Ringmetall: „Wer fliegen will, muss aber erst mal richtig Laufen lernen“

Bild und Copyright: Ringmetall.

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Nachricht vom 17.08.2018 17.08.2018 (www.4investors.de) - Mit dem frischen Geld aus der aktuellen Kapitalerhöhung will Ringmetall weiter wachsen. Im Exklusivinterview mit der Redaktion von www.4investors.de erläutert Ringmetall-Vorstand Christoph Petri, auf welche Art das Wachstum erfolgen soll. Schwerpunkte von Akquisitionen können Südamerika und Südostasien sein. Petri berichtet in dem Gespräch, wie man die Ziele bis 2021 erreichen will. Er spricht auch darüber, was ein Handelskrieg für sein Unternehmen bedeuten könnte. Das wirtschaftliche Sorgenkind Türkei ist ebenfalls ein Thema im Interview mit Christoph Petri.


www.4investors.de: Schon Ende April haben Sie eine mögliche Kapitalerhöhung begleitend zum Wechsel in den General Standard angekündigt. Erst Ende Juli ist diese dann auch in die Wege geleitet worden. Was hat für die lange Wartezeit gesorgt?

Petri:
Der zeitliche Verzug steht in engem Zusammenhang mit der Erstellung unseres Wertpapierprospekts und war durchaus so vorhersehbar. Gemäß den gesetzlichen Vorgaben waren wir dazu verpflichtet, den Kapitalmarkt bereits im Rahmen der Prospekterstellung über die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung zu informieren. Die Erstellung eines Wertpapierprospekts ist leider kein Projekt, das sich über Nacht umsetzen lässt. Nach Billigung des Prospekts durch die BaFin Ende Juli haben wir dann umgehend den Beginn der Transaktion bekannt gegeben.

www.4investors.de: Wäre mit einer Marktkapitalisierung im niedrigen dreistelligen Millionenbereich nicht auch der Prime Standard eine mögliche Heimat für die Ringmetall-Aktie gewesen? Was hat den Ausschlag für den General Standard gegeben?

Petri:
Mit dem Wechsel in den General Standard haben wir einen weiteren wichtigen Schritt im Reifeprozess der Ringmetall AG erfolgreich umgesetzt. Wer fliegen will, muss aber erst mal richtig Laufen lernen. Wir sind im Freiverkehr gestartet und haben uns dann als Mitglied der ersten Stunden für einen Wechsel in das Wachstumssegment Scale entschieden. Parallel dazu haben wir unsere Rechnungslegung auf den internationalen Standard IFRS umgestellt, um im Anschluss die Erstellung unseres Wertpapierprospekts erfolgreich bewerkstelligen zu können. Mit dem Wechsel in den geregelten Markt und den General Standard ist unser Unternehmen nun erwachsener geworden. Das soll aber nicht heißen, dass wir uns mit diesem Entwicklungsschritt schon abschließend zufriedengeben würden. In den kommenden Jahren werden wir unsere internen Reporting Systeme weiter professionalisieren und uns fit für den Prime Standard machen.

www.4investors.de: Mit welchen konkreten Zukäufen ist in den weiteren Wochen und Monaten dieses Jahres zu rechnen, für die Sie die Kapitalerhöhung als Finanzierung nutzen wollen?

Petri:
Wie Sie wissen werden, sind Akquisitionen ein elementarer Bestandteil unserer Equity Story. Wir haben in den letzten Jahren in zahlreichen Transaktionen bewiesen, dass wir Unternehmenszukäufe zügig umsetzen und erfolgreich in unsere Gruppe integrieren können. Und wie bereits kommuniziert planen wir im laufenden Jahr noch Zukäufe. Da wir regelmäßig mit einer Reihe vielversprechender Unternehmen in engem Kontakt stehen, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir in der zweiten Jahreshälfte noch den ein oder anderen Vollzug werden vermelden können. Aus regionaler Sicht schauen wir uns aktuell vor allem auf den südamerikanischen und den südostasiatischen Märkten um. Aber wir fassen auch Zukäufe ins Auge, mit denen wir unser Produktportfolio noch ausweiten können.

www.4investors.de: Welche Planungen verfolgen Sie über das Jahr 2018 hinaus in Sachen Zukäufe und Wachstumsziele? Wo sehen Sie die Entwicklungspotenziale für Ringmetall?

Petri:
Bis 2021 wollen wir die Umsatzschwelle von 200 Millionen Euro überschritten haben. Da wir für das laufende Jahr mit Umsätzen zwischen 107 Millionen Euro und 112 Millionen Euro rechnen und unser durchschnittliches organisches Wachstum bei drei Prozent bis fünf Prozent liegt, impliziert das Zukäufe von rund 75 Millionen Euro im Umsatzvolumen. Und das halten wir auch im aktuellen Kapitalmarktumfeld für gut realisierbar. Gleichzeitig dürfen sich unsere Investoren trotz der heiß laufenden M+A-Märkte sicher sein, dass wir Zukäufe ausschließlich auf gewohnt konservativen Bewertungsniveaus tätigen werden. Und die Chancen dafür stehen auch weiterhin sehr gut. Wir haben über Jahre bewiesen, dass wir nach Akquisitionen eben nicht in Private-Equity-Manier versuchen, die Renditen unserer neuen Tochtergesellschaften so schnell wie möglich zu maximieren und dafür tiefe Einschnitte in den Unternehmen vornehmen. Ganz im Gegenteil. Bei Ringmetall sollen sich unsere Mitarbeiter genauso auf unsere Loyalität verlassen können, wie wir uns auf die ihre verlassen dürfen. Wir investieren deutlich in die Zukunft unserer Konzerngesellschaften. Mit diesem nachhaltigen Ansatz der Unternehmensführung punkten wir vor allem bei ethisch verantwortungsvollen Verkäufern, denen das weitere Wohlergehen der Mitarbeiter mehr am Herzen liegt als die Maximierung des eigenen Profits.

www.4investors.de: Bereitet Ringmetall der steigende internationale Protektionismus, insbesondere der beginnende Handelskrieg zwischen den USA und China, in dem ja immer wieder die Stahl- und Automobilbranche im Fokus stehen, operativ Probleme?

Petri:
Ein Handelskrieg war noch nie eine gute Idee und wir hoffen natürlich, dass wir letztendlich alle von einer solchen Entwicklung verschont bleiben. In einem Worst-Case-Szenario würden wir jedoch aufgrund unserer aktuellen Strukturen noch vergleichsweise glimpflich davonkommen. In der Regel laufen bei Ringmetall Einkauf, Produktion und Verkauf innerhalb fest definierter Regionen und innerhalb derselben Währung ab. Ein grenz- oder währungsüberschreitender Handel mit unseren Produkten ist daher eher eine Seltenheit. Aufgrund dieser Translationseffekte würden wir also auch bei stärkeren Währungsschwankungen nicht in die Verlustzone abgleiten. Aus der aktuellen Situation ergeben sich für uns also keine besonderen operativen Probleme. Aber klar ist auch, dass weltweite rezessive Tendenzen infolge eines ausgewachsenen Handelskrieges auch für Ringmetall Umsatzrückgänge zur Folge haben würde. Aber auch auf derartige Szenarien sind wir ausreichend vorbereitet. Eine akute Bedrohung kann sich daher für unser Unternehmen nicht ergeben.

www.4investors.de: Der US-Präsident attackiert die EU-Staaten und insbesondere Deutschland in Wirtschaftsfragen immer wieder. Bringt die politische Lage mögliche Schwierigkeiten bei Zukäufen oder den operativen Aktivitäten in den USA für Ringmetall?

Petri:
Seit dem Zukauf von Self Industries Ende 2015 ist Ringmetall mit eigenen Produktionsstandorten in den USA vertreten. Das Geschäft läuft sehr gut und unsere Tochtergesellschaft ist kerngesund. Wie bereits dargelegt, kaufen wir in US-Dollar ein, produzieren in US-Dollar und verkaufen in US-Dollar. Wir schaffen fair bezahlte Arbeitsplätze in den USA und zahlen Steuern in den USA. Aus diesem Grund haben weltpolitische Spannungen wenig bis gar keinen Einfluss auf unser operatives Geschäft.

www.4investors.de: Ein wirtschaftliches Sorgenkind ist die Türkei: Wie wollen Sie dort weiter vorgehen?

Petri:
In der Tat betrachten wir die politischen und gesamtwirtschaftlichen Tendenzen in der Türkei mit Sorge und behalten die aktuellen Entwicklungen daher ganz genau im Auge. Zum aktuellen Zeitpunkt halten wir in der Türkei aber die Stellung. Der Markt ist ein wichtiges Eintrittstor nach Asien und wir werden hier ausharren, so lange es eben wirtschaftlich noch sinnvoll ist. Wir haben uns jedoch bereits Anfang 2018 auf das Schlimmste vorbereitet und unseren Immobilienbestand – also unsere bisherige Produktionsstätte – verkauft, bevor sich hieraus ein Verlust für uns hätte ergeben können. Seitdem produzieren wir in angemieteten Räumlichkeiten. Notfalls wäre also für uns auch eine komplette Standortverlagerung in ein anderes Land der Region ohne größeren finanziellen Aufwand zu bewerkstelligen. Aktuell steht dies jedoch nicht zur Diskussion. In der Türkei produzieren und verkaufen wir in Landeswährung, unseren Stahl müssen wir jedoch wie jeder andere in US-Dollar beziehen. Das ist durchaus nicht unproblematisch. Der Verfall der türkischen Lira schmerzt uns aber hauptsächlich, da wir in Euro gerechnet schlichtweg weniger Umsatz und Gewinn machen. Verluste müssen wir aufgrund unserer Strukturen dennoch nicht befürchten. Ringmetall ist eben ein grundlegend konservativ ausgerichtetes Wachstumsunternehmen. (Redakteur: Michael Barck)


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