PNE Wind: Lesser sieht „attraktive Opportunitäten für Zukäufe“

Markus Lesser, Vorstandsvorsitzender der PNE Wind AG, im Exklusivinterview mit www.4investors.de. Bild und Copyright: PNE Wind.

Markus Lesser, Vorstandsvorsitzender der PNE Wind AG, im Exklusivinterview mit www.4investors.de. Bild und Copyright: PNE Wind.

Nachricht vom 14.02.2018 14.02.2018 (www.4investors.de) - PNE Wind hat erste Schritt bei der geplanten Erweiterung des Geschäftsmodells bereits angestoßen, doch noch steht man bei den Planungen am Anfang. Im Exklusiv-Interview mit der Redaktion von www.4investors.de spricht Markus Lesser, Vorstandsvorsitzender der PNE Wind AG, über die kommenden Meilensteine, die weiteren Expansions- und Finanzierungspläne der Cuxhavener sowie zukünftige Dividenden des Windenergiekonzerns.


www.4investors.de: PNE Wind hat im November eine Ausweitung der operativen Aktivitäten auf neue Bereiche entlang der Wertschöpfungskette bei Erneuerbaren Energien angekündigt, Anfang Dezember folgte dann die Meldung über eine Zusammenarbeit mit der VPC GmbH. Was ist seitdem passiert?

Lesser:
Wir arbeiten derzeit intensiv daran, die Voraussetzungen für den Einstieg in neue Märkte und die angekündigten neuen Technologien zu schaffen. Zur Zeit prüfen wir die Rahmenbedingungen in ausgewählten Zielmärkten und arbeiten an der Entwicklung von Lösungen für saubere Energie. Dabei haben wir dezentrale Lösungen ebenso im Blick wie Power-to-Gas Anwendungen. Unser Ziel ist es, mit erneuerbaren Energien wie Windkraft und Photovoltaik auch in die Segmente Mobilität und Wärmeerzeugung einzusteigen.

www.4investors.de: Im Bereich der Windparks dürfte das Know-how von PNE Wind unbestritten sein, dagegen müssen Sie in den geplanten neuen Geschäftsbereichen dieses erst aufbauen. Wie wollen Sie ein ausreichend hohes Niveau herstellen und sichern?

Lesser:
Die PNE WIND-Gruppe hat über ihre Tochter WKN AG in der Vergangenheit bereits PV-Projekte entwickelt. Somit existiert schon Know-how im Unternehmen. Zudem haben wir unsere Kompetenzen in anderen Bereichen weiter verstärkt bzw. neu aufgebaut. Unter anderem haben wir in Hamburg ein neues Team gebildet, in dem das Know-how für die Erweiterung unserer Geschäftsbereiche gebündelt wird. Zudem arbeiten wir mit Partnern wie VPC gemeinsam daran, neue Lösungen wie z.B. für den Bereich Power-to-Heat zu entwickeln.

www.4investors.de: Wird die Neuausrichtung, abgesehen von den Effekten aus damit zusammen hängenden Zukäufen, und die ebenfalls angekündigte Expansion in neue internationale Windenergiemärkte die Mitarbeiterzahl von PNE Wind deutlich steigern und zusätzliche Kostensteigerungen verursachen?

Lesser:
Abgesehen von möglichen Zukäufen erwarten wir keine deutliche Steigerung der Mitarbeiterzahl. Und auch bei Zukäufen wird genau geprüft, dass die Mitarbeiterzahl in einem adäquaten Verhältnis steht. Insgesamt haben wir die Investitionen im Zusammenhang mit der Erweiterung des Geschäftsmodells mit durchschnittlich 10 Millionen Euro pro Jahr veranschlagt. Dies ist erforderlich, um mit hoher Kompetenz und möglichst großer Sicherheit in neue Technologien und neue Märkte einsteigen zu können.

www.4investors.de: Sie wollen die Finanzierungskosten senken und darüber jährlich 4 Millionen Euro einsparen. Was ist hier konkret geplant?

Lesser:
Wir werden Anfang Juni 2018, wie geplant, die 100 Millionen Euro Unternehmensanleihe vollständig zurückzahlen. Diese Anleihe wird noch mit 8 Prozent jährlich verzinst. Wir sehen künftig die Möglichkeiten, die Zinsbelastung der Unternehmensfinanzierung deutlich vermindern zu können. Dabei setzen wir unter anderem auf Bankenfinanzierungen und konnten bereits eine Finanzierungslinie über 25 Millionen Euro zur Finanzierung des Eigenkapitals von Windparkprojekten zu attraktiven Konditionen sichern. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten im Volumen zwischen 25 und 50 Millionen Euro, zu denen auch eine Anleihe zählen kann, prüfen wir derzeit. Wir sind dabei, ein angemessenes Finanzierungsinstrument auszuwählen.

www.4investors.de: Mit welchen Investitionen ist im Zuge der Neuausrichtung, die 2023 abgeschlossen sein soll, zu rechnen?

Lesser:
Die Investitionen werden sich im Wesentlichen auf drei Bereiche konzentrieren: zum einen planen wir Akquisitionen unter anderem im Service-Bereich; des Weiteren soll die Projektpipeline weiter ausgebaut werden (u.a. Repowering-Projekte); in die letzte Gruppe fallen im Wesentlichen Dinge, die mit dem Aufbau von Kompetenzen sowie dem Einstieg in neue Märkte wie etwa der Gründung von Gesellschaften zusammenhängen. Wir sehen gerade in der aktuellen Marktlage attraktive Opportunitäten für Zukäufe in den genannten Bereichen. Wir haben die finanziellen Mittel, um diese Chancen zu nutzen, und werden dies mit der nötigen Sorgfalt und dem entsprechenden Weitblick tun.

www.4investors.de: Haben Sie sich „Meilensteine” für den Aufbau der neuen Aktivitäten gesetzt?

Lesser:
Wir werden die strategische Neuausrichtung Schritt für Schritt vornehmen und dabei jeden Punkt sorgfältig prüfen und abwägen. Unsere Pipeline mit Projekten von rund 4.800 MW ist dafür die beste Basis. In 2018 sollten erste neue Produkte und Services verfügbar sein und sich daraus erste Umsätze ergeben. In 2019 planen wir, auch Beratungsdienstleistungen weiter auszubauen. Ein erstes PV-Projekt sollte dann ebenfalls in der Entwicklung sein. Für 2020 ist der Verkauf des neuen, europäischen Windparkportfolios mit rund 200 MW geplant. Darüber hinaus könnten in 2020 Aktivitäten in weiteren Auslandsmärkten anlaufen und ein erstes Hybrid-Projekt in der Kombination Wind und PV entwickelt sein. So soll die erweiterte Strategie bis 2023 umgesetzt werden.

www.4investors.de: PNE Wind hat Mitte November auf dem Capital Market Day für das Jahr 2023 noch in Aussicht gestellt, dass man eine „Steigerung des EBIT von 30 bis 50 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2011-2016” erzielen wolle. Hat die Ausweitung der operativen Aktivitäten Auswirkungen auf diese mittelfristigen Ziele, oder sind die Folgen bereits in der Prognose berücksichtigt?

Lesser:
Das bewährte und erfolgreiche operative Geschäft der PNE WIND-Gruppe ist die Basis und finanzielle Grundlage für die Ausweitung unseres Geschäftsmodells. Insofern ist dieses auch in der Prognose für den Zeitraum ab 2023 enthalten.

www.4investors.de: Lässt sich schon absehen, ob für die Neuausrichtung zusätzliches Kapital benötigt wird, zumal PNE Wind beim Aufbau des neuen Windparkportfolios noch einiges an Investitionen zu stemmen haben dürfte?

Lesser:
Wir sind derzeit dabei, Kapitalmaßnahmen im Volumen von 25 bis 50 Millionen Euro vorzubereiten. Dazu befinden wir uns derzeit in bereits in weit fortgeschrittenen Gesprächen mit Banken. Darüber hinaus sind zur Zeit keine weiteren Kapitalmaßnahmen vorgesehen.

www.4investors.de: Wird sich der Aufbau der neuen Geschäftsbereiche auf zukünftige Dividendenhöhen erst einmal negativ auswirken? Mit welcher Dividende können ihre Aktionäre für das Jahr 2017 rechnen?

Lesser:
Die PNE Wind AG hat in den vergangenen Jahren regelmäßig eine Dividende von 4 Cent bezahlt. Künftige Zahlungen werden jeweils auf Grundlage der Geschäftsergebnisse von Vorstand und Aufsichtsrat geprüft.

www.4investors.de: Welche Fortschritte sind beim Aufbau des neuen Windparkportfolios bisher erreicht worden und wie sieht hier der weitere Zeitplan aus?

Lesser:
Beim Aufbau des neuen europäischen Windparkportfolios, in dem bis 2020 Projekte mit einer Leistung von rund 200 Megawatt aus Deutschland und Frankreich gebündelt werden sollen, sind wir auf einem guten Weg. Bis Ende 2017 konnten bereits Windparkprojekte mit mehr als 43 Megawatt Nennleistung in Betrieb genommen werden. Diese Windparks sind für das neue Portfolio vorgesehen und erzielen bereits erste Umsätze und Ergebnisse. Neben dem Aufbau des Portfolios, werden wir weitere Projekte für den Direktvertrieb realisieren.

www.4investors.de: Ist wieder ein Verkauf an einen Investor geplant, oder fasst PNE Wind auch einen möglichen Börsengang des Portfolios in Aussicht?

Lesser:
Wir planen den anteiligen oder kompletten Verkauf des neuen europäischen Windparkportfolios an einen Investor.

www.4investors.de: Wird sich die Erschließung neuer internationaler Märkte durch PNE Wind in diesem oder zukünftigen Portfolioprojekten niederschlagen?

Lesser:
Wir werden in diesen Märkten Projekte entwickeln und realisieren, die auf den bewährten Wegen vermarktet werden. Darüber hinaus ist das Portfolio, das derzeit aufgebaut wird, vornehmlich auf deutsche und französische Projekte ausgelegt, die bereits bekannt sind.

www.4investors.de: Können Sie schon einen Ausblick auf das laufende Jahr geben? Wie sollen sich Umsatz und Ertrag entwickeln?

Lesser:
Einen Ausblick auf die Ergebnisse 2018 werden wir mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichtes Ende März geben. Wir gehen aber davon aus, dass sich die PNE Wind-Gruppe sowohl operativ als auch finanziell weiterhin erfolgreich entwickeln wird. (Redakteur: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter )


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