Die Experten der Weberbank werfen einen Blick auf die Auswirkungen jüngster Ereignisse, vor allem vom Brexit und dem Handelskrieg USA-China, auf die Finanzmärkte Bild und Copyright: Bart Sadowski / shutterstock.com.

Aktien trotzen wirtschaftlicher Eintrübung - Weberbank-Kolumne

In der laufenden Woche waren wieder einmal die „Brexit-Abstimmung“ sowie der Handelskonflikt zwischen den USA und China die zentralen Themen an den Finanzmärkten. Zusätzlich wurde mit Spannung auf die Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank (Fed) gewartet. Welche Auswirkungen diese Ereignisse auf die Finanzmärkte haben und wie wir die aktuelle Marktlage einschätzen, lesen sie in dieser Ausgabe.

Alle Augen waren am Dienstag nach London gerichtet, wo die Abgeordneten des britischen Parlaments über das weitere Vorgehen beim Brexit abstimmten. Insgesamt wurden sieben Änderungsanträge eingereicht, wovon nur zwei angenommen wurden. Der erste Antrag enthält die Empfehlung an die Regierung, einen harten Brexit zu vermeiden. Dabei blieb offen, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Im zweiten hat sich das Parlament dafür ausgesprochen, den sogenannten Backstop mit der EU neu zu verhandeln und eine verbindliche Lösung zu finden. Unter dem Backstop versteht man eine Auffanglösung, die eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland verhindern soll. Dabei soll sichergestellt werden, dass der künftige Warenverkehr zwischen Großbritannien und der EU auch nach dem Brexit den EU-Binnenmarktregeln und den WTO-Regeln entspricht. Sowohl EU-Ratspräsident Donald Tusk wie auch der irische Ministerpräsident meldeten sich kurz nach der Abstimmung zu Wort und lehnten Nachverhandlungen für einen Backstop ab. Sollte Premierministerin Theresa May bis zum 13. Februar keinen neuen Brexit-Plan nachverhandelt haben, wird sie sich erneut dem Parlament stellen müssen. Aus unserer Sicht ist mit der Abstimmung im britischen Unterhaus zwar die Wahrscheinlichkeit eines ungeordneten Brexit gestiegen, allerdings kann keine Seite an einem solchen Ereignis Interesse haben. Wir halten daher eine Verschiebung des Austrittstermins Großbritanniens (bislang 29.3.19) für die wahrscheinlichste Lösung.

Wirtschaftliche Stimmungseintrübung in Europa


Die Hoffnungen auf eine Stabilisierung der Wirtschaftsentwicklung in Europa haben erneut einen Dämpfer bekommen. So sind die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone im Januar zum wiederholten Mal enttäuschend ausgefallen. Sorgen bereiten den Unternehmen die Probleme in der Autoindustrie, die weltweite Eintrübung der Konjunkturaussichten, der Brexit, die anhaltenden Handelsstreitigkeiten sowie die gestiegene politische Unsicherheit vor allem in Frankreich und in Italien. Das trübe Bild der Einkaufsmanagerindizes wird vom deutschen ifo-Index bestätigt. Der wichtige deutsche Vorlaufindikator ist zum fünften Mal in Folge gefallen und notiert auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahren. Nach offizieller Lesart des ifo-Instituts ist die deutsche Wirtschaft damit erstmals seit 2012 vom Boom- in den Abschwungbereich gewechselt. Auch die europäische Zentralbank (EZB) räumte auf ihrer Sitzung ein, dass die Konjunkturdaten seit der letzten Sitzung schwächer als erwartet ausgefallen seien und sich die Wachstumsaussichten weiter eingetrübt hätten. Auch wenn die Konjunkturdaten zuletzt eher enttäuschend ausfielen und auf eine Wachstumsverlangsamung in Europa deuten, rechnen wir nicht mit einem Abgleiten in eine Rezession. Vor allem das anhaltende Lohn- und Beschäftigungswachstum in Europa wirkt unterstützend. Die Arbeitslosenrate befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit über zehn Jahren und sollte sich positiv auf den privaten Konsum auswirken. Eine nachlassende Dynamik aus dem Außenhandel und der Investitionstätigkeit könnte damit abgemildert werden. Auch eine Wiederaufnahme der Zulassungen in der Autobranche würde sich positiv auf die Wirtschaft auswirken. Sollten allerdings die Handelsstreitigkeiten sowie die ungelöste Brexit-Frage weiter anhalten, muss mit einer noch längeren Wachstumsflaute gerechnet werden.

US-Wirtschaft ist nicht immun


Im Gegensatz zu Europa deuten die Konjunkturdaten aus Amerika darauf hin, dass sich die US-Wirtschaft auf einem moderaten Wachstumskurs befindet. Allerdings zeigen auch hier Stimmungs- und Frühindikatoren (USVerbrauchervertrauen, Einkaufsmanagerindizes etc.), dass die USA nicht immun gegenüber einer Verlangsamung der Weltwirtschaft ist. Zusätzlich dürfte sich auch der Regierungsstillstand (Government Shutdown) belastend auf die Konjunktur ausgewirkt haben. Insgesamt erwarten wir für die amerikanische Wirtschaft eine leichte Abschwächung der Wachstumsdynamik, sind aber mittelfristig weiter positiv gestimmt. So befindet sich die Industrieproduktion weiterhin auf einem hohen Niveau, und die Kapazitätsauslastung ist zuletzt auf den höchsten Stand seit vier Jahren gestiegen. Der Arbeitsmarkt strotzt vor Stärke und sollte den privaten Konsum weiter unterstützen. Auch die Sorge der Marktteilnehmer, dass die US-Notenbank (Fed) mit zu schnellen Zinserhöhungen die US-Wirtschaft in eine Rezession stürzen würde, hat sich mit den letzten Aussagen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank relativiert. So signalisierte die US-Notenbank, dass sie es nicht eilig hat, die Zinsen weiter zu erhöhen. Die Fed begründete ihre vorsichtigere Haltung zum einen mit der verhaltenen Inflationsentwicklung in den USA, zum anderen mit den Risiken für die Weltwirtschaft. Wir gehen davon aus, dass der Zinserhöhungszyklus noch nicht zu Ende ist, aber eine längere Pause macht.

Der deutsche Aktienmarkt DAX legte trotz politischer Risiken und schwacher Konjunkturdaten einen beeindruckenden Jahresstart hin. Vor allem die Hoffnungen auf eine baldige Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und China sowie die Andeutung einer Zinspause durch die US-Notenbank hat für steigende Kurse gesorgt. Unterstützung kam auch von der US-Berichtssaison für das 4. Quartal 2018. Hier liegt das Gewinnwachstum bei momentan fast 13%, wobei 80% der Unternehmen aus dem amerikanischen Aktienmarktindex S&P 500 ein positives Wachstum berichteten. Allerdings wird die Stimmung der Marktteilnehmer immer wieder von verschiedenen Unwägbarkeiten belastet. Befürchtungen vor einer weiteren Eskalation in den Handelskonflikten, der ungewisse Verlauf des Brexits, der Regierungsstillstand in den USA sowie die sich abkühlende Weltwirtschaft wirken belastend auf die Märkte. Dies dürfte dazu führen, dass die Volatilität an den Aktienmärkten auf absehbare Zeit hoch bleiben wird. Unser mittelfristiger Ausblick bleibt dennoch positiv. Mit den Kursrückgängen der vergangenen Monate preisen die Marktteilnehmer eine Wachstumsabschwächung und einen Gewinnrückgang zum Teil schon ein. Einige Bewertungskennziffern wie z.B. das Kurs-Gewinn-Verhältnis im DAX befinden sich schon wieder auf attraktiven Niveaus. Gerade im Vergleich zu anderen Anlageklassen bleiben Aktien mit Blick auf die Dividendenrendite und Bewertungen attraktiv. Wir gehen auch davon aus, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft trotz der sich abzeichnenden Eintrübungen solide entwickeln wird. Dies sollte sich positiv auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen auswirken. Für eine nachhaltige Aktienmarkterholung wäre es von Vorteil, wenn sich die wirtschaftlichen Frühindikatoren stabilisieren bzw. wieder ansteigen würden. Kurzfristig wären wir nach der letzten Kursrally vorsichtig bei der Aufstockung von Aktien. Hier gilt es einen besseren Einstiegszeitpunkt abzuwarten.

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03.02.2019 - Autor: Externer Kolumnist | Folgt uns auf Google News - hier klicken!

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Aktie: DAX - Aktienindex
WKN: 846900
ISIN: DE0008469008
Branche: Der Deutsche Aktienindex, kurz DAX, ist der wichtigste Index des Frankfurter Aktienmarktes. Der Index besteht aus 30 Aktien. Der Index wurde 1988 an der deutschen Börse als maßgebliches Marktbarometer eingeführt und ist Basiswert für viele Derivate, zum Beispiel im Bereich der Zertifikate und Optionsscheine. Der Startwert des Index geht auf das Jahresende 1987 zurück und ist mit 1.000 Punkten festgesetzt worden. Die wichtigste Form der Berechnung des DAX ist die als Performanceindex, von diesem ist in der Regel in den Medien die Rede, wenn es um den DAX geht. Neben den Kursveränderungen der jeweiligen Aktien werden bei einem Performanceindex zum Beispiel auch Ausschüttungen wie die Dividende berücksichtigt. Die exakte Zusammensetzung des DAX ist immer wieder Änderungen unterworfen. Für die Aufnahme einer Aktie in den DAX ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes sowie der Umsatz der jeweiligen Aktie maßgeblich. Die Zusammensetzung wird alle drei Monate durch den Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse überprüft. Zudem kann es außerhalb des üblichen Turnus Änderungen geben, wenn sich eine nicht im DAX vorhandene Aktie sowohl bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch dem Umsatz unter den Top 25 befindet – die sogenannte Fast-Entry-Regel. Unternehmen, die in den Index aufgenommen werden, müssen unter anderem im Prime Standard des Frankfurter Aktienmarktes notiert sein. Beim Streubesitz gibt es eine Mindestschwelle von 10 Prozent. Im DAX enthalten sind also die umsatzstarken Aktien großer Unternehmen. Beispiele hierfür sind Allianz, Bayer, Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, SAP, Siemens und Volkswagen. Ihre Gewichtung im Index ist unterschiedlich hoch und berechnet sich nach der Marktkapitalisierung des jeweiligen Unternehmens, basierend auf dem Streubesitz. Die DAX-Kurse werden während des XETRA-Handels auf Basis der Kurse der im Index enthaltenen Aktien berechnet. Vor und nach dem XETRA-Handel werden von der Deutschen Börse AG der Early DAX und der Late DAX berechnet.
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