Bank of Japan: Unspektakulärer Jahresauftakt - Nord LB Kolumne

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23.01.2018 09:19 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Die Bank of Japan hat erwartungsgemäß im Rahmen der Dezembersitzung keine nennenswerten Anpassungen an den geldpolitischen Steuerungsinstrumenten vorgenommen. So wurde der Leitzins bei -0,10% beibehalten und die Zielrendite von 0,00% für 10-jährige Staatsanleihen ebenfalls nicht angetastet. Ein Gesprächsthema, welches bei einigen Marktbeobachtern in den vergangenen zwei Wochen für reichlich Wirbel sorgte, war der reduzierte Ankauf von ultra-langen japanischen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von mehr als 30 Jahren. Diese Maßnahme wurde bisweilen immerhin als verstecktes Tapering interpretiert.

Aus unserer Sicht ist dies aber doch eine etwas übertriebene Sicht auf die aktuellen Entwicklungen. Diese sind vielmehr Ausdruck einer Anpassung im Rahmen der Zinskurvensteuerung, die die Notenbank seit Ende 2016 betreibt. Es handelt sich zudem nicht um das erste Mal, dass die BoJ entsprechend agiert; nur scheint aktuell die Marktwirkung deutlich größer zu sein. Die langen Zinsen haben sich in den vergangenen Monaten wenig bewegt. Um eine Abflachung zu vermeiden, ist eine Reduktion im ultra-langen Bereich durchaus konsequent und eher eine Mikroadjustierung. Das Volumen könnte in den kürzeren Bereichen jederzeit wieder angepasst werden.

Die aktuelle wirtschaftliche Situation des Landes lässt zumindest eine temporäre Reduktion der Ankäufe zu. Gleichwohl bleibt die Inflation noch weit vom selbstgesteckten Ziel bei 2,0% entfernt. Die Produzentenpreise lieferten für den Dezember auch zunächst Zweifel, dass hier eine rechte Dynamik aufkommen wird. Immerhin weist das aktuelle BoJ-Statement darauf hin, dass die Notenbanker in Tokio nicht mehr von weiter fallenden Inflationserwartungen ausgehen, was für einige Marktbeobachter scheinbar als Hinweis auf angedachte Adjustierungen der Geldpolitik ausreicht. Auch wenn am Devisenmarkt diese Auffassung scheinbar zunächst geteilt wird, würden wir jedoch auch hier noch nicht zu viel hineininterpretieren.

Für die heutige Bekanntgabe war ohnehin klar, dass die BoJ-Entscheider erst einmal weiter abwarten. Zu bedenken ist außerdem, dass ein Wechsel an der Spitze der Notenbank bevorsteht. Auch eine Verlängerung von Kurodas Amtszeit ist möglich, wäre aber eher unkonventionell – was Premier Shinzo Abe aber zuzutrauen wäre. Das schafft durchaus eine gewisse Unsicherheit.

Für den zukünftigen binnenwirtschaftlichen Preisdruck sind vor allem die anstehenden Lohnverhandlungen im Frühjahr von hoher Relevanz. Insofern überraschen entsprechende Querverweise auf die volkswirtschaftliche Bedeutung anziehender Löhne nicht wirklich, die Kuroda auf der heutigen Pressekonferenz vorgenommen hat. Darüber hinaus müssen die Notenbanker in Tokio auch ihre Gegenspieler in Europa und den USA im Auge behalten. Sowohl die Fed als auch die EZB vollziehen derzeit den Kurswechsel und haben die Märkte entsprechend darauf vorbereitet. In Japan gibt es noch ausreichend Spielraum für breit gefächerte Mutmaßungen, wie es nun tatsächlich geldpolitisch weitergeht.

Fazit: Die japanische Notenbank ändert nichts am aktuellen Maßnahmenkatalog. Angesichts der aktuellen Preisentwicklung war dies auch so zu erwarten. Die reduzierten Ankäufe im ultra-langen Bereich halten wir eher für Kosmetik. Für gewisse Aufmerksamkeit haben die Äußerungen mit Blick auf die angepasste Einschätzung zu den Inflationserwartungen gesorgt. Größeres Veränderungspotenzial erwarten wir jedoch frühestens im Zuge der Lohnverhandlungen im Frühjahr sowie in Verbindung mit dem Führungswechsel an der Spitze der japanischen Notenbank. Insofern muss schon von einem unspektakulären Jahresauftakt gesprochen werden.

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