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Automatisierung und Projektifizierung: Wo bleibt der Mensch?

Buchautor Marcus Disselkamp ist Gastautor von 4investors zu dem Themenkomplex der Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten der Digitalen Transformation. Bild und Copyright: Marcus Disselkamp.

15.11.2020 13:05 Uhr - Autor: Marcus Disselkamp  auf twitter

Die Industrialisierung ist seit Jahrzehnten geprägt von der Automatisierung. Ob bei der Fertigung von Fahrzeugen, Elektroartikeln oder Konsumgütern, dank immer stärker vollautomatisierter Fertigungsprozesse erreicht die Produktivität neue Ausmaße, können Sicherheitsstandards verbessert und Kosten gesenkt werden. Ganz im Sinne der DIN-Norm V 19233 des Deutschen Instituts für Normung e.V., welche die Automatisierung als das Ausrüsten einer Einrichtung definiert, so dass diese ganz oder teilweise ohne Mitwirkung des Menschen bestimmungsgemäß arbeiten kann.

Mit dem digitalen Wandel kommt es nicht mehr nur zur Automatisierung von Industrieprozessen, sondern von einer Vielzahl von Arbeitsschritten, Analysen und Entscheidungen. Ziel der Automatisierung in digitalen Zeiten ist stets:

  • die Erhöhung der Produktionsmenge bei geringeren Personalkosten und reduzierter Fehlerzahl und somit der Steigerung der Produktivität,
  • die Standardisierung der Produktqualität,
  • die Entlastung des Menschen von schwerer körperlicher oder monotoner Arbeit,
  • das schnellere Analysieren riesiger Mengen an Daten und Informationen,
  • die Identifikation von Verbesserungspotenzialen oder kriminellen Handlungen sowie
  • die Steuerung komplexer Systeme.

Es geht heute nicht mehr um die reine Automatisierung, sondern um den Ausbau der Automatisierung dank autonomer Systeme, die selbständig agieren und Entscheidungen treffen. Ganz im Sinne des Begriffs „Industrie 4.0“, den die deutsche Bundesregierung im Jahr 2012 ursprünglich nur als Bezeichnung für eine Forschungsunion und ein gleichnamiges Projekt in der Hightech-Strategie der Bundesregierung initiierte. Heute verstehen wir unter dem inzwischen international gültigen Sammelbegriff der Industrie 4.0 nicht nur die vollständige, intelligente und digitale Vernetzung ganzer Systeme, sondern auch die damit verbundene Optimierung und Automatisierung der selbstorganisierten Wertschöpfungsketten über alle Geschäftspartner und alle Phasen der Produktlebenszyklen hinweg. Dem Menschen bleibt die Funktion der Überwachung. Die reine Funktion der Bedienung von Maschinen fällt bei einer nach Industrie 4.0 designten Smart Factory weg.

Die fortschreitende Automatisierung von Standardprozessen und Robotisierung von Routineaufgaben führt zu dem Megatrend der Projektifizierung. Unter diesem Begriff verstehen wir die Tendenz, dass im Rahmen der Digitalen Transformation immer mehr Routinetätigkeiten von Computern, Maschinen und Systemen übernommen werden. Wir beobachten diese Entwicklung schon seit Jahren nicht nur in der fertigenden Industrie, sondern auch an Beispielen wie dem Online-Banking, Online-Reisebuchungen, bei automatischen Nachbestellungen oder bei der Lieferkettenüberwachung. Die Automatisierung vieler Routinetätigkeiten wird durch die Entwicklungen von Künstlicher Intelligenz, Robotern und 3-D-Druck weiter zunehmen.

Die Funktion der Menschen verschiebt sich auf die Administration, Planung und Kontrolle, aber nur noch außerhalb von Routineaufgaben! Menschen werden – wenn überhaupt – nur noch für jene Projektaufgaben benötigt, bei denen Kreativität und Intuition benötigt werden. Die Aufgaben der (dann noch vorhandenen) Mitarbeiter verlagert sich verstärkt auf die Umsetzung von Projekten. Diese unterscheiden sich in strategische Projekte (wie Produktentwicklung im Rahmen der Customer Experience, Prozessoptimierung für die Operational Excellence, Aufbau neuer Geschäftsmodelle, Übernahmen und Fusionen oder Neuausrichtung und Reorganisation) und in operative Projekte (wie Bearbeitung komplizierter Reklamationen, außerordentliche Kundenakquise oder Schulung, anspruchsvolle Reparaturen oder die Aufbereitung eines Jahresabschlusses).

Dort wo der Mensch mit seinem kritischen Denken, seiner Kreativität und Intuition Mehrwerte generiert, wird er nicht als Intermediär ausgetauscht (siehe hierzu früheren Beitrag über „Disintermediation“). Denn das sind wir Menschen in vielen Routinetätigkeiten – reine Intermediäre. Wir vermitteln Anfragen von Kunden an interne Stellen, bearbeiten Buchungen oder Reportings, wir sammeln Bewerbungen für einzelne Fachbereiche oder wir helfen externen Geschäftspartnern beim Zugang zu internen Ressourcen. Hier gelten die gleichen Regeln wie bei Unternehmen: Nur jene entkommen der Disintermediationsfalle, die ihren Kunden (bzw. Arbeitgebern) Mehrwerte und Nutzenvorteile bieten. Im Rahmen des Megatrends der Serviceökonomie werden wir dies nun ausführlicher diskutieren.

Alle Blogbeiträge von Marcus Disselkamp zum Themenkomplex der Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten der Digitalen Transformation finden Sie auf seiner Blog-Seite auf 4investors: hier klicken!

Marcus Disselkamp ist unser Gastautor zu dem Themenkomplex der Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten der Digitalen Transformation. Sein aktuelles Buch mit dem Titel: „Digitale Megatrends – Die Zukunft von Unternehmen“ erschien Ende 2019. Mehr über ihn und sein Business Coaching finden Sie unter www.disselkamp.com. Auf allen bekannten Streaming Diensten finden Sie zudem seine beiden Podcast Reihen „Kurz Nachgefragt“ sowie „Hast Du schon daran gedacht?“.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne von Marcus Disselkamp. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


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