Steinhoffs Aktienkurs kommt trotz mehrerer Erholungsversuche charttechnisch nicht entscheidend voran. In der technischen Analyse drohen der Steinhoff Aktie deutlich negative Konsequenzen, wenn sich das nicht kurzfristig ändert. Bild und Copyright: ViblyPhoto / shutterstock.com.

Steinhoff Aktie: Keine Chance für die Bullen?

Nach drei katastrophalen Tagen für die Steinhoff Aktie mit einem Kurssturz von 0,1362 Euro auf Freitag erreichte 0,0892 Euro ist der Handel in dieser Woche von Erholungsversuchen geprägt. Betont werden muss hier bisher aber der Wortteil „Versuch”, denn eine durchgreifende Gegenbewegung zu den starken Verluste in der zweiten Hälfte der letzten Woche gelingt dem SDAX-notierten Wert bisher nicht. Gestern kletterte der Aktienkurs zwar bis auf 0,1019 Euro, beendete den Handel aber schließlich nur bei 0,0941 Euro. Heute erreicht Steinhoffs Aktienkurs in der Spitze bisher sogar 0,1029 Euro, notiert mittlerweile aber nur noch bei 0,0987 Euro (+4,89 Prozent).

Kursrelevante Neuigkeiten sind heute nicht zu sehen, nachdem Steinhoff International in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai die lange und mit Spannung erwartete Bilanz für das Geschäftsjahr 2016/2017 vorgelegt hatte. Das endete zwar schon am 30. September 2017, doch wenige Wochen danach wurde der milliardenschwere Bilanzskandal des Konzerns publik. Seitdem passierte zwar viel, wir berichteten, doch bestätigte Zahlen gab es erst vor wenigen Tagen. Am 18. Juni will die Gesellschaft nun die noch ausstehende Bilanz für das Ende September 2018 ausgelaufene Geschäftsjahr 2017/2018 vorlegen - dann dürften Anleger zusammen mit den jüngsten Steinhoff-News zu diversen Sanierungsmaßnahmen unter anderem bei der US-Tochter Mattress Firm und der französischen Sparte Conforama auf einem einigermaßen aktuellen Stand sein, was die Lage des Handelskonzerns angeht.

Steinhoff Aktie: Kurs auf das Allzeittief?


Der Blick auf den Chart zeigt, dass die Hoffnung, der Konzern könne den großen Turnaround schaffen, zuletzt wieder deutlich verkleinert haben. Neben den vielen Milliarden, die man als Folge der „Bilanzkosmetik” des früheren Managements abschreiben musste, belasten vor allem die vielen Rechtsstreitigkeiten die Aussichten. Dass man von den Gläubigern 2018 drei Jahre Zeit erhielt, um sich neu aufzustellen, gehört zu den positiven Gegenpolen.

Während das Papier in den letzten Tagen die charttechnische Unterstützungsmarke bei 0,085/0,088 Euro deutlich bestätigt hat, ohne dass diese in große Gefahr geriet, tat sich nach oben aus Sicht der technischen Analyse bei der Steinhoff Aktie bisher nicht genug für eine Wende. Selbst der wiederholte Sprung über erste kleinere Hindernisse zwischen 0,0956/0,0964 Euro und 0,0973/0,0992 Euro brachten bisher keine stabilen charttechnischen Kaufsignale für die Steinhoff Aktie. Schon der untere Ausläufer der Hindernismarke, die sich von 0,102 Euro auf 0,104/0,105 Euro zieht, bremste die Bullen. Chancen auf eine durchgreifende Erholungsbewegung bestanden daher bisher nie. Neben dieser Zone finden sich weitere charttechnische Hindernisse um 0,108/0,110 Euro und um 0,113/0,114 Euro - hier liegt unter anderem das Tageshoch vom Donnerstag.

Das Problem für die Steinhoff Aktie: Ohne neue charttechnische Kaufsignale kann der Druck auf Supports bei 0,085/0,088 Euro schnell wieder zunehmen. Käme es an dieser Stelle zu Verkaufssignalen, wäre dies in der technischen Analyse für die Steinhoff Aktie ein wichtiger Zwischenschritt auf einem Weg zurück in Richtung 0,071/0,075 Euro - und damit an das bisherige Allzeittief.

Hier noch einmal die wichtigsten Daten aus der jüngst veröffentlichten Bilanz von Steinhoff International:

Für das Geschäftsjahr 2016/2017 weist das Unternehmen einen Umsatz von 18,82 Milliarden Euro aus nach 16,13 Milliarden Euro in der Fünfzehnmonatsperiode (!) zuvor. Der Rohertrag der niederländisch-südafrikanischen Handelsgesellschaft ist von 5,95 Milliarden Euro auf 7,66 Milliarden Euro gewachsen. Einen deutlichen Zuwachs verzeichneten die umsatzunabhängigen Kosten: Für Administration wurden 6,69 Milliarden Euro ausgegeben nach 5,32 Milliarden Euro in der längeren Vergleichsperiode. Die sonstigen Kosten explodierten von 0,24 Milliarden Euro auf knapp 4 Milliarden Euro. Tief ins Minus ist zudem der Nettocashflow aus den operativen Aktivitäten gefallen, der bei -792 Millionen Euro liegt nach einem Plus von 257 Millionen Euro zuvor.

Operativ meldet Steinhoff International damit einen Verlust von 3,68 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 0,28 Milliarden Euro zuvor. Unter dem Strich wurde nach 1,04 Milliarden Euro Verlust im Zeitraum zuvor im Jahr 2016/2017 ein Verlust von 3,998 Milliarden Euro verzeichnet. Je Steinhoff Aktie weist das Unternehmen einen Verlust von 0,959 Euro aus. Nimmt man noch Faktoren wie Währungskursveränderungen hinzu, wuchs der Verlust von 1,04 Milliarden Euro auf 4,18 Milliarden Euro.

Das Eigenkapital des Konzerns hat sich damit deutlich verringert und liegt per 30. September nur noch bei 2,09 Milliarden Euro nach zuvor 6,09 Milliarden Euro. Zu diesem Stichtag immer befinden sich 4,59 Milliarden Euro an Goodwill und 2,66 Milliarden Euro an immateriellen Vermögensgegenständen in der Bilanz von Steinhoff International. Der per Bilanzstichtag noch vorhandene Goodwill betrifft mit zusammen 4,3 Milliarden Euro fast ausschließlich die beiden Pepkor-Gesellschaften. Dagegen wurde der Goodwill an Mattress Firm auf nur noch 52 Millionen Euro abgeschrieben.

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14.05.2019 - Autor: Michael Barck | Folgt uns auf Google News - hier klicken!

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Weitere Informationen:

Aktie: Steinhoff International
WKN: A14XB9
ISIN: NL0011375019
Aktienindex: SDAX
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Branche: Retail-Konzern, Handel vor allem mit Möbeln und Modeartikeln, zum Konzern gehört unter anderem die britische Poundland-Kette, die französische Conforama sowie die südafrikanische Pepkor (ehem. STAR) und der US-Konzern Mattress Firm. Die Beteiligung an Poco wurde 2018 verkauft, ebenso der Anteil an der österreichischen Unternehmensgruppe Kika-Leiner.
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