Die SNB ist kein Hedge Fund – Sarasin Kolumne


Nachricht vom 05.02.2018 05.02.2018 (www.4investors.de) - Auf inzwischen 843 Mrd. Schweizer Franken ist die Bilanz der Schweizerischen Nationalbank zum Jahresende 2017 angestiegen. Das sind rund 125 % des BIP. Manchen wird bei solchen Summen unwohl, da Wechselkursschwankungen oder fallende Aktienkurse sehr schnell dazu führen können, dass die SNB Bewertungsverluste in Milliardenhöhe ausweisen muss. Zudem stellt sich die Frage, ob eine derart grosse Bilanz überhaupt noch benötigt wird. Schliesslich wurde die Bilanz durch Devisenmarktinterventionen aufgebläht als der Franken extrem stark, die Konjunktur schwach und die Inflation negativ waren. Diese Bedingungen haben sich inzwischen komplett gedreht. Der Franken hat in den letzten drei Jahren gegenüber allen wichtigen Währungen mit Ausnahme des Britischen Pfundes abgewertet, die Konjunktur boomt und die Inflationsraten steigen unter anderem dank der Wechselkursabwertung deutlich an und werden schon bald wieder über 1% und damit langjährigen Mittelwerten liegen. Ist es also an der Zeit die Bilanz wieder zu reduzieren? Die Fed hat es bereits schon vorgemacht und reduziert ihre Bilanz nach einem festgelegten Plan. Eine Blaupause für die SNB und sogar eine Möglichkeit enorme Gewinne auf das immense Aktienportfolio und die hohen Devisenreserven zu realisieren?

Aus Portfoliomanagementsicht scheint die Realisierung von deutlichen Kursgewinnen bei gleichzeitiger Risikoreduzierung der Anlagen so kurz nach Jahresbeginn verlockend. Stünde doch so ein einträglicher und ruhiger Jahresverlauf bevor. Die SNB ist aber kein Hedge Fund. Sie tätigt ihre Anlagen nicht aus einem Gewinnmotiv heraus – selbst wenn ihr Wertzuwächse nicht weh tun. Auch kann die SNB ihre Bilanz nicht ganz so geräuschlos reduzieren wie die amerikanische Notenbank. Die Fed tut dies, indem sie auslaufende US-Staatsanleihen nicht durch neue Käufe ersetzt. Ihre Geldbasis sinkt dann ohne Auswirkungen auf den Wechselkurs. Die Anlagen der SNB dagegen bestehen zu 5% aus Gold und zu 94% aus ausländischen Wertpapieren. Davon wiederum sind 21% in Aktien investiert.

Würde die SNB, die von ihr gehaltenen Anleihen auslaufen lassen oder Aktien verkaufen um die Bilanz zu reduzieren, hätte sie zunächst Euro oder US-Dollar Fremdwährung- Diese muss sie dann in Schweizer Franken zurücktauschen. Ohne Auswirkungen auf den Wechselkurs ist dies nicht möglich. Und damit geriete eine Bilanzreduktion in einen Konflikt mit der aktuellen Geldpolitik. Wie könnte die SNB glaubhaft machen, dass sie den Franken weiter für hochbewertet hält, wenn sie ihn selbst zurückkauft? Auch die Interventionsbereitschaft würde als geldpolitisches Instrument wegfallen. Denn sobald es sich herausstellte oder sogar signalisiert würde, dass die SNB eine Bilanzsumme von beispielsweise 850 Mrd. CHF nicht überschreiten möchte oder sogar zurückfahren möchte, wäre ebenfalls klar, dass sie nicht zu unbeschränkten Interventionen bereit ist. Ähnliches gilt, wenn die SNB beispielsweise bei einem Wechselkurs von 1.18 CHF/EUR Devisen verkauft. Sie könnte dann kaum bei einem Kurs von 1.10 CHF/EUR wieder gegen den Franken intervenieren, falls sie das für richtig hielte. Erneut, die SNB ist kein Hedge Fund. Interventionen für und gegen den Franken machen nur Sinn, wenn deutliche Fehlbewertungen vorliegen, die entweder zu zu niedriger oder zu hoher Inflation zu führen drohen. Das heisst auch, dass eine Bilanzrückführung erst dann zu erwarten ist, wenn eine zu starke inländische Inflation eine Verringerung der Geldmenge nahe legen würde oder wenn ein zu schwacher Franken zu einer unerwünscht hohen importierten Inflation führt. Absehbar ist beides so schnell nicht.

Entwickeln sich Wechselkurse und Inflationsraten eher in ruhigen Bahnen, dann dürfte wohl wieder die Zinspolitik das Hauptinstrument einer geldpolitischen Straffung werden. Einfach lässt sich auch dies nicht bedienen. Schliesslich sind die Zinsdifferenzen zum Euroraum sehr gering. Eine Zinsanhebung in der Schweiz könnte leicht die geringen Zinsunterschiede komplett nivellieren. Sollte die wirtschaftliche oder Lage in Europa oder global wieder etwas rauer werden und sichere Häfen wie der Schweizer Franken gesucht werden, dann würde kein Renditenachteil starke Kapitalzuflüsse in den Franken aufhalten. Die Konsequenz wäre dann eine erneute Bilanzausweitung. Selbst wenn die Inflation in der Schweiz in den nächsten Quartalen stärker ansteigen sollte als in der Währungsunion, spricht einiges dafür, dass die SNB ihre Zinsen nicht leichtfertig vor der EZB erhöht. Im 2. Quartal 2019 dürfte es bei der EZB so weit sein und im 2. Halbjahr 2019 daher dann bei der SNB, vorausgesetzt Konjunktur und Inflation entwickeln sich so erfreulich weiter wie bislang.

Wer nun dennoch der Meinung ist, die SNB müsse ihre Bilanz schneller reduzieren, kann ihr dabei etwas nachhelfen: Einfach nicht benötigte Franken verkaufen, würde den Prozess etwas beschleunigen. (Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter )


Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bank Sarasin. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!



News und Informationen zur Schweizer Franken - Währung Aktie

Original-News von Schweizer Franken - Währung - DGAP



Weitere Nachrichten aus der 4investors-Redaktion

20.05.2019 - STS Group: Mutares-Tochter verlängert Manager-Verträge
20.05.2019 - SinnerSchrader: Gericht bestätigt Höhe der Abfindung
20.05.2019 - Lloyd Fonds: Details der Wandelanleihe stehen fest
20.05.2019 - First Sensor baut Japan-Aktivitäten aus
20.05.2019 - Deutsche Bank Aktie: Bärenfalle oder Dammbruch…?
20.05.2019 - Steinhoff Aktie: Wichtige Neuigkeiten sind einfach so verpufft
20.05.2019 - TUI Aktie: Neuer Schwächeanfall zu befürchten
20.05.2019 - QSC Aktie nach News im Plus: Raus aus der Konsolidierung?
20.05.2019 - Softing Aktie: Rallye Richtung 9 Euro voraus?
20.05.2019 - adesso setzt sich bei Bitmarck-Ausschreibung durch


Chartanalysen

20.05.2019 - Deutsche Bank Aktie: Bärenfalle oder Dammbruch…?
20.05.2019 - TUI Aktie: Neuer Schwächeanfall zu befürchten
20.05.2019 - QSC Aktie nach News im Plus: Raus aus der Konsolidierung?
20.05.2019 - Softing Aktie: Rallye Richtung 9 Euro voraus?
20.05.2019 - Wirecard Aktie: Über 170 Euro Richtung Allzeithoch?
20.05.2019 - Geely Aktie: Der nächste Schlag…
20.05.2019 - Nel Aktie: Die „magische” Marke…
20.05.2019 - ThyssenKrupp Aktie: Diese Marken sind jetzt entscheidend
20.05.2019 - Commerzbank Aktie: Wichtige Kaufsignale im Anmarsch?
17.05.2019 - Evotec Aktie: Voller Erfolg!


Analystenschätzungen

20.05.2019 - adesso: Zahlen stützen Rating der Aktie
20.05.2019 - Eyemaxx Real Estate: Pipeline wird größer
20.05.2019 - Adva Optical Networking: Coverage startet
20.05.2019 - EQS: 11 Euro Differenz
20.05.2019 - ABO Invest: Große Zielspanne für 2019
20.05.2019 - 1&1 Drillisch: Unsicherheiten drücken Kursziel der Aktie
20.05.2019 - Deutsche Bank: Schlechte Nachricht für Investoren
20.05.2019 - Nordex: Eine neue Kaufempfehlung für die Wind-Aktie
20.05.2019 - Wirecard: Die Perspektiven kommen gut an, aber...
20.05.2019 - Daimler: Kaufen nach den April-Zahlen


Kolumnen

20.05.2019 - Japan: BIP-Wachstum nur auf den ersten Blick überraschend stark - Nord LB Kolumne
20.05.2019 - SAP Aktie: Aufwärtsmomentum muss genutzt werden - UBS Kolumne
20.05.2019 - DAX: Zurück zum Jahreshoch? - UBS Kolumne
17.05.2019 - Big Data leads to Big Money: Pharmaindustrie im Datenrausch - Commerzbank Kolumne
17.05.2019 - Gold: Noch ist nichts gewonnen - UBS Kolumne
17.05.2019 - DAX: Die Bullen sind zurück - UBS Kolumne
17.05.2019 - DAX-Party: Konsolidierung nach der Party - Donner & Reuschel Kolumne
16.05.2019 - DAX: Wetten auf den Handelsdeal zwischen Washington und Peking - Nord LB Kolumne
16.05.2019 - Italien ist wieder ein Thema an den Märkten - Commerzbank Kolumne
16.05.2019 - Visa Aktie: Rally setzt sich fort - UBS Kolumne

All Right Reserved by minimalthemes - ©2018 Stoffels & Barck GbR