Berentzen-Gruppe: „Wir setzen Impulse“

Berentzen-CEO Frank Schübel im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright:Berentzen.

Berentzen-CEO Frank Schübel im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright:Berentzen.

21.06.2016, 07:34 Uhr - Autor: Johannes Stoffels  Johannes Stoffels auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Fußball-EM könnte der Berentzen-Gruppe ein Absatzplus von 20 Prozent bis 30 Prozent bei den Kernmarken bescheren. Aber auch im nichtalkoholischen Bereich gibt es Grund zum Feiern: So errang die Produktinnovation Mio Mio Cola auf Anhieb den Testsieg bei Stiftung Warentest und die Frischsaftsysteme kamen im ersten Quartal auf ein Wachstum von 32 Prozent.

Im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de bestätigt Berentzen-CEO Frank Schübel das Ziel, die Umsatzrendite im laufenden Jahr um einen Prozentpunkt zu verbessern. Bei der Innovationsoffensive sieht er Berentzen längst über die Findungsphase hinaus und wichtige Leuchtturmprojekte zeigen, dass man auch mit Sinalco hervorragende Geschäfte machen kann.


www.4investors.de: Herr Schübel, die Fußball-EM beherrscht derzeit die Schlagzeilen, nicht nur auf den Fanmeilen wird kräftig gefeiert. Was sind die aktuellen Trendgetränke der Saison?

Schübel:
Bei solchen Großereignissen steht ungeachtet allen Tagesgeschehens stets ein gemeinsames Thema im Mittelpunkt und es wird gerne ausgelassen gefeiert. Davon profitieren unsere Marken Berentzen und Puschkin. Wir machen in diesem Umfeld ausgezeichnete Geschäfte mit Minis, also Shots in PET-Flaschen. Trends in unseren Zielgruppen bleiben Longdrinks auf Cola-, Ginger-Ale- und Sektbasis, zu denen wir jeweils innovative neue Produkte lanciert haben, mit denen wir sehr zufrieden sind.

www.4investors.de: Wie stark profitiert Berentzen national und international von einem Event wie der Fußball-EM?

Schübel:
International ist der Effekt eher klein, denn in den einzelnen Ländern stehen zu solchen Top-Events vor allem die lokalen Marken im Vordergrund. In Deutschland ist das anders. Hier sind wir einer der Platzhirsche. Das bedeutet für unsere Kernmarken, dass wir die Chance haben, unseren Absatz um 20 Prozent bis 30 Prozent zu steigern.

www.4investors.de: Die Berentzen-Gruppe hat eine Marketingoffensive gestartet mit dem Ziel, weitere Marktanteile zu gewinnen. Wie sieht diese konkret aus und welche Ergebnisse können Sie bereits vorweisen?

Schübel:
Es ist nicht nur eine Marketing-, sondern auch eine Innovationsoffensive. Wir drehen an mehreren Stellschrauben zugleich. So setzen wir Impulse im Sortiment mit neuen Produkten wie Berentzen Cranberry Aperitif oder Puschkin Golden Ginger. Daneben fahren wir eine große Kommunikationsoffensive für Berentzen, vor allem in digitalen Kanälen, die ergänzt wird durch die breite Präsenz im Handel in Form massiver Promotion-Tätigkeiten. Im Ergebnis lässt sich sagen, dass wir längst über die Findungsphase des Vermarktungsmixes hinaus sind und nun sehr erfolgreich geprüfte Konzepte starker Marken ausrollen.

www.4investors.de: Wachstumstreiber ist neben den strategischen Marken „Berentzen“ und „Puschkin“ aber vor allem der Geschäftsbereich Frischsaftsysteme (Citrocasa), der im ersten Quartal ein Umsatzplus von 32 Prozent vorweisen konnte. Erwarten Sie von Citrocasa in den kommenden Quartalen ein ähnlich dynamisches Wachstum?

Schübel:
Ein klares Ja, denn das aktuelle und das geplante Wachstum basieren auf mehreren Faktoren: erstens auf der erhöhten organischen Nachfrage nach frisch gepresstem Orangensaft, zweitens auf der hohen Neukundenquote – sowohl in Ländern, in denen wir bereits über bestehende Vertriebsstrukturen verfügen, als auch über die Generierung von neuen Distributionsländern – und drittens auf der Erschließung von komplett neuen Verkaufskanälen. Hier sind wir aktuell über unsere neue kompakte Maschinenlinie „Revolution“ sehr erfolgreich im Gastronomiekanal unterwegs.

www.4investors.de: In Medien ist davon die Rede, dass es sich bei Citrocasa um ein ähnlich perfektes System handelt wie beispielsweise bei den erfolgreichen Kaffee-Kapselsystemen großer Anbieter. Wie genau funktioniert Citrocasa?

Schübel:
Grundsätzlich ist die erhöhte Wertschöpfung auf Basis einer höheren Qualität vergleichbar. Ähnlich wie bei Nespresso im Vergleich zum Filterkaffee können bei Citrocasa ganz andere Preise aufgerufen werden. In unserem Fall sind dies – aus Handelssicht – pro Liter frisch gepresstem Orangensaft etwa 10 Euro im Vergleich zu deutlich unter 2 Euro bei verpackter Ware. Und genau wie die erfolgreichen Kapselsysteme im Kaffeebereich bieten wir unseren Kunden ebenfalls ein komplett geschlossenes Produktsystem an. Citrocasa ist ein B2B-Konzept, in dessen Rahmen wir Kunden wie Lebensmittelhändlern, Gastronomen oder Betreibern von Juice-Shops alle System-Komponenten aus einer Hand für das Angebot vor Ort liefern können – die Orangenpresse als Herzstück, für das System spezifizierte sehr geschmacksstarke Orangen unserer Marke „Frutas Naturales“ sowie Leerflaschen, in der Regel mit dem Branding des Kunden.

www.4investors.de: Ist der Trend zu Frischsaftsystemen, also Convenience, eigentlich ein deutscher Trend? Oder vermarkten Sie die Systeme auch international?

Schübel:
Citrocasa wurde vor 10 Jahren in Österreich gegründet und expandiert seither international. Als wir das Unternehmen im Jahr 2014 übernommen haben, war Deutschland als Absatzkanal im Ländermix unterrepräsentiert. Das haben wir durch unsere Vertriebsressourcen geändert. Fakt ist aber, dass internationale Kunden z. B. in Frankreich und Holland schneller in der Adaption neuer Ideen sind. Deutschland kommt wie bei vielen innovativen Ideen zunächst langsamer voran – aber dafür dann konsequent.

www.4investors.de: Mit Mio Mio Cola ist eine Produktinnovation der Berentzen-Gruppe auf Anhieb Testsieger bei Stiftung Warentest unter 29 klassischen Colas geworden. Welche Bedeutung hat dieser Testsieg für Sie? Erwarten Sie davon auch einen nachhaltig positiven Einfluss auf den Absatz?

Schübel:
Dieser Testsieg ist für uns ein sehr wichtiger Meilenstein, denn er bestätigt eindrucksvoll die strategische Basispositionierung unserer Getränkemarken, Spitzenqualität zum guten Preis anzubieten. Einen solchen Qualitätsstempel als Testsieger von Stiftung Warentest zu bekommen, ist das beste Argument für uns und eine erstklassige Werbung. Die weitere Verbreitung der Produktfamilie Mio Mio, die auch in diesem Jahr um mehr als 50 Prozent wachsen soll, wird dadurch zusätzlich stimuliert.

www.4investors.de: Die strategische Neuausrichtung der Berentzen-Gruppe ist ein Erfolg, wie die Absatzerfolge bei Citrocasa und Mio Mio zeigen. Planen Sie weitere Investitionen im Segment der frische- und gesundheitsorientierten Getränke?

Schübel:
Ganz grundsätzlich ist dieser Bereich für uns sehr interessant. Wir halten die Augen nach guten Möglichkeiten offen. Aber klar ist auch: Planen kann man das von unserer Seite nur sehr bedingt. Stattdessen ist der richtige Weg genau andersherum. Ein potenzieller Verkäufer muss erst sein Angebot formulieren, dann können wir verhandeln. Wir vermeiden die aktive Ansprache von möglichen Zielfirmen. Denn das wirkt in der Regel nur preistreibend und widerspricht damit unserem ökonomischen Grundprinzip der kaufmännischen Vorsicht.

www.4investors.de: Bleiben wir im nichtalkoholischen Bereich: Der Konzessionswechsel zur Sinalco-Unternehmensgruppe hat Ihnen im Geschäftsjahr 2015 mehr Probleme bereitet als ursprünglich erwartet. Sind diese inzwischen behoben?

Schübel:
Das Kernproblem im Jahr 2015 war weniger der Markt als vielmehr eine zu ambitionierte Planung von uns und der deutschen Sinalco. Das haben wir korrigiert und an den richtigen Strippen gezogen. Mittlerweile haben wir die im positiven Sinne kritische Größe und eine exzellente Neukundenquote erreicht, insbesondere im Bereich der wichtigen 0,5l-Gebinde. Drehmoment bringen aber auch wichtige Leuchtturmprojekte in der Gastronomie und im Automatenbereich: Sie strahlen auf andere Kunden aus und zeigen, dass man mit Sinalco hervorragende Geschäfte machen kann.

www.4investors.de: Das Sorgenkind im Konzern ist aktuell das Auslandsgeschäft mit Markenspirituosen, das zuletzt rückläufige Umsätze verzeichnete. Dadurch ist auch die Internationalisierung etwas ins Stocken geraten. Wie sieht Ihre weitere Strategie im Auslandsgeschäft aus?

Schübel:
Kern der Strategie bleibt mit lokalen Top-Distributoren zusammenzuarbeiten, die das Geschäft auf eigene Rechnung betreiben. Wir kaufen uns dadurch Kompetenz ein, ohne sie mühsam und teuer selbst aufbauen zu müssen, und vermeiden Fixkostenrisiken. Damit haben wir endlich unsere doch sehr visionäre Vorgehensweise des Jahres 2012 korrigiert, als Berentzen das Ziel der internationalen Expansion ausgegeben hatte. Heute machen wir im Ausland zwar weniger Volumen, verdienen aber dafür mehr Geld. Probleme gibt es aber trotzdem: Zum Beispiel ist die aktuelle Entwicklung im Urlaubsland Türkei für uns sehr bedauerlich, denn sie kostet uns im Bereich der Hotels viel Geschäft. Dem entgegenzusteuern ist zwar schwer, doch unsere Entwicklung im klassischen Handel in der Türkei ist weiterhin gut.

www.4investors.de: Kommen wir auf das aktuelle Geschäftsjahr zurück: Trotz eines rückläufigen operativen Gewinns im ersten Quartal erwarten Sie im Gesamtjahr 2016 eine deutliche Steigerung beim Konzern-EBIT. Worauf gründet sich Ihr Optimismus und welche Margenentwicklung erwarten Sie konkret?

Schübel:
Bei der ausgeprägten Saisonalität unserer Geschäfte sind einzelne Quartale schwierig von außen zu betrachten. Das Q1-Ergebnis war einzig durch periodisch erhöhte Marketinginvestitionen und Einmaleffekte belastet. Entscheidend für das Jahr ist, dass der Umsatz steigt und der Rohgewinn, den wir so nicht veröffentlichen, absolut und relativ wächst. Entscheidend ist auch, dass sich alle strategischen Programme positiv entwickeln. Und genau das ist der Fall: Der Gruppenumsatz stieg im ersten Quartal um 7,9 Prozent, Citrocasa wächst mit 32 Prozent, Sinalco mit 18 Prozent und Mio Mio mit mehr als 50 Prozent. Auch die strategischen Dachmarken Berentzen und Puschkin wachsen über Marktniveau und haben ihren Marktanteil in diesem Jahr weiter ausgebaut.

www.4investors.de: Für 2015 hat Berentzen eine Dividende von 0,20 Euro je Aktie ausgeschüttet. Dürfen Ihre Aktionäre auch bei der Dividende eine deutliche Steigerung erwarten, wenn der Gewinn wie erwartet zulegt?

Schübel:
Eine Konsequenz unserer verbreiterten Aktionärsstruktur sollte es sein, eine gute Rendite darzustellen. Der Vorstand sieht dies als Verpflichtung an und hat das auch im Fokus. Es bleibt weiterhin unser Ziel, die Umsatzrendite im laufenden Jahr um einen Prozentpunkt zu verbessern. Sie sehen mich diesbezüglich hier und heute sehr zuversichtlich.

www.4investors.de: Mit der holländischen Investmentgesellschaft Monolith haben Sie im April einen neuen Ankerinvestor gewonnen. Handelt es sich bei Monolith um einen reinen Finanzinvestor?

Schübel:
Per Definition ist Monolith kein Stratege im Marktkontext Getränke, andererseits ist das Unternehmen aber auch kein reiner Finanzinvestor, der nur die kurzfristige Optimierung der Zahlen im Sinn hätte. Letztlich ist es von beidem etwas: Wir haben Monolith als langfristigen Investor kennengelernt, der weiß und schätzt, dass eine strategisch richtige Weiterentwicklung des Unternehmens auch zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Kennziffern führt.

www.4investors.de: Analysten sehen die Berentzen-Aktie auf aktuellem Niveau deutlich unterbewertet. Wie stufen Sie die Bewertung im Branchenvergleich ein?

Schübel:
Ich persönlich orientiere mich bei meinen privaten Aktien-Investments immer an dem Verhältnis der Marktkapitalisierung zum EBITDA. Wenn Sie das für die Berentzen-Gruppe ansetzen, brauchen wir keinen Branchenvergleich zu scheuen.

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