PANTAFLIX AG: „Völlig entkoppelt vom Wachstum der Gesellschaft“

02.07.2018, 09:40 Uhr - Autor: Redaktion 4investors  Redaktion 4investors auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

PANTAFLIX-CEO Stefan Langefeld stellt sich den Fragen der 4investors-Redaktion. Bild und Copyright: PANTAFLIX.

PANTAFLIX-CEO Stefan Langefeld stellt sich den Fragen der 4investors-Redaktion. Bild und Copyright: PANTAFLIX.

Stark unter Druck stand zuletzt die Aktie des Münchner Medienkonzerns PANTAFLIX AG. Im Exklusiv-Doppelinterview mit der Redaktion von www.4investors.de nehmen PANTAFLIX-CEO Stefan Langefeld und sein Vorgänger Dan Maag, Managing Director bei der PANTAFLIX-Tochter Pantaleon Films, Stellung zu dem im April erfolgten Vorstandswechsel, zur aktuellen Entwicklung der Video-on-Demand-Plattform (VoD)-Plattform und zu kritischen Stimmen bezüglich mangelnder Transparenz. Während das Produktionsgeschäft weiter auf Hochtouren läuft und der Drehbeginn der ersten internationalen Großproduktion ansteht, will PANTAFLIX mit der Veröffentlichung ausgewählter KPIs im weiteren Jahresverlauf auch das Wachstum des VoD-Geschäfts verdeutlichen. Im Namen von Großaktionär BlackMars kündigt Gründer Dan Maag den Rückkauf von PANTAFLIX-Aktien an.

www.4investors.de: Herr Langefeld, starten wir mit einem Blick auf den Aktienchart: Gegenüber dem Jahreshoch bei knapp 215 Euro hat die PANTAFLIX-Aktie rund 70 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Gründe für diesen rasanten Kursrutsch?

Langefeld:
Operativ entwickelt sich die PANTAFLIX AG exzellent und wir konnten für das vergangene Geschäftsjahr Rekordzahlen vorlegen. Die Gesamtleistung in Höhe von 41,5 Millionen Euro entspricht einem Zuwachs von rund 166 Prozent und macht uns zu einem der am schnellsten wachsenden europäischen Medienunternehmen. Gleichzeitig konnten wir unser operatives Ergebnis (EBITDA) von 9,2 Millionen Euro im Vorjahr auf 17,7 Millionen Euro fast verdoppeln. Das extrem hohe Wachstum unserer Gesellschaft kann man auch an der Bilanzsumme ablesen, die sich von 18,07 Millionen Euro um 27,94 Millionen Euro auf 46,01 Millionen Euro erhöht hat. Die Entwicklung an der Börse ist der Tatsache geschuldet, dass wir in unserem VoD-Bereich bisher keine Zahlen veröffentlicht haben. Dies öffnete Raum für negative Spekulationen, die allerdings jeder Grundlage entbehren und die Entwicklung am Kapitalmarkt vom tatsächlichen Wachstum der Gesellschaft völlig entkoppelt haben.

www.4investors.de: Ist die PANTAFLIX-Wachstumsstory noch intakt? Oder geht Ihnen bald das Geld aus?

Langefeld:
Die operative Wachstumsstory nimmt gerade erst Fahrt auf, wir befinden uns ja immer noch in einer sehr frühen Wachstumsphase. Mit unserer Video-on Demand-Plattform PANTAFLIX positionieren wir uns mit einem einzigartigen Produkt in einem der spannendsten Marktumbrüche, den die Unterhaltungsindustrie je erlebt hat. Gleichzeitig gibt uns unser ebenfalls schnell wachsendes Produktionsgeschäft und unsere prall gefüllte Kasse den Spielraum für künftiges Wachstum ohne finanzielle Engpässe. Wie wir erst kürzlich in unserem Geschäftsbericht veröffentlicht haben, verfügten wir zum Bilanzstichtag 2017 über Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände in Höhe von 13,5 Millionen Euro, hinzu kommt ein Kassenbestand von 17,1 Millionen Euro. Wir waren finanziell nie besser aufgestellt und verfügen über alle Mittel, um unsere selbst gesteckten ambitionierten Ziele aus eigener Kraft zu erreichen.

Wechsel an der Konzernspitze „logischer Schritt“


www.4investors.de: Im Vorstand haben Sie im April die Führung übernommen, Ihr CEO-Vorgänger Dan Maag verantwortet als Geschäftsführer und Managing Director der Tochter Pantaleon Films gemeinsam mit Ihrem Vorstandskollegen Nicolas Paalzow die Produktionstätigkeiten der Gruppe. Warum der Wechsel an der Konzernspitze?

Langefeld:
Der Wechsel ist ein logischer Schritt in der Entwicklung der Gesellschaft. Dan Maag hat als visionärer Unternehmer und weltweit vernetzter Filmproduzent das Unternehmen aufgebaut und in seine heutige Form gebracht. Er hat vor wenigen Jahren mit null Mitarbeitern angefangen, im letzten Geschäftsjahr haben wir durchschnittlich 154 Mitarbeiter beschäftigt. Waren in der Vergangenheit die strategischen Entscheidungen eher im Bereich der Filmproduktion angesiedelt, verschiebt sich mit der VoD-Plattform PANTAFLIX das gesamte Geschäft hin zu einem digitalen technologiegetriebenen Unternehmen und liegt damit vollständig in meinem Kompetenzbereich. Um unseren Konzern nun in die nächste Dimension der Unternehmensentwicklung zu katapultieren, haben wir die Humanressourcen neu allokiert. Dass jeder in einem schnell wachsenden Konzern wie der PANTAFLIX AG das machen muss, was er am besten kann, bildet die Basis für den Wechsel an der Spitze, der nun erfolgreich vollzogen wurde.

www.4investors.de: Welche Erfahrungen können Sie als ehemaliger Apple-Manager gewinnbringend einbringen?

Langefeld:
In meinen fast zehn Jahren in Führungspositionen bei Apple habe ich nicht zuletzt in meiner Funktion als iTunes Head of TV and Movies Central and Eastern Europe alle operativen Themen erfolgreich bewältigt, an denen wir gegenwärtig auch mit PANTAFLIX arbeiten. Zu den Projekten, für die ich bei Apple verantwortlich war, zählte unter anderem der Launch von iTunes Video in den deutschsprachigen Märkten in Europa und in mehr als 50 bedeutenden Märkten wie Indien, Afrika, Russland, der Türkei und dem Mittleren Osten. Die dort gewonnenen Erkenntnisse und mein dadurch erlangtes weltweites Netzwerk sind ein reicher Schatz, den ich nun gewinnbringend bei PANTAFLIX einbringe und der auch eine der Grundlagen für unseren Erfolg ist.

www.4investors.de: Herr Maag, wie leicht ist es Ihnen gefallen, als Gründer und Vorstandschef ins zweite Glied zu rücken?

Maag:
Überraschend leicht, da es sich durch die flachen Hierarchien des Konzerns auch nicht nach einer Position im „zweiten Glied“ anfühlt. Durch meine Fokussierung auf den Bereich Produktion, in dem ich operativ am stärksten bin und die meiste Erfahrung mitbringe, können wir als Gruppe noch diversifizierter wachsen. Dass wir hier gerade mit den ersten internationalen Großprojekten im Bereich Kino beginnen, ist ein großartiger Erfolg und zeigt, dass der Wechsel an der Spitze auch den Produktionsbereich beflügelt hat. Dass Stefan Langefeld mit all seiner Erfahrung und seiner Kompetenz jetzt den VoD-Bereich verantwortet, ist ein Geschenk für die Gesellschaft. Er ist derjenige, der das Unternehmen zu einem bedeutenden globalen Player im Bereich VoD machen wird.

www.4investors.de: Gab es auch Differenzen über die weitere strategische Ausrichtung der PANTAFLIX Gruppe?

Maag:
Da unsere Erfahrungen sehr komplementär sind, gab es hier in der Vergangenheit keinerlei Differenzen. Der Weg ist ja auch klar abzusehen – mit der VoD-Plattform PANTAFLIX positionieren wir uns erfolgreich in einer Nische, welche die etablierten Anbieter wie Netflix oder Amazon nicht adressieren können. Es geht um die 250 Millionen Menschen, die aktuell nicht in ihren Heimatländern leben und keine Möglichkeit haben, besondere Film- und TV-Inhalte aus ihrem Heimatmarkt legal zu sehen. Dass diese Nische einen milliardenschweren Markt darstellt, den wir erfolgreich adressieren können, sorgt für eine klare strategische Fokussierung, auf die Vorstand und Management gleichermaßen eingeschworen sind.

www.4investors.de: Was dürfen wir vom Produktionsgeschäft in den nächsten Quartalen erwarten? Wie gut ist Ihre Pipeline gefüllt?

Maag:
Das Produktionsgeschäft läuft weiter auf Hochtouren und wächst enorm. In Kürze werden wir den Drehbeginn unserer ersten internationalen Großproduktion veröffentlichen können, dem mit Abstand bedeutendsten Projekt in unserer Unternehmenshistorie. Die Pipeline ist weiter prall gefüllt und wird auch in den kommenden Jahren einen soliden Beitrag zum Unternehmenswachstum beitragen können.

www.4investors.de: Herr Maag, gemeinsam mit Matthias Schweighöfer und Marco Beckmann stehen Sie hinter dem PANTAFLIX-Großaktionär BlackMars. Wie viele Aktien hält die Blackmars derzeit noch an der PANTAFLIX AG und welche Pläne haben sie mit diesem Anteil?

Maag:
Die BlackMars ist unverändert Großaktionärin der PANTAFLIX AG und beabsichtigt dies auch zu bleiben. Wir sind als Gründer nach wie vor die größten Fans unseres Unternehmens und wissen das beachtliche Potenzial der Gesellschaft einzuschätzen. Der BlackMars-Anteil an der PANTAFLIX AG hat sich neben der Verwässerung durch Kapitalmaßnahmen und einer Umplatzierung im Sommer letzten Jahres durch die Bereitstellung von Aktienpaketen für das Management und die neuen Vorstandsmitglieder wie Stefan Langefeld und den ehemaligen Sat1- und ProSieben-Chef Nicolas Paalzow auf unter 50 Prozent reduziert. Diese Aktien sind zwar nicht mehr im Bestand der BlackMars, können aber auch nicht dem Freefloat zugeordnet werden, da sie bei Management und Vorständen liegen, die mit uns neben einer langfristigen Halteabsicht die positive Einschätzung des Zukunftspotenzials der Gesellschaft teilen. Die BlackMars steht also auch weiterhin der Gesellschaft als verlässlicher Großaktionär zur Seite.

Großaktionär BlackMars will PANTAFLIX-Aktien kaufen


www.4investors.de: Demnach müssen PANTAFLIX-Aktionäre keine Aktienverkäufe aus dieser Richtung befürchten?

Maag:
Das Gegenteil ist der Fall. Die aus unserer Sicht sehr günstige Bewertung sorgt dafür, dass wir gegenwärtig beabsichtigen, die von uns im Sommer letzten Jahres platzierten Aktien wieder über den Markt zurück zu erwerben. Natürlich haben wir als Gründer einen ganz anderen Bezug zur PANTAFLIX im Kontrast zu außenstehenden Aktionäre. Wir sind vom großen Potenzial überzeugt, daher arbeiten wir auch von Seiten der BlackMars alle gemeinsam an diesem Thema. Dass wir unserer Überzeugung folgen und unseren Anteil wieder hochfahren, ist insofern nur konsequent.

www.4investors.de: Herr Langefeld, kommen wir zurück auf die VoD-Plattform zu sprechen. Beobachter bemängeln die geringe Transparenz in diesem Bereich. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?

Langefeld:
Ich sehe das grundlegend anders. Wir sind Angreifer im bedeutendsten Wachstumsmarkt der globalen Unterhaltungsbranche. Wir haben aus eigener Kraft und ohne die Hilfe und der daraus folgenden möglichen Abhängigkeit eines etablierten Konzerns in diesem Sektor eine einzigartige Plattform entwickelt, die über Eigenschaften und Möglichkeiten verfügt, die kein anderer Wettbewerber weltweit anbieten kann. Wir haben eine Infrastruktur erschaffen, die es uns ermöglicht, Petabytes an Filmen direkt an Konsumenten weltweit zu kommerzialisieren. Und das mit einer hochleistungsfähigen Streaming-Technologie für den Abruf auf den unterschiedlichen Devices, Apps, Smart-TVs, einem digitalen Rechtemanagement, das übrigens von den Hollywood-Studios überprüft und zertifiziert wurde, und einem automatisierten Accounting-System, das alle internationalen Zahlungsströme einschließlich der lokalen Steuern und Auszahlungen automatisiert behandelt. Die Plattform selbst ist zu einem wesentlichen Asset des Konzerns herangereift, das sich weder in unserer Bilanz wiederfindet noch vom Kapitalmarkt aktuell angemessen bewertet wird.

www.4investors.de: Wann werden Sie konkrete KPIs veröffentlichen?

Langefeld:
Wir sind nun dabei, unsere Plattform auf eigene Faust und aus eigener Kraft global zu kommerzialisieren. Dass es sich hierbei nicht um einen Sprint, sondern eher um einen Marathon handelt, kann sich sicherlich jeder vorstellen. Dass wir mit unserer Plattform auch unter genauer Beobachtung der Wettbewerber stehen, dürfte auch jedem klar sein. Als börsennotiertes Unternehmen sind wir bereits sehr exponiert und der Ruf nach KPIs ist entsprechend verständlich. Doch nun in dieser frühen Phase bereits KPIs zu veröffentlichen, halte ich für das operative Geschäft für absolut kontraproduktiv. Dies macht erst in einer Größendimension Sinn, wenn man sich selbst als Übernahmeobjekt positionieren will. Dies sehe ich in unserem Fall erst in zwei bis drei Jahren. Nichtsdestotrotz beabsichtigen wir noch im laufenden Jahr die erstmalige Veröffentlichung ausgewählter KPIs, um dem Kapitalmarkt unser erfolgreiches Wachstum zu verdeutlichen.

www.4investors.de: Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass im Rahmen des Output-Deals mit Disney lediglich ältere Filme auf PANTAFLIX landen. Haben sich Ihre Erwartungen an den Disney-Deal bisher erfüllt? Planen Sie ähnliche Kooperationen mit weiteren großen Studios?

Langefeld:
Der Output-Deal mit Disney war nur der Auftakt einer Serie von Deals mit den Major Studios, die uns ständig mit neuem und aktuellem Content versorgen. Neben Disney haben wir bereits unseren Deal mit STUDIOCANAL veröffentlicht, einem der führenden Filmproduktionsunternehmen Europas, das mit über 5.000 französischen, britischen, deutschen, italienischen und amerikanischen Filmtiteln nach Warner und MGM über den drittgrößten Katalog weltweit verfügt. Hierdurch haben wir Blockbuster wie die „Tribute von Panem“-Reihe mit Jennifer Lawrence oder den Oscargewinner „La La Land“ mit Ryan Gosling und Emma Stone auf der Plattform, die uns starke Abrufzahlen bescheren. Weitere Deals mit Major Studios sind in der Pipeline und werden die Relevanz der Plattform weiter deutlich erhöhen. Dass wir mittlerweile auch von Disney alle relevanten globalen Blockbuster von den „Marvel Avengers“, der „Fluch-der-Karibik“-Reihe mit Johnny Depp bis hin zu den „Guardians of the Galaxy“ oder „Star Wars“ auf PANTAFLIX haben, spricht für den hohen Wert unserer Kooperationen mit den Studios und deren Aktualität. Wir erhalten Filme, sobald sie von den Rechteinhabern für die VoD-Vermarktung freigegeben werden, was eine absolute Aktualität und die entsprechende Attraktivität sicherstellt. Bestes Beispiel hierfür ist „Star Wars: Die letzten Jedi“, einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, den Sie sich auf PANTAFLIX anschauen können und der sogar vereinzelt noch in Kinos ausgewertet wird.

www.4investors.de: Kommen wir abschließend zurück auf den Aktienkurs zu sprechen: Können Sie Ihren Aktionären Hoffnung machen, dass der Boden bald gefunden ist?

Langefeld:
Aktuelle Research-Analysen bestätigen, dass bereits nur unser Produktionsbereich ein massives Upside im Kurs von mehr als 50 Prozent rechtfertigen würde. Das ist besonders absurd angesichts der Tatsache, dass wir neben unserem Produktionsbereich in den vergangenen Jahren eine bahnbrechende VoD-Plattform entwickelt und fertiggestellt haben, die allein für sich ein Asset darstellt, das aus unserer Sicht den aktuellen Unternehmenswert um ein Vielfaches übersteigen dürfte. Dass dies in so einer frühen Phase auch und gerade aufgrund von uns nicht veröffentlichter KPIs für Außenstehende schwer einzuschätzen ist, liegt in der Natur der Sache. Da sich die Entwicklung unseres Unternehmens allerdings auch an den Zahlen ablesen lässt, wird dem Kapitalmarkt aus unserer Sicht bereits mittelfristig nichts anderes übrigbleiben, als unser Unternehmen neu zu bewerten.

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