiht. Dazu gibt es derzeit aber noch keine konkreten Planungen.

www.4investors.de: In welchen Bereichen sollen im kommenden Jahr Schwerpunkte gesetzt werden?

Günther:
Das Jahr 2019 steht ganz besonders im Fokus. Wir setzen unsere Transformation fort, um zu zeigen, dass unsere Wachstumsstrategie aufgeht. Dazu gehört weiteres, beschleunigtes Umsatz- und Marktanteilswachstum im Kerngeschäft. Dazu gehören aber vor allem messbare Fortschritte beim Markteintritt unserer neuen digitalen Produkte und Geschäftsmodelle – und sicherlich auch ein Anstieg beim Gewinn vor Steuern, nicht nur gegenüber dem ohnehin durch unsere Transformation einmalig beeinflussten Geschäftsjahr 2018 sondern auch gegenüber der Vergangenheit. Wir werden eine neue FP, auch mit neuen Ergebniszielen.

www.4investors.de: Am 24. Januar 2019 werden sie einen Investorentag in Berlin veranstalten. Auf solchen Veranstaltungen werden häufig Neuerungen angekündigt. Was können Anleger bei ihnen erwarten?

Günther:
Wir wollen gleich zu Jahresbeginn, sechs Wochen vor der Veröffentlichung unserer vorläufigen Ergebnisse des Geschäftsjahrs 2018, unseren Investoren erläutern und erfahrbar machen, auf welchen Märkten, mit welchen Strategien und Technologien wir die Ziele unserer Wachstumsstrategie ACT erreichen werden. Insofern werden wir nicht mit Sensationen aufwarten – aber: Wir werden eine eindrucksvolle Darstellung unserer Pläne und unserer Leistungsfähigkeit geben. Wir sind auf dem Weg, unsere ambitionierten Ziele zu erreichen. (Redakteur: Johannes Stoffels)


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