INDUS – Trotz VW: Ausstieg aus der Autobranche „kommt nicht infrage“ - Interview

Jürgen Abromeit, Vorstandsvorsitzender der INDUS Holding AG, im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: INDUS.

Jürgen Abromeit, Vorstandsvorsitzender der INDUS Holding AG, im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: INDUS.

12.04.2016, 10:46 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Trotz der Probleme beim Automobilriesen Volkswagen will Jürgen Abromeit, Vorstandsvorsitzender der INDUS Holding AG, weiter in der Autobranche aktiv bleiben. Man spüre nur ganz vereinzelt Auswirkungen und könnte dies „gut kompensieren“, sagt Abromeit im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Der Konzernchef der Beteiligungsgesellschaft spricht zudem über die Krise in den Emerging Markets und die Zukunftspläne der INDUS Holding, die heute die Bilanz für 2015 vorgelegt hat.


www.4investors.de: Die Schlagzeilen aus der Weltwirtschaft sind sehr gemischt, vor allem die BRIC-Länder machen große Sorgen. Spürt Indus dies in den eigenen Bilanzen?

Abromeit:
In überschaubarem Umfang. In Brasilien haben wir eine Beteiligung im Bereich Fahrzeugtechnik, die Umsatzeinbußen hatte, aber auch bereits neue Aufträge gewinnen konnte. Daher wird sich die Lage hier perspektivisch wieder verbessern. In Russland ging aufgrund der Krim-Sanktionen bei drei Beteiligungen, die in den Bereichen Spikes, Klimaanlagen für Busse und Verbindungstechnik für Brücken aktiv sind, Geschäft verloren. Hier rechnen wir noch nicht mit einer Erholung. Die Performance der Schwellenländer bleibt insgesamt enttäuschend schwach.

www.4investors.de: Wie reagieren sie auf diese Krise? Ist für sie jetzt die Zeit, in das Auslandsgeschäft kräftiger zu investieren, oder werden sie vorsichtiger?

Abromeit:
Wir schauen noch genauer hin! Welche Regionen für uns mittel- und langfristig erfolgversprechend sind und welche Perspektiven wir dort haben, ist wohlüberlegt und umfangreich geprüft. Gegebenenfalls müssen wir unsere Aktivitäten anpassen, wie aktuell in Brasilien und Russland, wir ziehen aber keine Investments zurück. Wenn die Grundvoraussetzungen stimmen wie beispielsweise in China, dann bleiben wir auch unverändert engagiert. Letztes Jahr haben wir in Nordamerika und China zwölf Gesellschaften an den Start gebracht. Dieses Tempo behalten wir bei. In unsichere Krisengebiete wie den Nahen Osten investieren wir dagegen gar nicht.

www.4investors.de: Eine Sorgenbranche ist der Automobilbereich, wo vor allem bei den Zulieferern Margendruck herrscht. Verschärfen die Auswirkungen des VW-Skandals den Trend noch?

Abromeit:
Bislang hat sich der VW-Skandal bei unseren Zulieferern noch nicht bemerkbar gemacht. In 2016 wird es dort sicherlich Sparzwänge geben und dadurch wird es zu Verhandlungen um Preisnachlässe kommen, aber das wird sich für die gesamte INDUS-Gruppe nur geringfügig auf Marge und Ergebnis auswirken. In 2015 betrug der Anteil aller Umsätze mit dem VW-Konzern über die gesamte INDUS-Gruppe hinweg gerade einmal 6,7 Prozent. Nur ganz vereinzelt spüren wir Rückgänge beim Auftragseingang. Das können wir momentan gut durch andere Aufträge kompensieren.

www.4investors.de: Wie wird INDUS auf die Lage in der Autoindustrie reagieren? Zusätzlich investieren und die Beteiligungen weiter entwickeln, oder aus der Sparte aussteigen?

Abromeit:
In der Fahrzeugtechnik setzen wir hauptsächlich auf Spezialisten, die sich prima entwickeln. Ein Ausstieg aus dem Segment kommt für uns nicht infrage. Die Autoindustrie ist nach wie vor eine Kernbranche der deutschen Wirtschaft, die auch technologisch in Deutschland immer eine wichtige Rolle spielen wird. Schwerpunktthema ist und bleibt hier für uns die Fahrzeugtechnik vor der Serie, in der Nische und für Premiumanbieter.

www.4investors.de: Eine andere Sparte, die ihre Margenerwartungen zuletzt nicht erreicht hat, ist der Bereich Metalltechnik. Bessert sich hier die Ergebnissituation wieder?

Abromeit:
Im Segment Metalltechnik haben wir noch einige Aufgaben zu lösen, aber die Ergebnissituation wird sich 2016 stabil entwickeln. Im vergangenen Jahr haben das schwache Russlandgeschäft und die Aufwertung des Schweizer Franken zusätzliche Schwierigkeiten bereitet. Produktanlaufschwierigkeiten bei einer Beteiligung haben darüber hinaus dazu beigetragen, dass sich das Segment nicht wie erwartet entwickelte. Das wird sich in diesem und den nächsten Jahren ändern. Wir setzen hier auf interne und externe Reorganisationsprozesse.

www.4investors.de: In den vergangenen Jahren schwankte die EBIT-Marge von INDUS um 10 Prozent. Sehen sie hier noch Spielraum für Steigerungen?

Abromeit:
Wir führen INDUS seit einigen Jahren stabil mit einer rund 10-prozentigen Marge. Damit haben wir den ersten Schritt gemacht. Ziel ist es, mittelfristig eine nachhaltige EBIT-Marge von über 10 Prozent zu erwirtschaften. Unsere bereinigte EBIT-Marge lag 2015 schon bei 10,5 Prozent. Das zeigt, dass unsere Maßnahmen greifen und wir auf dem richtigen Weg sind. Die neuen Unternehmen, die wir in den letzten drei Jahren gekauft haben, verdienen deutlich mehr als 10 Prozent. Das wird sich in den nächsten Jahren mehr und mehr auszahlen - ebenso wie unsere großen Anstrengungen in den Feldern Investitionen, Innovation und Internationalisierung.

www.4investors.de: Man bekommt den Eindruck, dass sich immer mehr Beteiligungsgesellschaften um die lukrativen Kaufgelegenheiten im Mittelstand balgen. Macht dies langfristig das Geschäft kaputt?

Abromeit:
Ja, der Markt ist heiß umkämpft. Mehr Spieler auf dem Markt bedeuten mehr Liquidität und überhöhte Kaufpreise. Da kann es schon einmal sein, dass wir einen Deal absagen, wenn die Bewertung aus unserer Sicht nicht mehr stimmt. Wir hören von Multiplikatoren für Mittelständler oberhalb von 10 (auf EBIT-Basis). Einen solchen Kaufpreis kann u. E. ein Unternehmen nicht nachhaltig und solide in einer überschaubaren Zeitspanne wieder erwirtschaften. Da ist der Käufer dann im Zweifel der Verlierer. Wir wollen und werden auch durch Zukäufe wachsen, aber nicht zu wahnwitzigen Preisen. Im Zweifel lassen wir uns Zeit.

www.4investors.de: Wie ist ihre Strategie in einem solchen Marktumfeld mit hoher Konkurrenz unter den Bietern?

Abromeit:
Wir konzentrieren uns auf den direkten Zugang zum Mittelständler und halten uns von Bieterverfahren weitestgehend fern. Im Gegensatz zu klassischen Private-Equity-Unternehmen haben wir aber keinen Anlagedruck. Wir haben in den letzten dreieinhalb Jahren fast 20 Transaktionen gemacht. Da kann man dann auch mal gelassen „Nein“ sagen.

www.4investors.de: In welchen Bereichen werden sie 2016 und in den kommenden Jahren bevorzugt investieren und zukaufen? Wo sehen sie die größten Chancen?

Abromeit:
Wir fokussieren uns weiterhin auf die vier Wachstumsmärkte Infrastruktur/Verkehr/Logistik, Medizin- und Gesundheitstechnik, Automatisierungs-, Mess- und Regeltechnik und Energie- und Umwelttechnik. Auch in der Bautechnik sehen wir noch gute Entwicklungsmöglichkeiten. Wichtiger ist jedoch die Zukunftsfähigkeit und Wachstumsdynamik des Unternehmens. Wir lieben Unikate, die für den INDUS- Wachstumsweg einen Beitrag leisten.

www.4investors.de: Ihr Portfolio teilt sich bisher in Unternehmen aus fünf Segmenten auf. Kommt eine Ausweitung der Aktivitäten auf neue Branchen in Betracht?

Abromeit:
Unser Plan ist es, uns dort zu verstärken, wo wir bereits aktiv sind und hier und da strategisch sinnvolle Ergänzungsakquisitionen zu tätigen. Komplett neue Branchen haben wir nicht im Fokus, sieht man einmal von den vorhin genannten Schwerpunkten ab. Unser Fokus bleibt auf dem klassischen Hidden Champion, der mit einem eigenen Produkt eine Nische in der Industrietechnik besetzt. Davon verstehen wir etwas.

www.4investors.de: Mit Ausnahme der Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2012 hat INDUS die Dividenden seit dem Zusammenbruch der US-Kreditmärkte und der folgenden Wirtschaftskrise stets gesteigert. Können ihre Aktionäre weitere Dividendenanhebungen in diesem und den kommenden Jahren erwarten? Wird die Ausschüttungsquote dabei ähnlich hoch bleiben wie zuletzt?

Abromeit:
Wir verfolgen eine klare Dividendenpolitik, die sich am Bilanzgewinn orientiert. Dieses Jahr werden wir eine Dividende von 1,20 Euro pro Aktie zahlen. Das bedeutet eine Ausschüttung von 42 Prozent des Bilanzgewinns. Mittelfristig ist hier auch wieder eine Steigerung möglich, solange auch unsere Gewinne sprudeln. Andererseits - wenn wir das Wachstum der vergangenen drei Jahre in diesem Tempo weiterführen möchten - wäre es auch überlegenswert, einen Teil der Dividende für Unternehmenszukäufe zu verwenden.

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