Fed deutet vier weitere Zinserhöhungen bis Ende 2019 an - Commerzbank Kolumne

27.09.2018, 09:50 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Bild und Copyright: Bart Sadowski / shutterstock.com.

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Wie erwartet hat die US-Notenbank (Fed) gestern ihren Leitzins um 25 Bp. in den Korridor von 2,00% bis 2,25% angehoben. Das war die achte Zinserhöhung im aktuellen Zyklus und die dritte in diesem Jahr. Die Fed bekräftigte ihre Einschätzung zur Wirtschaftslage. Der Arbeitsmarkt habe sich weiter gefestigt und die Wirtschaft sei mit hohem Tempo gewachsen. Die Konsum und Investitionsausgaben seien stark expandiert. Die Wachstumsprojektionen wurden für dieses Jahr von 2,8% auf 3,1% deutlich nach oben genommen. Nächstes Jahr erwartet die Fed ein Wachstum von 2,5% und 2020 von 2,0%, die Inflationsprojektionen blieben unverändert.

Die größte Änderung war sicherlich, dass die Fed die aktuelle Geldpolitik nicht mehr als akkomodierend, also als locker, bezeichnete. Das Zinsniveau nähert sich dem neutralen Zins, also dem Niveau bei dem der Zins weder expansiv noch restriktiv wirkt. Sie veranschlagt ihn bei 2,5% bis 3,5%. Die Fed will das Tempo der Zinserhöhungen, dass sie bisher plant, beibehalten. So werden von den Fed-Politikern weiterhin in diesem Jahr noch eine und im nächsten Jahr insgesamt drei Zinserhöhungen erwartet. Erstmals gab die Fed auch einen Zinsausblick für das Jahr 2021, in dem sie sogar eine leichte Zinssenkung andeutet. Fed-Chef Powell unterstrich in der Pressekonferenz die Unabhängigkeit der US-Notenbank und betonte, dass die Fed keine politischen Faktoren berücksichtige. Zudem betonte Powell zeigte sich über die internationalen Handelskonflikte der USA. Die US-Renditen sind nach der Fed-Sitzung leicht gesunken, der US-Dollar konnte dagegen zulegen. Eine Zinserhöhung für De-zember ist so gut wie sicher. Für nächstes Jahr rechnen wir weiterhin nur noch mit zwei Leitzinsanhebungen.

Anleihen


Deutschland: Verbraucherpreise Länder (Sep.), heute
Euroraum: M3-Geldmengenwachstum (Sep.), 10 Uhr
USA: Aufträge langlebiger Güter (Aug.), 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosengeld, 14:30 Uhr
USA: Schwebende Hausverkäufe (Aug.), 16:00 Uhr

Die Rentenhändler mochten sich gestern vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Abend nicht so recht positionieren. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen pendelte kaum verändert um 0,53%.
Wie erwartet, erhöhte die Fed den Leitzins um 25 Basispunk-te auf die neue Spanne von 2,00% bis 2,25%. Von Bedeu-tung ist aber die weitere Vorgehensweise der US-Währungshüter: Wie weit gedenken sie, die Leitzinsen noch zu erhöhen? In ihrer neuesten Zinsprojektion plant die Fed noch eine Anhebung im Dezember um 0,25% und geht für das Jahr 2019 von drei weiteren Zinsschritten und für 2020 von einer Erhöhung (jeweils 0,25%) aus. Damit läge der Leitzins 2020 bei 3,25% bis 3,50% (siehe „Im Blickpunkt“). Die Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen sind bei zehnjährigen Papieren gestern auf den niedrigsten Stand seit Ende August gesunken. Mit 226 Basispunkten lagen sie aber immer noch doppelt so hoch wie beim Jahrestief im April. Der Markt reagierte damit auf Aussagen des italienischen Finanzministers Tria in den aktuellen Haushaltsverhandlungen, dass Italien weiterhin am Schuldenabbau festhalten wolle. Trotz Schuldenabbaus scheint Tria das vom Koalitionspartner Fünf-Sterne geforderte Grundeinkommen im Haushaltsplan unterzubringen. Somit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Fünf-Sterne-Fraktion dem Haushalt zustimmt. In den USA legte die Zahl der Neubauverkäufe im August um 3,5% gegenüber Juli auf annualisiert 629.000 Einheiten zu. Der Vormonat wurde aber leicht nach unten revidiert. Der Aufwärtstrend hat sich zwar abgeschwächt, bleibt aber intakt.

Aktien


Hella, Ergebnis Q1
Hennes & Mauritz, Ergebnis Q3
Tui, Buchungs-Update

Die europäischen Aktienmärkte tendierten zur Wochenmitte uneinheitlich. Die Leitindizes wiesen bis auf Frankreich und die Schweiz (jeweils +0,6%) nur recht geringe Veränderungen auf. Vor der US-Notenbanksitzung hielten sich offenbar viele Investoren bedeckt, obwohl die allermeisten mit einer weiteren Leitzinsanhebung rechnen. In diesem Umfeld gewann der Dax 0,1%. Die jüngst recht stark unter Druck stehenden Automobilwerte gehörten vormittags erneut zu den Tagesverlierern, bevor sich die Kurse spürbar von den Tagestiefständen lösten und gegen Handelsschluss sogar noch ins Plus drehten (Volkswagen: +0,5%; Daimler: +0,2%). Die Nachricht, dass Daimler-Chef Zetsche im Frühjahr 2019 vorzeitig vom Entwicklungschef Källenius abgelöst wird, sorgte nur kurz für Kursdruck. Viel wichtiger sind nach wie vor die Themen Handelsstreit (USA/China/Europa) sowie die Auswirkungen des Dieselskandals und möglicherweise weitere Fahrverbote in deutschen Großstädten, die tendenziell die Stimmung belasten. Gesucht waren dagegen v.a. Versorgerwerte (RWE: +2%; Eon: +1,2%). In Europa führten auf Sektorenebene Werte aus dem Bereich Reise und Freizeit die Performancerangliste an; sie kletterten im Schnitt um 0,8%. Am Ende lagen dagegen Rohstofftitel, die durchschnittlich 1% einbüßten. Die Börsen in den USA tendierten nach der Entscheidung der US-Notenbank, den Leitzins abermals zu erhöhen, etwas schwächer. Der Dow Jones-Index gab um 0,4% nach, wobei die Verluste erst in der letzten Handelsstunde aufliefen. Auf Sektorenebene (S&P 500) waren vor allem Telekomwerte gesucht, die im Schnitt um 0,4% zulegten. Finanztitel verloren dagegen im Schnitt 1,3%. Die negativen Vorgaben aus den USA führten heute Morgen auch in Asien vielerorts zu Gewinnmitnahmen. Der Nikkei 225-Index gab um 1% nach.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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