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Expertenmeinung

ZEW-Umfrage: Überbordender Optimismus. Dabei ist Vorsicht angebracht - Nord LB Kolumne

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12.11.2019 11:52 - Autor: Kolumnist auf twitter


Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim hat soeben die Ergebnisse seiner monatlichen Umfrage unter gut 200 Volkswirten, Analysten und Fondsmanagern veröffentlicht. Die Konjunkturerwartungen stiegen überraschend deutlich auf nunmehr -2,1 Punkte. Noch stärker stieg die Erwartung der Eurozone, die sich sogar noch deutlicher, auf -1,0 Punkte verbesserte. Die Lagebeurteilung konnte sich für Deutschland nur marginal verbessern und enttäuschte somit die Analystenerwartungen.

Damit teilen die Analysten anscheinend den Optimismus, der sich in den vergangenen Wochen auch in der Entwicklung der Kapitalmärkte reflektiert. Womit sich einmal mehr die Marktnähe des Berufstandes beweist. Die Zuversicht kommt zum einen von den Aussichten auf einen Mini-Deal zwischen den USA und der Volksrepublik China. Zudem ist das Thema harter Brexit vorläufig vom Tisch. Aus deutscher Perspektive dürften auch die gestiegenen Auftragseingänge und die wieder höhere Auslandsnachfrage ein Grund für eine etwas optimistischere Sicht sein. An den Märkten halfen zuletzt auch Zusagen europäischer Autohersteller an die amerikanische Regierung, die potenziellen Handelskonflikten der USA mit der EU den Wind aus den Segeln nimmt.

Die nach wie vor enttäuschende deutsche Industrieproduktion – im September verzeichneten wir hier einen weiteren Rückgang um -0,6% M/M und damit eine Jahressteigerungsrate von schwachen -4,3% Y/Y (wda) – rechtfertigt weiterhin eine negative Beurteilung der aktuellen Lage. Insofern passt der nur marginale Anstieg der Lagebeurteilung. Immerhin werden wir höchstwahrscheinlich eine technische Rezession sehen, denn die BIP-Prognose für Deutschland für das III. Quartal sieht derzeit nach einem negativen Vorzeichen aus.

Insgesamt zeichnet sich jedoch eine Bodenbildung für die deutsche Wirtschaft ab. Allerdings ist eine gesunde Skepsis weiter angebracht. Weder das Thema Handelskonflikte noch der Brexit sind final vom Tisch. Ein Tweet kann ausreichen, um die Anstrengungen der Verhandlungsteams obsolet zu machen. Genauso könnte ein ungünstiger Wahlausgang in Großbritannien am 12. Dezember wieder mehr Unsicherheit und wenn es richtig schlecht läuft sogar den harten Brexit mit sich bringen.

Fazit: Die ZEW Konjunkturerwartungen haben sich überraschend deutlich auf -2,1 Punkte verbessert. Damit reflektiert sich in der Umfrage auch das positive Erwartungsbild, dass die Kapitalmärkte zuletzt zeichnen. Die Lage bleibt aber mit -24,7 weiter wenig berauschend und es darf auch nicht vergessen werden, dass wesentliche Risikofaktoren wie der Handelskonflikt und der Brexit trotz zuletzt positiver Nachrichtenlage noch nicht völlig vom Tisch sind. Zumindest aktuell sieht es aber so aus, als ob wir eine Bodenbildung bei der deutschen Wirtschaft erreicht haben.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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Möglicherweise liegt also vorerst das Schlimmste an Hiobsbotschaften hinter der deutschen Volkswirtschaft. Der Blick gilt dabei nicht den noch verbleibenden Wochen des laufenden Jahres, vielmehr richten die ZEW-Konjunkturerwartungen ihren Scheinwerfer bereits in das Jahr 2020. In diesem Zusammenhang gilt es die derzeitige Gemengelage richtig einzuordnen. Es ist nicht auszuschliessen, dass nicht nur das BIP-Wachstum für das dritte Quartal ein erneutes Minus ausweisen wird, sondern auch das vierte Quartal. Wenn also die Rede von „besseren Aussichten“ ist, dann bezieht ... DAX - Aktienindex News weiterlesen!

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